An der Regionalschule „Am Bodden“ in Neuenkirchen werden seit 2013 Schüler der 7. Klasse mit iPads unterrichtet. Damit sollen sie den Umgang mit den neuen Medien lernen und eine moderne Art des Lernens gezeigt bekommen. Greifswalder Lehramtsstudenten sind über einen solchen Fortschritt geteilter Ansicht.

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Mit dem iPad in den Unterricht der Zukunft

Lange Zeit gab es in Deutschland nur vereinzelt Schulen die in Pilot-Projekten versucht haben, Laptop-Klassen oder dergleichen zu installieren. Die ersten Laptops waren oft schwer und störungsanfällig. Vielleicht oder gerade deshalb blieben viele Schulen bei ihren etwas eingestaubten PC-Räumen und ersparten sich den teuren, ungewissen Weg.

Mit der Markteinführung des iPads 2010 eröffneten sich jedoch völlig neue und ungeahnte Möglichkeiten und es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Schulen entschlossen „Tablet-Klassen“ einzuführen. Die Schulen setzten dabei auf eine 1:1 Lösung, das heißt die Tablets werden nicht nur stundenweise an die Schüler verteilt, sondern von den Eltern angeschafft und sind somit persönliches Eigentum der Schülerinnen und Schüler. Sie können ihr iPad individuell gestalten und auch außerhalb der Schule nutzen.

Die iPads werden in der Schule als zusätzliches Lern- und Arbeitsmittel eingesetzt und ermöglichen, die Unterrichtskultur innovativ zu gestalten. Das Tablet ist sehr vielseitig einsetzbar und vereint viele nützliche Dinge. Deshalb eignet es sich hervorragend für Projektarbeiten oder Facharbeiten. Mit Hilfe ihres Tablets können die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel Filme drehen, Audiodateien und Bilder erstellen und diese ihren Mitschülern präsentieren. Darüber hinaus lassen sich mit Programmen wie Keynote oder Book Creator sehr kreative Produkte anfertigen. Die Schülerinnen und Schüler haben Spaß daran, immer neue Dinge auszuprobieren und zu erforschen. Der Arbeit mit einem Tablet sind fast keine Grenzen gesetzt und es ist zu beobachten, dass die Schülerinnen und Schüler durch die kreative Arbeit mit ihrem Tablet enorm motiviert sind. Natürlich wird es auch für ganz alltägliche Dinge genutzt wie zum Beispiel als Notizheft, als Taschenrechner oder als Hausaufgabenheft. Das geringe Gewicht ermöglicht es darüber hinaus, das Gerät auch außerhalb des Klassenzimmers einzusetzen. So ist es zum Beispiel möglich,  die relativ enge Struktur des Klassenzimmers aufzulösen und die Schüler frei in der Schule arbeiten zu lassen.

Dennoch behaupten viele Kritiker, dass der Einsatz des iPads dazu führen würde, dass die Schülerinnen und Schüler das Schreiben verlernen und plädieren für einen klassischen Unterricht. Diese Behauptung ist so nicht richtig. Natürlich schreiben die Schülerinnen und Schüler vereinzelt auf ihrem Gerät, jedoch sind Stift und Papier weiterhin fester Bestandteil der Unterrichtsausrüstung und die Schülerinnen und Schüler wechseln problemlos zwischen Stift und Tastatur hin und her. Zu betonen ist, dass das Tablet stets nur ein Werkzeug bleibt und nicht Mittelpunkt des Unterrichts ist.

Abschließend ist festzuhalten, dass mit der neuen Generation an Tablets ein sehr vielseitiger und innovativer Unterricht zu realisieren ist. Darüber hinaus ist ein Ende der Möglichkeiten noch nicht abzusehen, denn immer mehr Firmen und Verlage richten ihr Angebot speziell auf den Unterricht mit Tablets aus.

von Vincent Neumann

Es kommt auf das Medien-Arrangement an

Von Zeit zu Zeit werden – gerade wenn neue technische Medien auftauchen – im Unterricht Versuche gestartet, die den Lerneffekt eines solchen Mediums erproben sollen. Dies ist in jedem Fall löblich, schließlich sollen Schülerinnen und Schüler im Lernprozess mit Materialien ausgestattet werden, die den größtmöglichen Lerneffekt erzielen.

Studien, die sich in der Vergangenheit mit dem Computer als Lernmedium auseinandersetzten, kamen zu dem Ergebnis, dass schwache Lerner zu Beginn vom Computer-Lernen profitieren, danach jedoch recht schnell wieder die Lust verlieren würden. Untersuchungen zum Lernen am Computer oder zum Lernen ausschließlich mit dem Fernseher ergaben, dass kurzfristig beim Lernen mit dem Computer oder dem Fernseher höhere Lerneffekte erzielt werden konnten. Dieser Lerneffekt konnte hingegen innerhalb einer Langzeituntersuchung nicht bestätigt werden. Es wird hierbei der „Neuerungseffekt“ vermutet. Dieser besagt, dass, wenn ein neues technisches Medium im Unterricht zum Einsatz kommt, aufgrund der Neugierde, dass neue Medium zu erproben, zwangsläufig ein höherer Lerneffekt mit dem zu vermittelnden Inhalt erzeugt wird.

Allerdings tritt nach einer gewissen Zeit der Gewöhnungseffekt ein. Der Fernseher ist im Unterricht längst kein „neues Medium“ mehr, ebenso wenig wie der Computer. Power-Point-Präsentationen sind inzwischen ebenso zum Alltag geworden, zumal Schülerinnen und Schüler bereits mit diesen Medien aufwachsen und sie keine Besonderheit mehr darstellen. Es ist nicht mehr modern, sondern alltäglich.
Ein ähnlicher Effekt dürfte sich bei den I-Pad-Klassen in Neuenkirchen ergeben. Zunächst ist es ganz neu, mit den Geräten zu lernen, es ist cool, mit einem Medium zu lernen, um das diejenigen beneidet werden, die ein solches besitzen. Doch wenn das I-Pad oder entsprechende Gegenstücke anderer Marken zum Alltag geworden sind, tritt auch hier der Gewöhnungseffekt ein. Vor diesem Hintergrund wird sich dann – vermutlich – ähnlich wie beim Lernen mit Fernseher und Computer, herausstellen, dass der Lerneffekt langfristig geringer sein wird, als wenn auf eine Vielfalt der Medien zurückgegriffen würde. Dies zeigen zumindest Untersuchungen der pädagogischen Psychologie.

Insofern spricht nichts dagegen, das I-Pad als Unterrichtsmedium einzusetzen. Allerdings ist es wenig sinnvoll, nur auf ein Medium im Unterricht zu setzen. Denn dann stellt sich, bei aller Vielfalt, die ein I-Pad ermöglicht, recht schnell Langeweile ein. Der Unterricht wird am Ende vielleicht sogar langweiliger, als wenn mit Tafel, Arbeitsheft, Lehrbuch und Folie gearbeitet wird. Darüber hinaus ist man beim Lesen über den Bildschirm zumeist mehr abgelenkt, als beim Lesen über das altbewährte Blatt Papier. Ursache hierfür ist das Flimmern des Bildschirms, das auch bei einem I-Pad noch gegenwärtig ist, wenn auch nicht in dem Maße, wie bei einem Computer der 90er Jahre. Es spricht also einiges dafür auf eine Medienvielfalt im Unterricht, statt auf eine Monokultur zu setzen.

von Marco Wagner