Das Zimmer versinkt im Chaos, man fühlt sich nicht wohl und selbst die Yuccapalme macht es nicht besser? Dann könnte Feng-Shui im Studentenzimmer helfen. Wie man sein Zimmer diesbezüglich einrichten kann, zeigt InterStudies.

Zwei Drittel aller Studierenden lernen größtenteils Zuhause, das restliche Drittel in der Bibliothek, so eine Studie vom Hochschul-Informations-System aus dem Jahr 2013. Das Lernen in seinem Heim kann allerdings von vielen Faktoren abhängen – hier ein Ausflug in die Welt des Feng-Shui und seine Auswirkungen auf das Lernen. Doch was ist Feng-Shui überhaupt? Im deutschen Wörterbuch steht:
„Fẹng-Shụi (kein Plural): aus der fernöstlichen Geisteswelt stammendes Prinzip, nach dem zum Beispiel beim Bau von Häusern oder der Einrichtung von Räumen die Kräfte der fünf Naturelemente und ihre Wirkung auf den Menschen zu berücksichtigen sind.“

Birke Sander von dem Projekt InterStudies beschäftigt sich privat mit dem Thema Einrichtung, Lernen und Co. – beruflich ist es Aufgabe, die Studienanfänger in Greifswald gut zu betreuen und die Abbrecherquote zu senken.

Was kann man machen, um seine Studentenbude schön, aber auch funktional einzurichten? Sander meint: „Wie ist der Raum beschaffen? Wie viele Quadratmeter habe ich zur Verfügung? Wie ist der Lichteinfall? Gerade letzteres ist besonders wichtig, da zu wenig Licht gerade in Prüfungszeiten, in denen man nicht so viel aus dem Haus kommt, dazu führt, dass man bei Prüfungen schlechter abschneidet. Deswegen auch: nicht abdunkeln oder viele Pflanzen ins Fenster stellen“ – die beeinträchtigten die Stimmung und dadurch auch das Lernverhalten. Apropos Pflanzen: Manche Pflanzen absorbieren Schadstoffe, etwa die typische Büropflanze Gummibaum. Dieser absorbiert vor allem Formaldehyd, welches in „unrenovierten Studentenwohnheimen“ entsteht, oder auch einfach durch Teppiche, Computer, Kleber und Anstriche frei gesetzt wird.

Wichtig für ein gutes Qi: Der Schreibtisch

Ganz wichtig ist auch die Ausrichtung des Schreibtischs: Sogar bei der Bundeswehr gibt es Beschäftigte, die ausschließlich darauf schauen, dass die Arbeitsumgebung an jedem Büro-Arbeitsplatz möglichst optimal ist. Dazu zählt zum Beispiel, den Tisch nicht frontal vor das Fenster zu stellen, weil man so konstant geblendet wird. Bei Rechtshändern eignet sich vor allem die rechte Wand neben dem Fenster für den Schreibtisch, weil so natürliches Licht auf die Arbeitsfläche fällt, aber dabei nicht der Schatten der rechten Hand die Notizen oder sonstiges verdeckt. Dies gilt für Linkshänder dementsprechend umgekehrt.
Wichtig sei auch, Lern- und Entspannungsorte im Zimmer zu trennen: Das Bett sei schließlich für schöne Dinge da: Knuddeln, Sex und Schlafen. Wenn man nun die dicken Wälzer mit ins Bett nehme, sei der Ort vorbelastet und die schönen Dinge des Lebens machen etwas weniger Spaß.

Um konzentriert arbeiten zu können, ist generell eine gute Teilung zwischen Arbeit und Vergnügen sowie eine gewisse Ordnung auf Arbeitsflächen vorteilhaft – ein unaufgeräumter Schreibtisch mit den Unterlagen der vergangenen 37 Seminare verleitet eher weniger zum Lernen. Sander urteilt selber zu ihren Ratschlägen: „Manches mag zwar streng oder konservativ klingen, aber durch diese Trennung bleibt am Ende des Tages mehr Zeit für die restliche Freizeit.“ Wie schaut es aus mit dem typisch studentisch kreativem Chaos? Eine Studie der University of Minnesota hat 2013 ergeben, dass gerade kreative Arbeiten leichter auf einem persönlich eingerichteten Schreibtisch fallen. „Seriöse“ Arbeiten wie Forschungs-Paper liefen dagegen besser auf steril wirkenden Arbeitsflächen.

Der Stuhl – unscheinbar und doch so wichtig

Wichtig für ein gutes Lernen ist auch ein guter Stuhl: Ein Stuhl, auf dem man eingesunken und mit Buckel sitzt, ist kein guter Stuhl. Das aufrechte Sitzen schont die Wirbelsäule, schützt vor Verspannungen und hält einen sogar wach. Neueste – und mit 590 Euro auch eher teurere – Bürostühle berücksichtigen gar die unterschiedliche Anatomie zwischen Frau und Mann – langes Sitzen im Büro schädigt nachgewiesenermaßen die Fertilität beim Mann. „Gerade beim Lernen verbringt man doch mehrere Stunden täglich vor dem Schreibtisch. Ein guter Stuhl fällt definitiv in die Kategorie gute Studienausgaben.“

Die Frage zu Sitzmöbeln beschäftigt aber auch anderweitig, erklärt Sander: „Ich habe in einem Seminar mal über Einrichtung im Studentenzimmer gesprochen, wobei ein Studierender meinte, dass er nur einen Bierkasten zum Sitzen habe – gefüllt mit Bierflaschen. Für den Komfort hatte er ein kleines Sitzkissen. Er dachte, das sei besonders praktisch – dadurch habe er es nicht so weit bis zum Kühlschrank.“ Das Problem hierbei: Alkohol wirkt direkt auf das Gehirn, wodurch soeben Gelerntes – also neu geknüpfte Synapsen – direkt gelöscht wird. Auch vor Medikamenten zur Lernverbesserung warnen die Fachleute. Sanders Kommentar: „Mit dem größten eigenen Potenzial, dem Gehirn, sollte nicht zu sorglos umgegangen werden. Bis heute weiß auch noch niemand, wie sich dieser zweifelhafte Genuss auf das lebenslange Lernen auswirkt.“

Die Farbe zum Lernen: Blau

Um dem Thema Feng-Shui noch etwas näher zu kommen, darf ein Ausflug in die Farbenlehre natürlich nicht fehlen: „Die Farbenpsychologie besagt, dass gewisse Farben jeweils eine bestimmte Wirkung auf den Menschen haben – zum Lernen hat sich die Farbe Blau als besonders wirkungsvoll erwiesen. Blau wirkt beruhigend, sodass man sich konzentrieren kann – aber das natürlich in Maßen. Akzentuiert mit blauen Farbstreifen oder Vorhängen wird die Lernumgebung nebenbei zum echten Hingucker“, so Sander. Allerdings sind Farbvorlieben höchst subjektiv: „Manch ein ruhiger Typ braucht vielleicht eher knallige Orange- bis Rottöne um für das Lernen in Wallung zu geraten.“ Auch die Farbe Grün wirke gut: es dominiere hier eine Naturassoziation, sie wirke beruhigend und vermittele eine Verbundenheit zu Natur und Erde. Eher abzuraten sei von der Farbe violett, da diese eher Assoziationen zum Nachthimmel wecke, was natürlich denkbar ungeeignet für das Lernen sei – Schlafforscher außen vor gelassen.
Wer also Inspiration sucht, findet sie nicht nur im Möbelkatalog , sondern auch bei der chinesischen Lifestyle-Lehre Feng-Shui.

von Leonard Mathias

Grafik: Katrin Haubold