Rezension

Mit ihrem letzten Album „Santa Muerte“ (2011) stiegen die Broilers auf Platz drei der Albumcharts ein und erreichten einen enormen Bekanntheitsgrad. Mit der neuen Scheibe „Noir“ steigern sie ihren Erfolg. Die Platte schoss in der ersten Woche ihrer Erscheinung direkt auf Platz eins der Media Control Charts. Das Album löst dennoch eine hitzige Debatte unter den Fans aus, denn mit den Oi-Punkern, die die Broilers einmal waren, hat dieses Album wahrlich gar nichts mehr zu tun.

Die große Frage steht im Raum: Haben sich die Broilers verkauft? Vielleicht. Vielleicht ist dies aber auch einfach nur eine von der Band gewollte Entwicklung? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall haben sich die Broilers endgültig dem Mainstream geöffnet und werden Fans der ersten Stunde mit „Noir“ erstmal gehörig vor den Kopf stoßen!

Die letzten Alben ließen schon erahnen, dass die Band einen musikalischen Wandel vollziehen würde. Jedoch kommt das neue Album dann doch irgendwie zu poppig daher. Nur Sammys unverwechselbare Stimme sticht einwandfrei heraus. Bei einigen Liedern erkennt man die Broilers musikalisch überhaupt nicht wieder und fragt sich eher, ob das nicht ein anderer Künstler ist, der da aus den Boxen ertönt. Textlich gesehen hat das Album Klasse – wie immer. Musikalisch ist es beim ersten Hören irgendwie verstörend – zu viel Melancholie, zu wenig Broilers! Wo bleibt die Auf-die-Fresse-Mentalität wie zu Zeiten von „Weg von den Straßen“ oder „Fackeln im Sturm“? Einzig der Song „Nanana (Ich krieg´das hin)“ erinnert zumindest ein bisschen an die Band vergangener Tage.

Hört man das Album ein zweites und drittes Mal, so kann man sich mit dem ein oder anderen Lied anfreunden und es sogar gut finden. „Zurück in Schwarz“ hat beispielsweise dieses Potenzial.
Alles in allem waren die Erwartungen hoch und wurden irgendwie nicht so erfüllt, wie man es sich erhofft hätte. Vereinzelte Lieder bleiben am Ende zwar als gute Ohrwürmer hängen, aber insgesamt greife ich dann doch lieber auf die anderen Alben zurück. Die Broilers werden zukünftig weiterhin ausverkaufte Hallen mit vielen neuen Fans haben, denn sie liefern (auch) einfach super Liveauftritte ab, dennoch werden sie viele alte Fans verlieren. Dafür ist „Noir“ einfach zu poppig und zu Mainstream geworden.

von Laura-Ann Schröder

Foto: ©Universal