Hubert Ende

Wer regelmäßig im kleinen Laden in der Brinkstraße 16/17 einkaufen geht, wird ihn vermutlich kennen: Hubert Ende. Er ist seit fünf Jahren Inhaber des Bioladens „Sonnenmichel“. Vor über 15 Jahren hat es den gebürtigen Leipziger von Süddeutschland an die Ostsee verschlagen. Ganz egal, welche Ideen er umzusetzen versuchte; einer Sache ist er immer irgendwie treu geblieben: Der Landwirtschaft. moritz bat ihn zu einem Gespräch über seine Person, seine Arbeit und was ihn sonst noch glücklich macht.

Du kommst ja nicht aus Greifswald. Woher kommst du ursprünglich?
Ich bin in der Nähe von Leipzig geboren, habe dort allerdings nur drei Jahre meines Lebens verbracht. Und dann sind meine Eltern, die einen Hof hatten – vor 1961– als sie in die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, Anm. d. Red.) sollten, erst einmal nach Berlin gezogen. Dort haben wir dann eine zeitlang in West-Berlin gelebt. Später bin ich dann in Süddeutschland zur Schule gegangen.

Wann bist du hergekommen?
Vor fünf Jahren haben wir hier in Greifswald mit dem Laden angefangen. Davor bewirtschafteten wir zwölf Jahre lang einen Demeterhof auf Rügen.

Warst du immer Landwirt oder hast du ursprünglich etwas anderes gelernt?
Ich hatte angefangen, Landwirtschaft zu studieren, hab das Studium dann abgebrochen und anschließend eine Landwirtschaftslehre gemacht. Anschließend habe ich dann  ein Grundstudienjahr  mit dem Schwerpunkt biologisch-dynamische Landwirtschaft, in England gemacht. Zwischenzeitlich war ich auch als Puppenspieler bei einem Jugend- und Kulturzentrum dabei; da hatten wir eine Marionettenbühne und widmeten uns vor allem dem Märchenerzählen und dem Puppenspiel. Der Landwirtschaft habe ich mich schon immer sehr verbunden gefühlt. Sieben Sommer bewirtschafftete ich in der Schweiz verschiedene Almen; in diesem Rahmen machte ich auch eine Käsereiausbildung. Die Herbst- und Wintermonate arbeitete ich dann bis zur nächsten Alpzeit in einem vegetarischen Restaurant als Koch.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Laden aufzumachen und nicht mehr Landwirtschaft zu betreiben?
Zum einem ist es so, dass unsere Tochter hier wohnte und der Laden leer stand. Und ich war gerade im Erziehungsjahr und fragte mich, was ich als nächstes machen werde. Und da kam ich auf die Idee, dass ich einfach einen Laden aufmache. Die Verbindung zur Landwirtschaft ist ja noch durch die Produkte gegeben.

Kannst du dich mit dem Laden besser über Wasser halten?
Das Eine ist, dass man sehen muss, wie man finanziell über die Runden kommt. Und das andere Problem ist, dass immer noch die Arbeit an das Geld gekoppelt ist, aber eigentlich getrennt gesehen werden sollte. Von daher trifft hier ähnliches zu wie auf einem Hof. Und deshalb sind wir auch hier in kleinen Schritten stetig daran Arbeit und Einkommen zu entflechten. Aber wir haben noch ein gutes Stück Weg vor uns.

Stell dir vor, du hättest ein Konto in der Schweiz und wärst auf den Laden zum Lebensunterhalt nicht angewiesen. Was wäre die Motivation, trotzdem zu sagen: Ich mache weiter?
Ach naja, was ist schon ein Schweizer Konto; es kommt darauf an, wieviel da drauf ist. Und das ist nun auch eine sehr hypothetische Frage (lacht). Ich denke mal, ich würde dann überlegen, wie ich das Bestehende weiterentwickeln kann. Am liebsten wäre mir ein Laden mit einer noch engeren Verbindung mit einem Hof. Ein Hof in Stadtrandlage, in dem es dann ebenfalls einen Laden gäbe, wäre ganz schön. Dieser würde hier dann trotzdem noch bleiben, damit nicht alle rausfahren müssten. Mit viel Geld kann man schließlich viel machen und es gibt um Greifswald schon schöne Flecken, wo es sich lohnt, einen Hof zu eröffnen oder wieder aufzubauen.

Also macht dich hier im Laden in erster Linie die Arbeit glücklich?
Was wirklich ein Ansporn ist und Freude macht, ist, mit Menschen zu arbeiten. Es gibt natürlich auch Arbeiten, die keine Freude machen. Das, was den Laden trägt, sind letztendlich die Kunden. Und von daher kommt dann auch so ein Ansporn, durchzuhalten. Letztendlich ist hier insgesamt ja auch so ein sozialer Wert entstanden, der dafür sorgt, dass alle gemeinsam versuchen, das Haus zu erhalten und somit auch den Laden mit zu erhalten. Würde man das Alleine machen, wären wir schon längst raus.

Womit befasst du dich außerhalb deiner Tätigkeit in deiner Freizeit?
Eigentlich gibt es für mich keine so klare Trennung von meiner Tätigkeit und Freizeit. Ich versuche eine gesunde Mitte zwischen der inneren und der äußeren Tätigkeit zu finden. Dabei passiert es manchmal das dieses äußere Tun, dieses äußere Gefordertsein mich fast überrollt. Aber ich glaube ich weiß, was du mit deiner Frage meinst: Ich lese gern, wandere gern und spiele auch gern draußen mit den Kindern.

Hubert, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Marco Wagner.

Foto: Marco Wagner