Geht man in die neue Mensa oder in eine Vorlesung am Audimax, läuft er einem über den Weg: Berthold Beitz. Sein Name ist in Greifswald allgegenwärtig. Doch wer war dieser Mensch und wie kommt ihm die Ehre zu Teil sowohl Ehrendoktor, Ehrensenator und Namensgeber zu sein, obwohl er selbst nie an der Universität Greifswald studierte?

1913 in Zemmin, einem kleinen Dorf zwischen Demmin und Greifswald, geboren, zog Berthold Beitz, zwölfjährig, mit seiner Familie in die Hansestadt. Hier legte er sein Abitur ab. Später absolvierte er, auf Drängen seines Vaters, eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Pommerschen Bank in Stralsund. In einer schwierigen Epoche schaffte Beitz es rasch, im Bankgeschäft aufzusteigen. Zunächst wurde er nach Stettin versetzt, später zum stellvertretenden Filialleiter in Demmin berufen. Unzufrieden mit seinem Beruf ging der, wie er sich selbst bezeichnete, „von Haus aus nüchterne Pommer“ 1938 nach Hamburg zu einem der Shell-Gruppe zugehörigen Mineralöl-Unternehmen. Von diesem Unternehmen wurde Beitz zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nach Polen versetzt, um die dortige Erschließung und anschließende Ausbeutung der örtlichen Ölfelder voranzutreiben. Er lies viele jüdische Einwohner der Stadt Boryslaw  in diesem Zusammenhang als unentbehrlich zur Erdölförderung einstufen, weshalb ein Abtransport dieser Stadtbewohner in Konzentrationslager unmöglich machte und er auf diese Weise zahlreichen Juden das Leben rettete. Auch deshalb bekam er 1973 in der Gedenkstätte Yad Vashem, den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen. Dieses sollte nur einer von noch vielen Ehrungen sein.

Moralischer Unternehmer und Menschenfreund

Zu Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Beitz von seinem bisherigen Posten abberufen und zu einem Kampfverband geschickt. So gelangte er auch in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er jedoch fliehen konnte. Von den Briten zunächst in der Verwaltung eingesetzt, wurde er später Generaldirektor eines Versicherungsunternehmens. Auch dort gelang es Beitz, sich schnell einen Namen zu erarbeiten, sodass ihn der Unternehmer Alfried Krupp von Bohlen und Halbach zu einem seiner wichtigsten Vertrauten machte.

Nach dem Tod Alfried Krupps wurde Beitz sowohl Aufsichtsratsvorsitzender der Krupp AG, als auch Krupps Testamentsvollstrecker. Infolge dessen wurde er zudem Generalbevollmächtigter der Krupp-Stiftung, welche bis dato zum Ziel hat, mit den finanziellen Mitteln aus Krupps Erbe, Sport, Kultur und Projekte zur Völkerverständigung zu fördern. Aus diesem Fond erhielt die Universität Greifswald immer wieder finanzielle Zuwendungen, welche unter anderem für die Renovierung des Audimax‘ verwendet wurden. Mit seinem Posten in der Stiftung unterstützte er zudem die Schaffung des Krupp-Kollegs, zur Förderung von forschenden Wissenschaftlern.

Die Universitätsrektorin Hannelore Weber bezeichnete Beitz in einem Nachruf als „einen großen Freund und Förderer der Universität Greifswald“. Noch 2009 brachte er Arbeitgeber und Gewerkschaften an einen Verhandlungstisch und ermöglichte so einen Kompromiss in dieser, von der Weltwirtschaftskrise geprägten, Situation.

In seinem langen Leben machte er zudem Bekanntschaften mit vielen anderen Berühmtheiten, wie Nikita Chruschtschow, Papst Johannes Paul II., oder Willy Brandt. Den Boxer Max Schmeling bezeichnete er gar als einen seiner Freunde. Nicht zuletzt dank seiner vielen wohltätigen Taten ist die Liste seiner Auszeichnungen enorm. Angefangen beim Verdienstkreuz des Landes Mecklenburg-Vorpommern, über Ehrendoktorwürden an einer Reihe verschiedener Universitäten, wie Krakau oder Bochum bis hin zum Bundesverdienstkreuz.

Als er am 30. Juli 2013, nur zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag verstarb, verlor die Universität somit nicht nur einen großzügigen Spender, sondern Deutschland auch, wie Helmut Schmidt ihn bezeichnete, einen “moralisch vorbildlichen Unternehmer und Menschenfreund.”

von Tobias Bessert

Foto: Katrin Haubold