Rezension

Alles ist bestens solange du lügst – der neue Roman von Kelly Oxord ist jedoch alles andere als bestens. Auf 380 Seiten, in 19 Kapiteln quält Kelly ihre Leser mit eher mauen als amüsanten Geschichten aus ihrem Leben, die weder besonders lustig noch einfallsreich erscheinen. Das Buch beinhaltet eine Aneinanderreihung von Anekdoten aus Oxfords Leben, die sie für besonders erzählenswert hält, zum Beispiel der erste Job, eine Reise nach Los Angeles oder die erste große Liebe. Da reihen sich normale Teenagerstorys, vom ersten Vollrausch auf einer Party, an nahezu fantastische Geschichten wie eine Privataudienz bei David Copperfield in Las Vegas, weil er so ein großer Fan von ihr ist. Dazu Sätze wie:

„Kein Interesse an den Lebensgeschichten irgendwelcher Vollspacken, die sich ihr Knie beim Tennisspielen zerlegt haben.“

Diese zeugen nicht gerade von unschätzbarer literarischer Qualität. Ganz im Gegenteil, die ständige Umgangssprache sorgt zwar dafür, dass sich das Buch schnell lesen lässt, aber es macht auch absolut nichts, wenn man für ein paar Kapitel an das letzte Mittagessen mit Freunden oder die Abendplanung denkt. Oder man überspringt einfach direkt die nächsten 50 Seiten, handlungsmäßig verpasst man nichts, verliert höchstens nicht so viel Lebenszeit.

Oxford versucht mit Hilfe von Klischees und überzogener Darstellung lustig zu sein, mehr als ein müdes Lächeln kommt beim Lesen jedoch nicht zu Stande. Besonders in den ersten Kapiteln, in denen Oxford Geschichten aus ihrer Kinder- und Jugendzeit erzählt, geht sie einem sehr bald mit ihrem vorlauten Mundwerk und ihrer latenten Selbstüberschätzung auf die Nerven:

„Als Mitglied des Schülermentoren-Teams wäre ich für meine Mitschüler so etwas wie ein moderner Messias, ein Samariter, ein Fels in der Brandung.“

Diesen Roman erfüllt alle Erwartungen, die man an ein solches Werk stellen kann: Er ist ohne wirklichen Inhalt, ohne Charme oder Witz. Das einzig Positive ist, dass Oxford zu sich immer schonungslos ehrlich ist. Keine Dummheit, kein Missgeschick wird geschönt. Trotzdem ist das Buch plump und absolut keine Empfehlung wert.

von Stella Scholl

©heyne verlag