Das Projekt „Nachhaltiger Waldumbau“ hat andere Pläne mit dem Universitätsforst als die Universität selbst. Damit mehr über den Tellerrand hinaus gedacht wird, soll nun eine Kommission für Umweltziele gegründet werden.

Etwas Gutes für die Natur tun, unseren Universitätswald gedeihen lassen, so wie er gerade möchte – das hat sich das Projekt „Nachhaltiger Waldumbau“ zum Ziel gemacht. Seit ihrer Gründung im Jahre 1456 besitzt die Universität große Waldgebiete und landwirtschaftlich genutzte Flächen, die zum Körperschaftsvermögen der Universität gehören. Die Einnahmen, die die Forst- und Liegenschaftsverwaltung erwirtschaften, gehen an den Haushalt der Universität.

Das Institut der Landschaftsökologie und Botanik möchte schon seit Längerem den Universitätsforst an die natürliche Vegetation Nordeuropas anpassen. Bäume, die normalerweise nicht ihr volles Alter erreichen – die keine 300 bis 400 Jahre alt werden – sollen wieder als Lebensraum für andere Lebewesen dienen können, indem sie nicht nach einigen Jahrzehnten dem Förster zum Opfer fallen.
Der Lübecker Stadtwald ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass ein Wald ohne Bewirtschaftung auskommt. In Lübeck werden hierbei Bäume nicht aus forstwirtschaftlichen Zwecken gefällt, sondern nach Wertigkeit des Baumes. Der Interessent, der oftmals etwas Besonderes sucht und am meisten für den Baum bietet, erhält den Baum und darf ihn fällen. Dadurch wird in den meisten Fällen mehr Geld erzielt als bei der gewöhnlichen forstwirtschaftlichen Methode. Im Greifswalder Universitätsforst konnte dies jedoch noch keine Anwendung finden. Der Universitätsforst erwirtschaftet zurzeit sechsstellige Summen durch das Abforsten und eine Umstellung für die Universität würde vorerst keine größeren Einnahmen erbringen.

Die Universität kann mehr

Nach Antje Gärtner, der Ökologie-Referentin des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), mache die Universität nur so viel, wie sie machen muss. Schon seit Generationen würden Studenten versuchen, den Universitätsforst nachhaltiger zu gestalten. „Es wird nicht über den Tellerrand hinaus gedacht“, erwähnt sie. So fehle der Wille von Seiten der Verwaltung, der Universität und des Försters, mehr Energie, Leistung und Innovation in den Wald zu stecken als bestimmte Vorgaben bestimmen. Antje und viele andere sind es leid, dass wichtige Entscheidungen oft unüberlegt getroffen würden, da keine Zeit bestünde, sich mit den Themen tiefgründig zu befassen. Sie hofft, dass bald eine Kommission für Umweltziele gegründet werden soll. Diese möchte sich mit Umweltfragen aller Art befassen, die mit Greifswald zusammen hängen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Kommission anfangen könne, sich ausführlich mit Umweltthemen zu befassen. Doch zuerst müsse aus jeder Fakultät ein Professor gefunden werden, der sich bereit erklärt, Zeit und Energie für Umweltfragen zu investieren. Der sei vor allem bei der medizinischen und theologischen Fakultät gegenwärtig nicht einfach zu finden.

Tanzen für den Universitätsforst

Unter anderem fand für das Waldumbau-Projekt am 14. Januar 2013 die Spendenaktion „Tanzen fürs Wäldle“ im klex statt. Dabei kamen 150 Euro zusammen, die für das Forschungsprojekt „Nachhaltiger Waldumbau“ verwendet werden konnten. Wer sich für die Natur einsetzen will, kann das Projekt mit einer einmaligen Spende unterstützen und dabei entweder eine Baumpatenschaft erhalten oder das Pflanzen neuer Bäume ermöglichen. Momentan gibt es nur drei Baumpatenschaften – inklusive der des AStA. Jedoch kann für verschiedene Pflanzaktionen gespendet werden. Ob ein Streuobstgehölz oder ein Laubgehölz durch Spenden finanziert oder ein ausgewachsener Baum im Wirtschaftswald geschützt wird – das entscheidet der Spender selbst. Eine zweite Tanzaktion ist im Sommersemester für das Projekt geplant.

von Angela Engelhardt

Foto: Simon Voigt