Am 2. Mai beginnt wie jedes Jahr der Nordische Klang in Greifswald. Mit dabei ist dieses Mal die Künstlerin Iiris Vesik aus Estland. Die 22-jährige bringt laut eigener Aussage eine Mischung aus Elektropop, Glitzer, Katzen und feierlicher Einsamkeit auf die Bühne und freut sich auf ein tolles Konzert in einer „Grapefruit“.

Wie würdest du deinen Musikstil beschreiben?
Elektrischer Pop mit „video game glitches“, Glitzer, Katzen und feierlicher Einsamkeit.

Du machst Musik seit dem du zehn Jahre alt bist; was war dein ersten Instrument?
Als ich noch sehr jung war, habe ich behauptet, ich könnte Klavier spielen. Jetzt, wo ich älter bin, behaupte ich es immer noch – und jetzt kann ich es auch. Wohoo! Vor sieben Jahren habe ich auch angefangen, Flöte zu lernen, aber ich habe schon seit vier Jahren keine Flöte mehr angefasst. Dennoch schätze ich die Stunden, die ich mit ihr hatte, weil ich dadurch gelernt habe, geduldiger mit mir zu sein – ich schlage jetzt keine Möbel mehr kurz und klein. (grinst) Außerdem habe ich durch das Flötespielen ein größeres Stimmvolumen bekommen und kann Töne länger halten.

Wann hast du gewusst, dass du Musikerin werden wolltest?
Meine Eltern sagten, dass ich im Alter von drei Jahren erklärt habe, dass ich Musikerin werden wollte. Und jung und dumm wie sie waren haben sie versucht, mich seitdem zu unterstützen. Weil natürlich Dreijährige am besten wissen, was sie von ihren Leben wollen – wie Musiker werden oder Sachen vom Boden essen.

Du hast den „Estonian Music Award“ in der Kategorie „Beste Künstlerin 2013“ gewonnen. Wie hat es sich angefühlt so einen großartigen Award zu gewinnen?
Als ich jung war, wollte ich unheimlich gerne so etwas gewinnen, deshalb war mein neun Jahre altes Ich echt stolz, als ich den Award bekam. Andererseits sind alle Arten von Auszeichnungen eine Frage der Perspektive, aber jeder mag manchmal einen kleinen Klaps auf den Hinterkopf und ein lobendes Wort, egal, ob es in Form von Süßigkeiten oder einer kleinen Metallskulptur geschieht.

Möchtest du für den Rest deines Lebens Musik machen oder würdest auch gerne etwas anderes ausprobieren?
Musik für den Rest meines Lebens, bitte! Aber ich würde auch sehr gerne ein paar Filmrollen  übernehmen, am liebsten in schlechten Romantikfilmen, in denen es nicht so schwer wäre und wo ich jede Rolle spielen kann, in die ich jemals schlüpfen wollte. Ich denke, ich würde eine großartige Manic Pixie Dream Girl abgeben. Außerdem würde ich gerne irgendwann mal Skulpturen machen und mein zukünftiges Haus mit ihnen füllen und vielleicht die Häuser von anderen Leuten, wenn sich entpuppen sollte, dass ich ein Händchen dafür habe. Falls ich das nicht habe, dann habe ich einfach ein Haus, in dem ganz viele schlecht gemachte Skulpturen stehen.

Warst du schon mal in Greifswald?
Wo? Grapefruit? Nein, ich bin zwar ein winziges Mädchen, aber ich war niemals SO winzig.

Hast du irgendwelche Erwartungen an den Nordischen Klang?
Ich will ein großartiges Konzert geben und hoffe, dass alles so läuft, wie ich es mir vorstelle.

Bist du nervös, wenn du auf die Bühne gehst?
Ja, ich bekomme ziemlich fiese Bauchschmerzen und manchmal Übelkeit, aber eigentlich konzentriere ich mich nur darauf, rauszugehen und mein Bestes zu geben. Just do it!

Hast du irgendwelche Rituale, die du machst, bevor du ein Konzert hast?
Ich spiele das Konzert in meinem Kopf durch und versuche mir zu überlegen, welche Stimmung ich will und was ich sagen werde und so weiter. Ich mag es nicht, wenn ich eine halbe Stunde vorher nicht genug Zeit dafür habe.

Glaubst du an etwas?
Ich glaube daran, dass jeder die Freiheit haben sollte zu glauben und jeder sollte den Glauben des anderen respektieren und jeden so behandeln, wie er selber gern behandelt werden würde. Wie es normale, glückliche Menschen ja auch machen. Ich glaube auch, dass die Menschen das Recht haben, sich selbst zu lieben. Wenn sie das machen würden, könnten sie alle anderen so behandeln, wie sie sich behandeln und die Welt würde ein besserer, liebevollerer Ort sein. Weltfriede!

Nun die letzte Frage: Wie hast du Ostern gefeiert?
Ich habe Eier mit meinen Großmüttern gegessen, die sie mit Zwiebeln und so gefärbt haben. Vorzugsweise mit Großmüttern. Also nicht die Großmütter habe ich gegessen sondern die Eier. Mit ihnen.

von  Sabrina v. Oehsen

Foto. © EMI Music Finland