Eine Woche ohne Smartphone  – für viele ist das heutzutage unvorstellbar. Dank der Geräte ist man ständig erreichbar, kann sich x-beliege Apps runterladen und mögliche Langeweile sofort im Keim ersticken. Das Smartphone ist ein alltäglicher Begleiter geworden und kaum mehr wegzudenken. Zwei Redakteure haben eine Woche lang auf das Allroundgerät verzichtet.

Erfahrungsberichte

Ausflug in die Realität

Eine Woche ohne Handy – Geht das überhaupt?! Ein paar Scherze nach dem Motto „Du bist ja so handysüchtig. Wenn du mal dein Handy nicht hättest, umkommen würdest du vor Entzugserscheinungen!“ resultierte in einer Abmachung mit meinem Freund, das Handy für eine komplette Woche abzugeben. Natürlich, ein Nein hätte genügt, und ich wäre nach wie vor – verwöhnt durch den ganzen Luxus, den uns das Smartphone bietet – durch das alltägliche Leben gestiefelt.  Aber der Reiz hatte schon Besitz von mir ergriffen: der Reiz, den Freund zur Abwechslung mal ein paar Tage leiden zu sehen. Also gaben wir wagemutig unsere Mobiltelefone ab, bereit die Abstinenz zu beginnen.

Der erste Abend verlief erstaunlich entspannt. Ich hatte das Gefühl, dass Markus und ich die gemeinsame Zeit wirklich genossen. Keine Anrufe zu unpassenden Momenten, keine ständigen Signaltöne aus den unzähligen WhatsApp-Gruppen und auch keine Möglichkeit, die eigene Zeit bei Candy Crush  oder Quizduell zu verplempern. Nein, wir konnten einfach mal ungestört für uns sein. Genauso wie der erste Abend verlief auch der darauffolgende Tag erholsam. Niemand konnte mir schreiben, was bedeutete, dass auch niemand eine sofortige Antwort meinerseits erwarten konnte. Das Paradies auf Erden. Eine stresserzeugende Quelle im Alltag war erfolgreich abgestellt.

Okay, zugegebenermaßen stellte sich die Zeit ohne mobile Erreichbarkeit als kein Zuckerschlecken heraus. Auf der einen Seite sorgte die Abwesenheit meines Handys für erholsame Tage, auf der anderen Seite entging mir jedoch auch allerhand aus meinem sozialen Umfeld. Unsere heutige Generation ist so sehr auf den ständigen Gebrauch von Smartphones und deren kreativen Apps gepolt, dass man sich als Nicht-Nutzer geradezu ein Stück weit sozial ausschließt. Von all dem, was über WhatsApp ausdiskutiert und beschlossen wurde, nahm ich nur dann Notiz, wenn mich Freunde persönlich darüber aufklärten.
Aber Moment mal, in der Vorlesung hörte ich zum ersten Mal fast durchgängig zu! Was bleibt einem auch anderes übrig, wenn alle um einen herum wie besessen auf den kleinen leuchtenden Bildschirmen herumtippen. Und abends auf der Party gehörte ich zu den Ausnahmen, die nicht alle zehn Minuten ihren mobilen Posteingang kontrollierten. Mir brannte die Zunge mein Gegenüber mit einer kleinen „Na komm, komm, wer schließt sich nun sozial aus?“-Neckerei zu provozieren.

Die Zeitersparnis, die aus dem Nicht-Konsum resultierte, war erstaunlich. Viel Zeit, um sich den realen Dingen des Lebens zu widmen. Verabredungen mit Freunden blieben Verabredungen mit Freunden, anstatt reale Treffen mit virtuellen Schreibereien zu komplettieren.

Ein Leben ohne Handy – für mich undenkbar. Trotzdem, vielleicht aber auch wegen meiner zweifelnden Einstellung, hat der Versuch mir bewiesen: Es geht auch ohne! Und das sogar erstaunlich gut. Einmal damit abgefunden, nimmt man den Alltag erstaunlich anders wahr. Irgendwie ein bisschen realer, nicht ganz so virtuell.

von Fabienne Stemmer

Mein erstes Mal

„Das schaffst du nie“ – vier provokante Worte. Das eigene Ego weiß natürlich, dass sieben Tage ohne Smartphone ein Kinderspiel sind. Und doch wären das die ersten aufeinanderfolgenden Tage, die ich seit meiner Rückkehr aus Kenia vor rund einem halben Jahr ohne mein Handy verbringen würde. Wie sollten ein paar handyfreie Tage ein großes Problem darstellen, wenn es in Kenia doch ohne ging? Angefangen haben die Problemchen schon, da war das Gerät sogar noch an. Ich besitze keine Armbanduhr, einen Wecker erst recht nicht. Das große Sammeln im Freundeskreis begann.

Sehr gespannt startete ich in die Woche. Schnell stellte sich heraus, dass sie sehr entspannt werden würde. Ich erwartete, dass mein Facebook-Konsum erheblich steigen und der Drang nach meinem Smartphone im Laufe der Zeit größer werden würde. Das erste Abendessen gelang in absoluter Zweisamkeit – kein Vibrieren, kein Klingeln. Auch das andauernde, fast alibimäßige auf‘s Handy schauen hatte endlich ein Ende. Der Blick, ob mich eine neue Nachricht erreicht hat, kam in der Vergangenheit doch häufiger vor, als es mir lieb war. Wenn man sich abends auf ein oder zwei Bier trifft, dann darf der ständige Begleiter natürlich nicht fehlen. Auch wenn das gute alte Mäxchen-Trinkspiel zum Rundenthema in der Kneipe wird, werden nicht mehr traditionell die Würfel aus der Spielesammlung geholt, sondern einfach eine der unzähligen Würfel-Apps heruntergeladen.

Aus Neugier stapelte ich alle Utensilien auf, die in meinem Handy integriert sind, und ich war überrascht, was für ein Haufen da vor mir zusammen kam: Telefon, Wecker, MP3-Player, verschiedene Spiele zur Belustigung, Kamera, Terminplaner und andere nützliche Dinge. Vier Tage lang bin ich sogar mit meinem geliehenen großen Wecker im Rucksack zur Uni gelaufen – da mir das dann zu blöd wurde, gesellte sich noch eine Armbanduhr dazu.

Doch kommen wir zu den unumgänglichen, positiven Seiten unseres Versuchs. In Momenten, in denen abends der Klingelton meines Dozenten ertönt, während er noch in der Vorlesung oder einer Versammlung ist, und er den Raum mehr oder minder gestresst mit den Worten „Ich werde nach Hause beordert“ verlässt, war ich einfach nur froh, für eine Weile unerreichbar zu sein. Auch forderte mich niemand zu einem Quizduell heraus, während ich eigentlich die Odyssee des Homers und Luhmanns Systemtheorie in mein Gehirn inhalieren sollte. Ebenfalls war es ein fast befriedigendes Gefühl, dass ich getrost wusste, dass die genervten Worte „Können Sie nicht einmal mehr 90 Minuten ohne ihr Smartphone auskommen?“ zumindest in dieser Woche nicht an mich gerichtet waren.

Lange Rede, kurzer Sinn: Inzwischen benutze ich natürlich wieder mein Smartphone. So richtig aus meinem Alltag ausschließen möchte ich es auch so schnell nicht wieder – dafür nimmt es mir dann doch zu viele Dinge ab. Den einen oder anderen entspannten Abend ohne Handygebrumme gönne ich mir inzwischen jedoch regelmäßig.

von Markus Teschner