Durch die Wahl der Fakultätsleitungen, die alle zwei Jahre vom Fakultätsrat ausgetragen wird, wurden drei Dekane neu und zwei wieder in das Amt gewählt. moritz hat den Dekanen sieben Fragen gestellt und bekam manchmal bizarre Antworten.

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Professor Klaus Fesser,
wird seit 2005 immer wieder als Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät gewählt.
Foto: Pressestelle

Wie würden Sie die vor Ihnen liegende Amtszeit mit einem Wort beschreiben?
Professor Fesser: Wenn ich wüsste, was da kommt, könnte ich dafür vielleicht ein Wort finden.
Professor Stamm-Kuhlmann: Herausforderung.
Professor Steinrücke: Herausfordernd.
Professor Beyerle: Gestalten.
Professor Biffar: Spannend.

Warum haben Sie sich als Dekan Ihrer Fakultät aufstellen lassen? Was hat Sie dazu motiviert?
Fesser: Die Bitte der Kollegen.

Stamm-Kuhlmann: Ich dachte mir: Man kann nicht immer nur zusehen, wie es die anderen machen. Man muss es auch einmal selbst tun. Das gilt für viele Ämter in einer Gesellschaft, die sich so viel wie möglich selbst verwaltet.
Steinrücke: Ich bin vom Kollegium vorgeschlagen worden. Das Dekansamt bietet die Möglichkeit, in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät gestaltend mitzuarbeiten.

Beyerle: Seit 2008 lehre und forsche ich an der Universität. In den vergangenen Semestern konnte ich in der Fakultätsleitung der Theologischen Fakultät und in den universitären Gremien mitwirken – mit insgesamt sehr guten Erfahrungen. Insbesondere die doch recht überschaubare Größe der Universität, die „kurzen Wege“ und guten Vernetzungen ermöglichen es, effektiv und auf hohem Qualitätsniveau in Fakultät und Universität zu arbeiten. Kurz: Hochschulpolitisch ist Greifswald ein Standort mit vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten, die auch in Zukunft auszuschöpfen sind. Hierzu möchte ich beitragen.
Biffar: Mit der Position des Dekans habe ich gleichzeitig auch die Funktion des Wissenschaftlichen Vor

stands der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) zu erfüllen, deren Vorstandsvorsitzender ich derzeit auch bin. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der UMG in der aktuell schwierigen Zeit liegt mir sehr am Herzen.

Was haben Sie für Ihre Amtszeit geplant?
Fesser: Unter anderem Qualitätssicherung, Promotion.

Stamm-Kuhlmann

Professor Thomas
Stamm-Kuhlmann,
ist seit 2014 im Amt als Dekan der Philosophischen Fakultät.
Foto:Privat

Stamm-Kuhlmann: Ich möchte gern mit dem Fakultätsrat zusammen ein Strukturkonzept erarbeiten, das die Fakultät mittel- bis langfristig attraktiv hält.

Steinrücke: Ich halte nichts von Ankündigungen, werde aber am Ende meiner Dekanszeit Bilanz ziehen. Dazu sind Sie schon jetzt herzlich eingeladen.
Beyerle: Auch wenn die Lehrerbildung nach einem aufwändigen, aber am Ende erfolgreichen, da konstruktiven Protest, erst einmal in Greifswald verbleibt, ist allen Verantwortlichen an der Universität deutlich, dass damit keinerlei Garantien verbunden sind. Greifswald muss und wird auch in Zukunft um die Lehrerbildung kämpfen (müssen). Die Studierendenschaft hat an den bisherigen Erfolgen großen Anteil, ist aber auch in den anstehenden Auseinandersetzungen gefordert. Ich bin insgesamt zuversichtlich, dass es mit geeinten Kräften möglich sein wird, auch in Zukunft die Lehrerbildung in Greifswald zu halten, ja sogar noch auszubauen. Ein weiteres, in Universität wie Fakultät, wichtiges Thema ist die Internationalisierung. Die Theologische Fakultät konnte in der jüngeren Vergangenheit bereits dazu beitragen: Unser Professor für Judaistik hat einen US-amerikanischen und einen israelischen Pass, die Fakultät ist sehr gut im Ostseeraum vernetzt, eine Doktorandin der Fakultät wurde kürzlich „binational“ promoviert und – nicht zuletzt – die drei Fakultätsinstitute begrüßen regelmäßig Gastwissenschaftler aus dem Ausland. Verbesserungsbedarf sehe ich bei den Studierenden: Einerseits müssen wir deutlich mehr internationale Studierende nach Greifswald locken, andererseits sollten wir noch stärker Greifswalder Studierende dazu ermuntern, ein oder zwei Auslandssemester zu absolvieren. Aktuell verzeichnet die Theologische Fakultät wieder steigende Zahlen bei Neuimmatrikulierten und Wechslern. Das ist mir und meinen Mitstreitern Ansporn genug, das Niveau zu halten und vielleicht noch zu verbessern.

Biffar: Wir haben schon in der letzten Periode begonnen, unsere Forschungslandschaft mit klaren Schwerpunkten und zugeordneten Core Units strategisch weiterzuentwickeln, um kompetitive, in gezielten Projekten weiterhin exponierte Drittmittel einwerben zu können. Auf Seiten der Lehre muss das Angebot der Universitätsmedizin attraktiv gehalten werden, auch wenn die Finanzierung unter den reduzierten Rahmenbedingungen alles andere als leicht fällt. Insbesondere die Einrichtung eines Lehr- und Lernzentrums für alle Gesundheitsberufe ist für mich ein wichtiges Ziel. Der Aufsichtsrat hat mich beauftragt, einen hauptamtlichen Dekan/Wissenschaftlichen Vorstand für die UMG zu suchen. So habe ich in der Wahl zum Dekan auch erklärt, dass ich zum 31. März 2015 um meine Demission bitten werde und spätestens dann hoffentlich an einen neuen hauptamtlichen Dekan übergeben werde.

