Rezension

Barcelona, 1957. Der Herumtreiber Femin arbeitet in einer kleinen Buchhandlung mit seinem Freund Daniel. Durch einen Besuch eines Fremden holt ihn seine Vergangenheit wieder ein: vor einigen Jahren musste er im sagenumwobenen Gefängnis von Castell de Montjuic leben. Der Fremde hinterlässt ihm ein Exemplar des „Grafen von Monte Christo“ – Ein Buch für Gefängnisausbrecher und aller Rächer. Nicht nur sein Leben und sein Liebesglück scheinen in Gefahr zu sein, sondern auch das seiner Freunde. Doch steckt hinter all dem noch eine viel größere Macht?

Erneut lädt der Spanier Carlos Ruiz Zafón in die düsteren Gassen und zu ganz speziellen Personen aus Barcelona ein. Vielversprechend klingt die Fortsetzung seiner beiden Vorgänger. Jedoch kommt „Der Gefangene des Himmels“ nicht annähernd an die vorherigen Werke  heran.

Die ersten drei Stunden lassen auf Großes hoffen. Immer wieder kommen neue Rätsel ans Licht und man beginnt zu grübeln, wie sie gelöst werden können und wie sie alle in einem Zusammenhang stehen. Doch die Spannung ist nur von kurzer Dauer – viel zu schnell werden die Rätsel gelöst. Zum Schluss wartet kein spektakuläres Ende auf den Hörer, ganz im Gegenteil zu seinen früheren Werken. Während „Die Schatten des Windes“ den Zuhörer geradezu verschlingt, kommt der Nachfolger nur schwer voran. Zafón baut seine eigene Welt in den Gassen Barcelonas auf. Ganz individuelle Figuren mit ihren eigenen Geschichten, mysteriöse Ereignisse und spannende Handlungsverläufe sind die ständigen Wegbegleiter in den Büchern. Gerade mit seiner blumigen und übertriebenen Sprache schafft Zafón seine spezielle Welt. Er lässt die Gegenwart mit der Vergangenheit verschwimmen – so kann man nie genau sagen, wann die einzelnen Geschichten spielen. Ein Lichtblick gibt aber Andreas Pietschmann, der das Buch liest. Er hat eine warme, angenehme Stimme. Selbst so manch schwieriges spanisches Wort läuft flüssig über seine Lippen. Er lässt das Hörbuch zu etwas Besonderem werden. Mit ihm kann man in den kühlen Tagen die Wärme Barcelonas spüren.
Trotz einiger Schwächen ist „Der Gefangene im Himmel“ ein spannendes Hörbuch, das es sich zu hören lohnt.

von Corinna Schlun

Foto: ©Argon Verlag