Ich bin ein Currykorn und passe nicht zu euch Tomaten

Werde ich in einen Raum mit völlig fremden Menschen gesteckt, geselle ich mich dann zum Emo in die Ecke oder lege ich mich auf die Terrasse und lasse mir die Sonne auf den blanken Bauch scheinen mit meiner neuen BFF, mit der ich die Sonnenbank teile? Setze ich mich zu den coolen Jungs, die nur in der staubigen Abstellkammer ihres Gehirns Platz fürs Studieren schaffen und ihr Leben als feiernde Junggesellen genießen? Oder bin ich diejenige, die in der Menge steht und gerne von allem ein bisschen hätte?

„Hey, du Emo, leihst du mir deine Klinge? Ich muss mal Druck ablassen.“

„Sonnenbänklerin, ich hätte gerne ein bisschen was von deiner Gelassenheit und deiner Unbeschwertheit. Wie kannst du denn stundenlang nur in der Sonne liegen und nicht am Druck ersticken, der dir die Kehle zuschnürt?“

„Hey, Partyboy, kannst du mir nicht irgendwie helfen meine Abstellkammer aufzuräumen? Ich verkaufe dir ein bisschen Gerümpel, wenn du magst? Vielleicht möchtest du ja die Lampe, mit kaputter Glühbirne? Mir ist schon lange kein Licht mehr aufgegangen.“

Werde ich in einen Raum mit Fremden gebracht, entscheidet dann das Schicksal, der Zufall oder vielleicht nur eine bestimmte Situation mit wem ich mich anfreunde? Ich könnte nicht sagen, nach welchem Kriterium ich meine Freunde aussuche.

Eins weiß ich jedoch: Mit Snobs kann ich nicht! Jetzt wird sich der ein oder andere fragen, wie ich denn feststelle, ob jemand ein Snob ist und nicht ich selbst der Snob bin. Sie outen sich ziemlich schnell. Es gibt da die Vampir-Snobs, die zu jeder Stunde und Jahreszeit ihre geliebten Sonnenbrillen auf ihren fein gepuderten Näschen tragen. Liebhaber enger Jeans, wohlgemerkt Männer, können ein weiteres Zeichen für einen Snob sein. Ich will nicht sagen, dass jemand mit einem bestimmten Klamottengeschmack gleichzeitig ein Snob ist. Jedoch ist es doch oftmals so, dass die Pfaue unserer heutigen Zeit nur allzu gerne all ihre schönen Federn herzeigen und das vierundzwanzig Stunden am Tag. Es geht aber nicht nur um die Kleidung. Ein Lächeln wäre schon zu viel verlangt, viel zu sehr achten sie doch darauf, dass ihre Gesichtszüge perfekt liegen. Mit der Nase gen Himmel gerichtet, durchschreiten sie die Straßen. „Mensch, wenn du Nasenbluten hast, dann stopf dir doch ein Tampon in die Nase“, würde ich ihnen am liebsten nachrufen.

Unterhältst du dich dann auch noch mit einem Mediziner, dann ist alles vorbei: „Und du studierst was nochmal? Ach so, Kommunikationswissenschaft also…“

Nicht jeder Deckel passt auf jeden Topf. Genauso wie wir kein Curry in einer Tomatensuppe verwenden, verwende ich meine Sprüche auch nicht bei Personen, die ich so einschätze, dass sie meinen Humor gar nicht verstehen oder gar wertschätzen können. „Ich bin nun mal ziemlich scharf und passe zu dir faden Suppe einfach nicht. Such dir doch dein herzallerliebstes Basilikum, das passt viel besser zu dir.“  Ja, ich finde schon, dass ich etwas von dem Gewürz Curry habe. In einer guten Mischung kann ich durchaus süß schmecken, doch in anderen Rezepten, mit meinen Homies „Chili, Safran und Co“, kann ich zur Geschmacksexplosion werden. Doch sind wir nicht alle irgendwie Curry, auf unsere eigene Art und Weise?

mm109_46_kolumne_BellaWorten eine Bedeutung zu geben, ihnen Leben einzuhauchen, sie nicht als bloße Worte zu sehen, sondern als Expressionen meiner Selbst – ist es nicht das, was es bedeutet, sich auf Papier zu verewigen?

von Angi