Auch in Greifswald gibt es seit dem 12. Mai 2014 regelmäßig die umstrittenen Montagsversammlungen. Aber was hat es damit auf sich? Im Studierendenparlament löste diese Gruppe schon heftige Diskussionen aus.

Jeden Montag um 18 Uhr trifft sich auf dem Greifswalder Markplatz eine bunte Gruppe von Menschen. Junge und Alte, Studenten und Rentner setzen sich in einem Stuhlkreis zusammen um über Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu diskutieren. Besonders zu aktuellen Themen wie dem Konflikt in der Ukraine und der Situation im Nahen Osten wird sich geäußert. Auf ihrer Internetseite www.move-hgw.de stellen sie sich selbst als Mahnwache dar, die sich gegen einen „Wirtschaftskrieg“ und staatliche Gewaltanwendung positioniert. Die Teilnehmer sind laut Blanka, einem Mitglied des Organisationsteams, „Einzelpersonen, die sich zu öffentlichen Versammlungen an einem öffentlichen Ort treffen“. Alexander Ivanov hilft die Veranstaltung zu organisieren und erklärt, was diese Treffen sein sollen: „Die Montagsversammlungen (MoVe, Anm.d.Red.) in Greifswald bieten interessierten Menschen einen öffentlichen Raum für zwischenmenschlichen Meinungs- und Informationsaustausch in einzelnen Diskussionsrunden. Die MoVe Greifswald kann keine politische oder parteiliche Position beziehen. Das Ganze hat eher einen Workshop-Charakter.“

Neben den Versammlungen wurde vor kurzem auch ein Gastredner eingeladen. Der emeritierte Berliner VWL-Professor Bernd Senf hielt am 30. Juni 2014 einen Vortrag über die Zusammenhänge zwischen „dem Zinssystem“, der „Dollar-Herrschaft“ und internationalen Konflikten wie der Ukraine-Krise. Problematisch war, dass auf den Flyern zu dieser Veranstaltung das Logo des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) abgedruckt war, obwohl es keine offizielle Erlaubnis seitens des AStA gab. Der AStA hatte einen eingegangenen Finanzantrag für die Unterstützung der Veranstaltung längere Zeit nicht bearbeitet, aber bereits das Logo an die Veranstalter geschickt. In der StuPa-Sitzung vom 17. Juni 2014 wurde beschlossen, dass die Flyer wieder eingesammelt und geschwärzt werden müssen. Johannes Barsch beispielsweise kritisierte: „Ich finde es gut, dass ihr euch von den Veranstaltungen in Berlin distanziert. Allerdings macht das Bernd Senf nicht. Bernd Senf betreibt keine Kapitalismuskritik, sondern eine Wirtschaftskritik, die sozialdarwinistisch, strukturell antisemitisch und antiamerikanisch ist und mit Chemtrail-Theorien ankommt. Und ich möchte nicht, dass der AStA sich hinter eine solche Veranstaltung stellt.” Laut Ivanov positioniert sich die Montagsversammlung nicht für oder gegen Senf: „Der Vortrag von Bernd Senf bot lediglich inhaltlichen Input, der daraufhin in Diskussionsrunden kritisch untersucht werden konnte.“

Die Montagsversammlung in Greifswald scheint im Zusammenhang mit ähnlichen Veranstaltungen in 44 Städten in Europa zu stehen. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ erkennt in diesen Demonstrationen eine Versammlung von rechtsgerichteten Verschwörungstheoretikern. Ivanov distanziert die Greifswalder Versammlung jedoch von diesen Demonstrationen: „Obwohl die Montagsversammlungen in Greifswald auf den Listen der Montagsdemos in Deutschland stehen, gibt es keinen strukturellen oder organisatorischen Austausch.“

von Vincent Roth

Kommentar

von Martin Hackbarth

Die sogenannte „Friedensbewegung“  der Greifswalder Montagsversammlung distanziert sich auf ihrer Facebook-Seite von rechten politischen Inhalten und behauptet von sich, alle anderen links überholen zu wollen. Bis hier hin würde es für mich als linken Menschen auch in Ordnung klingen, sofern ich nicht wüsste, welcher politische Nonsens gepredigt wird und wie sich die Gruppe zusammensetzt. Die Teilnehmer behaupten von sich selbst, sie wären anders, als die Montagsdemonstrationen in der restlichen Republik. Es stimmt dahingehend, dass sie kleiner, teilweise unprofessioneller sind und sich offiziell von rechten Inhalten distanzieren. Dies tun sie aber nur an der Oberfläche. Denn obgleich in Greifswald die NPD und AfD an den Montagsversammlungen nicht teilnehmen, so heißt dies nicht, dass die Gruppe frei von rechts-(verschwörungs)theoretischen Bezügen ist. Sie ist sogar von rechten Denkweisen und Ansätzen geprägt. Das Traurige dabei ist, dass sie diese nicht als solche erkennt und anerkennen will. Jene Bezüge beziehen sich auf die sogenannten Systemmedien – gern auch Blockmedien genannt –, welche die Bürger kontrollieren. Mein persönliches Lieblingsmärchen findet sich in der sogenannten BRD-Lüge wieder. Jene behauptet, dass die BRD eine Lüge sei und das Dritte Reich noch bestünde. Wirft man einen Blick auf die teilnehmenden Personen, so muss man nicht lange suchen, bis man Anhänger jenes Nonsens gefunden hat. Der Vogel wurde letztlich mit der Einladung  von Bernd Senf abgeschossen. Jener spielt in der ersten Verschwörungsliga und unterstützt mit seinen Aussagen den strukturellen Antisemitismus, ist Anhänger der BRD-Lüge und als ehemaliger Volkswirt nicht einmal in der Lage systematische Wirtschaftskritik zu betreiben. Letztlich muss man also erkennen, dass die Gruppe offen für Verschwörungen (auch von rechter Seite) ist. Wer also wirklich etwas verändern will, der tut dies nicht mit einem wöchentlichen Stuhlkreis, sondern sollte sich andere Möglichkeiten suchen.