In welchem Ausmaß betrifft das Hochschuldefizit Ihre Fakultät?
Fesser: Genauso wie alle anderen.

Stamm-Kuhlmann: Das Hochschuldefizit betrifft alle Fakultäten und es könnte sein, dass ab 2015 manche Professuren auch in der Philosophischen Fakultät nicht besetzt werden können. Im Moment wird daran gearbeitet, überhaupt einmal eine Zahl für das Defizit zu finden, die die Universität und die Landesregierung gleichermaßen anerkennen können. Es ist die Frage, ob unsere Gesellschaft Geld lieber in einen absteigenden Fußballverein oder in Stellen für aufsteigende Wissenschaftler stecken sollte. Es wäre unendlich schade, wenn aussichtsreiche Wissenschaftlerlaufbahnen nicht weiter geführt werden könnten.

Steinrücke

Professor Martin Steinrücke,
ist seit April 2014 Dekan der
Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät.
Foto:Privat

Steinrücke: Die Unterfinanzierung der Universität beeinträchtigt vor allem die Lehrqualität an unserer Fakultät. Leidtragende dieser Sparpolitik sind die Studierenden, die ein Anrecht auf die bestmögliche Ausbildung haben. Zwar sorgen die Hochschulpaktmittel für eine punktuelle Entspannung, das strukturelle Problem einer flächendeckend zu dünnen Personaldecke wird dadurch aber nicht gelöst. Hier ist die Politik gefordert.
Beyerle: In der Relation trifft uns das Defizit wie jede andere Organisationseinheit der Universität. Faktisch sind wir insofern sogar etwas stärker betroffen, als unsere schmale Personaldecke kaum Spielräume für den Ausgleich zulässt (Stichwort: Vakanzen). Mit einer generell angespannten Finanzsituation versuchen wir, „kreativ“ und verantwortlich umzugehen.
Biffar: Die UMG hat als rechtsfähige Teilkörperschaft einen zur Universität separaten Haushalt, der neben den Zuweisungen des Landes auch die Mittel des Landes für die Trägeraufgaben in der Krankenversorgung enthält. Das Land hat im Haushaltsansatz der UMG für Lehre und Forschung jedoch den Mehrbedarf von Infrastrukturkosten und Bewirtschaftung des nachgewiesenen Gebäudeanteils für Lehre und Forschung in Höhe von rund zwei  Millionen Euro nicht anerkannt. Da diese Kosten unabwendbar sind, wird sowohl vom Aufsichtsrat als auch vom Land erwartet, dass diese finanzielle Lücke zu Lasten der Personal- und des Sachmittelansätze kompensiert werden. Hierfür habe ich im Aufsichtsrat einen Prüfauftrag erhalten.

Wie wollen Sie mit den Auswirkungen, zum Beispiel eventuellen Stellenstreichungen umgehen?
Fesser: Gibt`s denn welche?
Stamm-Kuhlmann: Wenn es weniger Professuren gibt, müssen auch die Studiengänge entsprechend verkleinert oder in ihrer Zahl verringert werden. Ich hoffe allerdings immer noch, dass sich das Schlimmste abwenden lässt und  halte es für verfrüht, mit Katastrophenplänen hervorzutreten.
Steinrücke: Darüber werden wir im Kollegium beraten. Sicher ist nur, dass Stellenstreichungen unabhängig von den ergriffenen Maßnahmen immer zu Lasten der Studierenden und Lehrenden gehen. Da gibt es nichts zu beschönigen.

Beyerle

Professor Steffen Beyerle,
ist seit 2014 Dekan der Theologischen Fakultät.
Foto:Privat

Beyerle: Verantwortung heißt, dass wir zum einen gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pflicht sind. Zum anderen sind wir auch gegenüber unseren Studierenden in der Pflicht, etwa bei der Aufrechterhaltung des Lehrangebots in guter Qualität. Ich denke, dass nur ein gemeinsamer Protest und eine nach außen kommunizierte geschlossene Haltung in Schwerin und an anderen Orten deutlich machen können, dass eine Investition in Bildung in Greifswald eine sinnvolle Investition in die Zukunft ist. Die ersten zurückliegenden Aktionen haben da meiner Ansicht nach den richtigen Weg eingeschlagen.
Biffar: Aufgrund der Aufträge durch den Aufsichtsrat, wird eine Beschlussvorlage für eine befristete Stellensperre im Bereich Lehre und Forschung dem Vorstand vorgelegt. Die Wiederbesetzung von Stellen wird damit für einige Monate ausgesetzt. Da in der UMG keine Stellenpläne sondern reine Personalbudgets für die Einrichtungen geführt werden, gibt es keine Stellenstreichungen im klassischen Sinne, aber Kürzungen der Personalbudgets der Einrichtungen.

Auf was freuen Sie sich in Ihrer Amtszeit?
Fesser: Nicht auf Fragebögen.
Stamm-Kuhlmann: Reden und Verhandeln macht Freude.
Steinrücke: Auf das Kennenlernen von Menschen mit mehr Erfahrung und widerstreitenden Interessen.
Beyerle: Auf die gute Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen.

Biffar

Professor Reiner Biffar,
war bereits zweimal (1998-2000 und 2003-2004) und ist seit 2012 wieder Dekan der Universitätsmedizin.
Foto:Privat

Biffar: Auf einen erfolgreichen Prozess zur Installation eines externen hauptamtlichen Dekans/Wissenschaftlichen Vorstandes.

von Katrin Haubold

Grafik: Martin Grimm