Kleine Kinder freuen sich bereits mehrere Wochen vor dem großen Ereignis auf ihre Osternester und die Erwachsenen verzichten mühselig auf lieb gewonnene Gewohnheiten. In den letzten Jahren gingen die großen Firmen sogar dazu über, Osterkalender an die Wartenden zu verkaufen. Doch wo hat der ganze Trubel eigentlich seinen Ursprung?

Als ich noch ein Kind war, habe ich mal ein hart gekochtes Osterei auf meinem Bücherregal verschimmeln lassen. Als ich den Gestank bemerkte, schämte ich mich und schmiss das Gammel-Ei aus meinem Fenster in den Garten. Noch heute denkt meine Mutter, wir wären bei unseren Nachbarn so unbeliebt gewesen, dass unser Garten mit bemalten Eiern attackiert worden wäre. Nun ist das Geheimnis raus. Aus dieser Geschichte lässt sich schließen, dass ich mit Ostern nicht so viel am Hut habe. Ein Grund mehr Licht ins Dunkel zu bringen.

Das Fest ist reich an Traditionen und Ursprüngen; unser heutiges Osterfest ist quasi ein Wirrwarr aus Ritualen. Es ist von allem etwas dabei und kaum noch in seiner ursprünglichen Form zu erkennen. Gefeiert wird immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Ein Gedanke, der dem Christentum entspringt und zufällig mit dem jüdischen Pessach zusammenfällt. Während der heiligen Woche wird im Judentum an den Auszug aus Ägypten und damit an die Befreiung aus der Sklaverei erinnert. Ab dem 2. Jahrhundert hielt die Freudenzeit des Osterfestes von Ostersonntag 50 Tage lang bis Pfingsten an. Welch ein Verrat, dass im Jahr 2014 nur noch der Karfreitag und der Ostermontag als gesetzlicher Feiertage anerkannt sind. Der Produktivität muss nun mal alles weichen.

Ostern auch von Germanen geprägt

Nun einmal kurz zur Bedeutung der einzelnen Tage vor dem Eiersammeln: Am Gründonnerstag nimmt Jesus, offiziell der Sohn Gottes, sein letztes Abendmahl ein und wird, noch bevor der Hahn dreimal kräht, verraten. Ihm wird ein kurzer Prozess gemacht und daher findet bereits einen Tag später, am Karfreitag, seine Kreuzigung statt. Jesus stirbt vor den Augen der Öffentlichkeit und wird in einer Höhle zu Grabe gebettet. Drei Tage vergehen: Der Ostersamstag ist ein Außenseiter des verlängerten Wochenendes. Am Ostersonntag passierte etwas ganz Herrliches. Der Stein vor Jesus‘ Höhle ist zur Seite geschoben und der Gekreuzigte auferstanden. Für die Christengemeinde ein wahrer Grund zum Feiern.

Doch nicht nur große Weltreligionen hatten bei der Gestaltung des Osterfestes ihre Finger im Spiel. Zum Beispiel verdanken wir es den Germanen, dass vor allem im Norden Deutschlands zu Ostern riesige Feuer entfacht werden. Dabei geht es nicht darum, Gartenmüll loszuwerden sondern darum, den Frühling feierlich zu begrüßen und den Winter zu vertreiben. Symbolisch in Form einer Strohpuppe wird Altes zerstört und Neues kann durch die auf dem Boden verteilte Asche entstehen. In den Alpen werden zu diesem Zwecke brennende Strohballen die Berge runtergeschubst.

Fruchtbarkeit ist übrigens der rote Faden in dem Kuddelmuddel an Bräuchen. Ei, ei, ei was seh‘ ich da: viele bunte Eier im Garten. Bereits seit dem 4. Jahrhundert werden diese in christlichen Grabstätten gebunkert, um die Auferstehung zu symbolisieren. Die Sitte des Versteckens von meist farbenfrohen Hühnereiern in heimischen Gärten wurde zum ersten Mal 1682 schriftlich festgehalten. Doch das Ei ist nicht nur ein Fruchtbarkeitssymbol, sondern hat auch einen ganz praktischen Ursprung. Denn am Ende der 40-tägigen Fastenzeit herrschte im Mittelalter ein wahrer Überfluss an Eiern, sodass diese in großen Mengen verzehrt wurden. Zudem waren Eier vor dem Osterfest eine beliebte Abgabe an die Lehnsherren. Okay, das mit den Eiern mag ja noch einleuchten. Ich selbst weiß, wie sehr alte Eier stinken können. Doch warum ausgerechnet ein Hase? Man sollte doch meinen, dass diese flauschigen Feldbewohner noch weniger mit Eiern am Hut haben als ich mit Ostern.

Hase siegt über Huhn, Fuchs, Storch und Kuckuck

Tatsächlich aber hat der Hase einen harten Konkurrenzkampf überstanden. Wenigstens musste er dafür nicht singen oder modeln. Vielmehr ging es darum mit Huhn, Fuchs, Storch und Kuckuck in einen Wettstreit zu treten. Im 10. Jahrhundert hatte der Gefährte mit den längsten Ohren sich dann endlich durchgesetzt. Doch nicht nur die Löffellänge hat ihn zum Sieg geführt, denn der Hase steht wiederum für Fruchtbarkeit. Die Playboy-Häschen lassen grüßen. Ein weiterer tierischer Gefährte des Osterfestes ist das Lamm, das ausnahmsweise mal aus dem Judentum erhalten geblieben ist. Denn als Gott die Ägypter im alten Testament bestrafte, markierten jüdische Bewohner ihre Türen, indem sie mit Lammblut Kreuze an ihre Türen malten, und blieben so verschont. Doch auch die Christen haben eine Erklärung, denn Jesus sei ja immerhin als eine Art Unschuldslamm zu betrachten. Da arme Haushalte oftmals keine echten Lämmer opfern konnten, entstand im Laufe der Jahre die Tradition des gebackenen Lämmchens. Noch heute ist dieser Brauch erhalten geblieben, wenn man in die Werbezeitungen großer Supermärkte schaut. Ich selbst werde von nun an wohl keine hart gekochten Eier mehr im Garten suchen dürfen. Die werden nur noch im Kühlschrank vor mir versteckt. Nicht, dass es wieder zu Missverständnissen mit den Nachbarn kommt.

von Lisa Klauke-Kerstan

Bild: Lisa Klauke-Kerstan