Rezension

Über den Klimawandel und die damit verbundenen Folgen existieren die verschiedensten Theorien und Skeptiker dessen scheint es wie Sand am Meer zu geben. James Balog war einst einer dieser Skeptiker. Als Naturfotograf durfte er mit der Zeit jedoch Feststellungen machen, die niemanden so schnell loslassen: Er beobachtete, wie die Gletscher in Nordamerika zu schmelzen begannen. Innerhalb weniger Monate waren ganze Landstriche verschwunden und er hielt sie mit seiner Kamera für die Ewigkeit fest.

Balog installierte 25 Fotokameras die über drei Jahre lang ein Foto pro Stunde von einem Gletscher machen sollten. Auf diese Weise konnten Naturspektakel aufgezeichnet und Landschaften dokumentiert werden, die niemals wieder entstehen werden. So simpel das Vorgehen erst einmal klingen mag, so überzeugend ist das Ergebnis: Hier wird keine Zeit damit verschwendet über das so stark diskutierte „Warum?“ zu streiten. Stattdessen werden Aufnahmen geliefert, die fürs Heimkino eigentlich nicht geeinigt sind. So gewaltig sind die Ergebnisse, dass diese eigentlich auf die große Leinwand gehören. Und obwohl man sich beim Zuschauen an der Schönheit des Eises erfreut, erwischt man sich zugleich auch dabei, Wehmut zu verspüren. Denn wenn ein Gletscher erst einmal weg ist, kommt er nicht wieder.

Zwischen all diesen Naturspektakeln wird leider viel zu oft Balog selber zum Mittelpunkt des Films. Gerne scheint er über seine vielen Unfälle bei Gletscherbesteigungen und den daraus folgenden Operationen zu reden. Vor laufender Kamera bringt er sich auch so oft in lebensmüde Situationen, sodass man schon beinahe gar nicht mehr zuschauen möchte. Zwar bietet das einen persönlichen Bezug; die Frage, ob dieser jedoch überhaupt nötig ist, bleibt ungeklärt. Ein bisschen weniger Selbstdarstellung und mehr Raum für die Naturaufnahmen hätten dem dennoch beeindruckenden Film bestimmt nicht geschadet.

Fast schon wie ein Versöhnungsgeschenk kommt dann der Abspann daher: Scarlett Johansson‘s Stimme erklingt auf einmal und singt „I don‘t want to die alone before my time“ hauchzart als Untermalung zu Fotografien, die in Schönheit und Dramatik dem eigentlichen Film in nichts nachstehen. Hier kann ohne Wenn und Aber von einem gelungen Ende gesprochen werden.

von Natalie Rath

Foto: ©Universum