Ein Netzwerk nur für Frauen – treffen sich da lauter feministische Emanzen, die jedes männliche Wesen per se als primitiv abstempeln oder Elitefrauen, die sich gegenseitig in ihrer Karriere bestätigen? Mitnichten – denn das „FrauenNetzwerktreffen Universität Greifswald“ soll Frauen die Möglichkeit geben, sich über Berufswechsel, Familienplanung oder die ukrainische Präsidentschaftskandidatin auszutauschen.

Wie kommt man darauf, ein Uninetzwerk für Frauen zu gründen?
Dazu muss ich vielleicht ein bisschen was zur Vorgeschichte erzählen: Ich war dreieinhalb Jahre Mitarbeiterin im Projekt „Karrierewege für Frauen für Wissenschaft und Wirtschaft“, welches an allen fünf Hochschulstandorten im Land Mecklenburg-Vorpommern angeboten wurde und Frauen zusätzlich zum Studium oder zur Promotion mit Angeboten zur Weiterbildung gefördert hat. Bei diesen Veranstaltungen, die unterschiedlichster Art waren, wie zum Beispiel Workshops oder thematische Veranstaltungen, die die Karrieremöglichkeiten für Geisteswissenschaftlerinnen oder in medizinischen Bereichen vorgestellt haben, ist immer wieder aufgefallen, dass Frauen offensichtlich anders netzwerken als Männer. Deshalb kam mir die Idee – weil ich ja auch wusste, dass das Projekt 2013 auslaufen würde – im Frühjahr letzten Jahres so ein Netzwerktreffen ganz allgemeiner Art für alle interessierten Frauen der Universität Greifswald anzubieten.

Warum gibt es keine männlichen Teilnehmer?
Das Netzwerktreffen für Frauen soll Frauen hier in Greifswald eine besondere Möglichkeit bieten, untereinander in Kontakt zu treten und sich über verschiedene Themen zu unterhalten. Denn auch das habe ich während des Projektes mit einiger Überraschung festgestellt, dass eine andere Atmosphäre herrscht, wenn Frauen an bestimmten Themen arbeiten und dabei unter sich sind. Außerdem gibt es ja auch Dinge, die Frauen gerne unter sich behandeln möchten, zum Beispiel die Vereinbarkeitsthematik:  wie gehe ich damit um, wenn ich eine Familie gründe, welche Erfahrungen haben andere Frauen gemacht, welche Anregungen kann ich annehmen? Das sind Themen, die mit Männern nicht unbedingt erörtert werden, beziehungsweise in einem anderen Kontext besprochen werden. Es gibt ja auch Elternnetzwerke, bei denen beide an dem Kommunikationsprozess beteiligt werden und dass das ebenfalls sehr wichtig ist, ist überhaupt keine Frage. Insofern gibt es bereits Stammtische und Netzwerktreffen der unterschiedlichsten Arten, weshalb mir die Idee kam, ein spezielles Netzwerk nur für Frauen zu veranstalten.

Was sind die Themen auf Ihren monatlichen Treffen?
Wir haben bisher offene Treffen gehabt, zu denen jede Interessierte kommen konnte. Die Themen entstanden an dem jeweiligen Abend und waren dementsprechend von den Bedürfnissen und Interessen der Anwesenden abhängig. Anfang dieses Jahres haben wir das Konzept ein wenig verändert, indem wir uns nun durchaus an Themen orientieren, die zuvor von der Gruppe vorgeschlagen wurden. So haben wir jetzt das einjährige Bestehen im April mit dem ersten Thema einer Ukrainerin von der Universität Greifswald gefeiert, die die Persönlichkeit Julia Timoschenkos im Bezug zu der derzeitigen Situation in der Ukraine vorgestellt hat. Für das nächste Treffen am 6. Mai ist ein naturwissenschaftliches Thema geplant, bei dem eine Doktorandin aus ihrem Forschungsbereich berichtet – und so soll sich das dann fortsetzen.

An welche Frauen ist das gerichtet? Eher an Doktorandinnen oder Mitarbeiter der Universität, weniger an „normale“ Bachelorstudentinnen?
Doch auch, klar! Die sind auch willkommen und können natürlich auch Themen einbringen. Einige Studentinnen sind auch ab und an dabei.  Das war und ist ein offener Kreis, zu dem jede interessierte Studentin, Promovierende oder Mitarbeiterin herzlich eingeladen sind.

„Brauchen“ Frauen so ein Netzwerk überhaupt?
Es ist natürlich immer eine Frage, was ich für Erwartungen an solch ein Netzwerk habe. Dieses Netzwerk ist als ein informelles Treffen gedacht. Sicherlich können sich dadurch Dinge entwickeln, allein aus dem Grund, dass man sich mit anderen Menschen austauscht, mit denen man normalerweise nicht in Kontakt tritt, weil diese vielleicht von einer ganz anderen Fachrichtung oder in einem anderen Bereich tätig sind. Insofern kann man schon sagen, dass sich daraus auch etwas entwickelt, was man brauchen könnte – und das ist natürlich auch eines der Ziele. Aber da muss man selber auch entsprechend interessiert und aktiv sein. Momentan sind es eher kleinere Treffen. Beim letzten Mal waren wir beispielsweise acht Personen.

Wollen Sie denn überhaupt eine größere Gruppe?
Wir sind da vollkommen offen. Ich habe das initiiert und würde mich freuen, wenn das ein Selbstläufer werden würde. Insofern dürfen das gerne zwanzig, dreißig Leute werden. Wenn es aber eine kleine Gruppe bleibt, hat das auch Vorteile. Es ist eine offene, informelle Veranstaltung, bei der man sich über die unterschiedlichsten Dinge austauschen kann – und das ist ja das Schöne daran: Man kommt mit Menschen in Berührung, denen man sonst vielleicht nicht begegnet wäre.

von Sabrina v. Oehsen

Foto: Isabel Kockro, Privat (Profilbild)