Rund 150 Beschlüsse fasst das Studierendenparlament in einer Legislatur. Aber was passiert danach? moritz ist der Sache auf den Grund gegangen. Dieses Mal: die Broschüre über Verbindungen.

Auch wenn nicht alle Burschenschaften eine rechtsextreme Einstellung vertreten, kam es im Laufe des letzten Jahres dennoch innerhalb der Deutschen Burschenschaft zunehmend zu „völkisch-nationalen Tendenzen“. Deshalb, aber auch aufgrund „fehlender öffentlicher Auseinandersetzung“ mit den zwei Greifswalder Burschenschaften, der Makromania Aachen Greifswald und der Greifswalder Burschenschaft Rugia, beschloss das Studierendenparlament im Juni letzten Jahres, dass der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) sich mit den Greifswalder Burschenschaften befassen sollte. „Nicht nur Erstis sind die Vorgänge in den Verbindungen unbekannt, aber gerade diese werden aufgrund der Wohnungslage in Greifswald immer wieder in solche Strukturen hineingelockt“, erklärt Marian Wurm, einer der Antragssteller. Von daher wurde geplant, eine Informationsbroschüre zum studentischen Verbindungswesen in Greifswald herauszubringen. Diese soll einen Überblick verschaffen, indem sie eine Charakterisierung und kritische Reflexion über die Verbindungen gibt. Dabei soll es besonders um die Merkmale gehen, die die unterschiedlichen Verbindungen ausmachen. Auch wird angestrebt, verschiedene Arten von Verbindungen zu differenzieren. Vergleichbare Broschüren gibt es bereits an anderen Universitäten, so zum Beispiel in Frankfurt am Main oder in Trier.

In Greifswald hingegen existiert sie auch knapp ein Jahr nach dem Beschluss noch nicht. Es wird aber daran gearbeitet, wie die AStA-Referentin für Hochschulpolitik, Politische Bildung und Antirassismus, Marie Bonkowski, versichert. Allerdings stehen andere, aktuellere Dinge oft weiter oben auf der Prioritätenliste, weil sie möglichst zeitnah zu erledigen sind. Beispiele hierfür sind die Europa- und Kommunalwahlen, neue Demonstrationen und die Veranstaltungen um das allseits bekannte Haushaltsdefizit. Andere, weniger drängende und längerfristige Arbeiten, wie das Zusammenstellen des umfangreichen Informationsmaterials, werden deswegen oft erstmal zurückgestellt. Deshalb zieht sich die Ausarbeitung der Broschüre derzeit noch hin. „Hinzu kommt, dass die Beschaffung der nötigen Informationen auch nicht immer ganz einfach ist“, so Marie. Zwar verfügen etliche der Verbindungen inzwischen über Internetauftritte. Diese jedoch sind meist auf Bundesebene oder oberflächlich gehalten, weshalb es nicht ganz einfach ist, Genaueres über die Aktivitäten der einzelnen Verbände oder die genaue Umsetzung der öffentlich genannten Grundsätze zu erfahren. Genau das wäre aber notwendig um eine Veröffentlichung mit umfangreicherem Informationsmaterial zu erstellen, was den Zielen des Beschlusses gerecht werden würde.

Dennoch soll die Informationsbroschüre in den nächsten Monaten fertig gestellt und herausgebracht werden. „Ich hoffe, dass ich sie bald von meiner To-do-Liste streichen kann“, erklärt die Referentin weiter. Zusätzlich soll noch in diesem Sommersemester eine Informationsveranstaltung über die regionalen Burschenschaften stattfinden. Wann genau, ist allerdings noch nicht festgelegt. Es zeigt sich also wieder einmal, dass aufgeschoben nicht gleich aufgehoben ist.

von Juliane Stöver