Rezension

Billy (Vince Vaughn) und Nick (Owen Wilson) sind zwei Top-Verkäufer in der Armbanduhren-Szene. Die Branche schläft jedoch ein, sie werden gekündigt und neue Jobs müssen her. Sie stoßen durch die Suchschlagworte „Jobs für Leute mit wenig Fähigkeiten“ auf die Anzeige, die ihr Leben wieder auf die richtige Bahn bringen soll: Praktikantenjobs, die mit 6 000 Dollar im Monat vergütet werden. Die Rede ist natürlich nicht von irgendeinem Konzern, sondern von Google. Die beiden sind in ihrem Business bereits Alte Hasen und auch ihr technischer Wissensstand befindet sich auf dem Level von Dinosauriern. Das Online-Bewerbungsgespräch muss mit anfänglichen Schwierigkeiten in der Bücherei stattfinden. Zudem bewerben sich auf 1 500 freie Stellen jährlich rund 40 000 Bewerber, von denen wohl kaum einer älter als 20 ist – und gerade die beiden Mittvierziger rechnen sich ernsthafte Chancen auf die Arbeitsplätze aus.

Alle Praktikumsanwärter müssen ein mehrwöchiges Auswahlcamp auf dem Google-Campus bestreiten und ab dem ersten Tag wird der Zuschauer das Gefühl nicht los, dass er in einem zweistündigen Google-Werbefilm, zusammengeschnitten aus den bekanntesten Filmen der letzten Jahre, gelandet ist. Es werden Fünfer-Gruppen gebildet – natürlich kommen Nick und Billy in die Problemgruppe der Übriggebliebenen. Parallelen lassen sich zu den zwei Teilen der „Tribute von Panem“ in Form der „mentalen Hungerspiele“ ohne große Probleme finden.

Es gibt fünf Aufgaben, wobei gerade die zwei letzten Disziplinen sich als Paradedisziplin und gleichzeitig als Stolperstein darstellen: Kundenbetreuung und Werbekunden gewinnen. Der Film inszeniert die typische „Hollywood-Dramaturgie“, nach der die Freundschaft und der Teamgeist auf eine harte Probe gestellt werden, doch am Ende liegen sich „die Guten“ natürlich in den Armen und „die Bösen“ haben das Nachsehen. Die strahlenden Google-Farben verlieren die Kameras nie aus den Augen. Der Zuschauer bekommt eine ausgiebige Campus-Führung und die „Noogler“ (Wortschöpfung aus New und Google), die irgendwann „Googler“ werden möchten, sind an den lustigen „googlefarbigen“ Kappen zu erkennen. Die Produzenten des 58 Millarden Dollar-Films betonen des Öfteren, dass die Produktion kein Google-Auftrag sei, jedoch scheint es fast absurd, dass das 240 Millarden Dollar-Unternehmen seine Finger nicht mit im Spiel hat.

Für den einen oder anderen Lacher in einer geselligen Runde am Abend ist der Film auf jeden Fall zu empfehlen. Vince Vaughn und Owen Wilson zeigen sich charmant witzig und ihre tollpatschig-ahnungslose Art gibt dem Film einen gewissen Charme. Anspruchsvolle Filmliebhaber sollten sich jedoch überlegen, ob sie das Geld für diese DVD nicht besser in einen anderen Film investieren.

von Markus Teschner