Auf dem Bauernhof im Zentrum von Greifswald sieht man einzig und allein nur noch Hühner herumlaufen.

Einst gab es in der Greifswalder Kernstadt sechs Bauernhöfe. Geblieben ist einer davon. Hinter einem großen Tor versteckt sich das, was von dem Bauernhof der Familie Jarmer in der Anklamer Straße noch vorhanden ist: Wohnaus, Schuppen, Scheune und Hühnerstall. Landwirtschaft wird, mit Ausnahme eines kleines Kartoffelfeldes von 1 500 Quadratmetern am Stadtrand, keine mehr betrieben. Die Eier der Hühner decken den Eigenbedarf ab. Das letzte Großvieh musste der Bauer im Jahr 2010 verkaufen.

Blütezeit des Jarmer Bauernhofes

Doch das war auch einmal anders. Der Bauernhof als Familienbetrieb existiert seit Anfang der 19. Jahrhunderts. In den 1950er Jahren gründete sich außerdem die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG): Ein Zusammenschluss der Bauern und Produktionsmittel zu Agrarproduktion in der DDR. Die LPG hatte an dem Gut und Boden der Bauern Nutzungsrechte. Kleinere Ländereien und Vieh blieben im Privatbesitz der Bauern. In der Nachkriegszeit war die Blütezeit der landwirtschaftlichen Arbeit; zu dieser Zeit bewirtschaftete die Familie Jarmer 80 Hektar Eigenland und Pachtfläche. Neben den Familienmitgliedern arbeiteten zwei bis drei Festangestellte auf dem Hof. Die Familie Jarmer hielt an ihrer Produktionsweise fest.

Auf diesem Hof wurde nicht wie bei vielen Landwirten auf maschinelle Landwirtshaft und Massenerzeugung umgestellt:  Einen Traktor für die Feldarbeit gab es nicht. Dafür besaß die Bauernfamilie Pferde. Nur in Notzeiten wurde sich ein Traktor geliehen. Auch auf Kunstdünger wurde weitestgehend verzichtet. Der Hof der Jarmers betrieb Landwirtschaft, wie sie später und auch heute von Bio-Bauern betrieben wurde. Im Jahr 1989 wurden 6 000 Liter Milch pro Kuh erzeugt. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sicherten somit die Existenz des Hofes und der Familie. Auch Studenten haben hier Milch erworben. Noch 1991 betrieben die Jarmers Getreide- und Kartoffelanbau und hielten Kühe, Pferde, Schweine und Hühner.

Große Veränderungen

Bauernhof 2Nach und nach wurden allerdings die Pachtverträge für Flächen gekündigt, um beispielsweise diese als Bauland zu nutzen. Auch die erforderliche Quote an Milcherzeugung konnte nicht mehr erreicht werden. Immer mehr Tiere und Feldflächen mussten verkauft werden. Der Verbleib von Splitterflächen zog geringere Erzeugnisse nach sich und der Hof warf immer weniger ab. Irgendwann wurde die Landwirtschaft nur noch nebenberuflich betrieben. Der Unterhalt der Tiere und die Feldarbeit waren wenig effizient, die Famielie gab dies deshalb zum Großteil auf.

Der Hof besteht dennoch. Die überschüssige Ernte von dem kleinen Kartoffelfeld wird verkauft, die Nachbarn bekommen Eier von den freilaufenden Hühnern. Eine Existenzgrund-lage bildet der Bauernhofof ohne die betriebene Landwirtschaft nicht mehr. Trotz einiger Kaufangebote bleibt der Hof in Familienbesitz. Denn was bleibt, ist die Erinnerung an frühere Zeiten.

von Wiebke Evers

Fotos: Wiebke Evers