Rezension

Eine Lebensgeschichte, die so unglaublich wirkt, wie die vielen kleinen Märchen, die um die Gestalt des Sixto Díaz Rodríguez erzählt wurden. So soll er sich bei seinem allerletzten Auftritt vom Publikum abgewandt mit Benzin übergossen und bei lebendigen Leib verbrannt haben. Aber das war nur eine Geschichte der vielen Geschichten, die man sich über den unbekannten Musiker aus Detroit in Südafrika erzählte. Dabei denkt man so oft, dass die erfundenen Geschichten die spannenderen wären. In der von Regisseur Malik Bendjelloul verfilmten Dokumentation „Searching for Sugar Man“ übertrifft aber die Realität weit die vielen Märchen.

Doch wer ist nun eigentlich dieser Sixto Díaz Rodríguez? 1997 wusste Stephen „Sugar“ Segerman nur, dass der Mann mit dunklem Haar und Sonnenbrille durch seine Musik nicht nur ihn, sondern eine ganze Generation in Südafrika bewegt hatte. Daher startete er die Seite „The Great Rodríguez Hunt“ und die Suche nahm ihren Lauf. Rodríguez selbst, der von dem ganzen Trubel um seine Person nichts mitbekam, lebte zu diesem Zeitpunkt kein erwartetes Musikerleben. Nachdem er 1970 nach zwei produzierten Platten – darunter auch „Cold Fact“ – keinerlei Erfolge in Amerika verzeichnete, ging er wieder seinem bescheidenen Arbeiterdasein nach. Er konnte ja nicht ahnen, dass jemand seine Platte auf Tape überspielt hatte und dieses Tape 1971 irgendwie in Südafrika zu Zeiten der Apartheid landete. Wie auch immer die Musik nun von diesem in Amerika unbedeutenden Musiker über den großen See gekommen war, er bewegte die Menschen in Südafrika. Sie fühlten sich nicht nur verbunden mit den Texten, sie sahen Rodríguez‘ Musik als Chance. Die Platten wurden in Massen gekauft und gleichzeitig auch von den Behörden zensiert aufgrund von Textpassagen wie „I wonder how many times you had sex. And I wonder do you know who‘ll be next.“ Doch auch hiervon bekam der später oft mit Bob Dylan verglichene Musiker nichts mit, denn das Geld kassierte alleine seine ehemalige Plattenfirma, sowie andere Leute, nur nicht der Musiker selbst. Erst durch die von Segerman initiierte Suchaktion sollte das anders erzählte Märchen des männlichen Aschenputtels ein Happy End bekommen und das für alle.

von Florian Bonn

Foto: © GallepMedien