Die Gustel, Mitglieder des Greifswalder Universitäts-Studentischer Autorenverein, treffen nun den moritz. Ab diesem Heft können die Geschichten hier gelesen werden. Los geht es  mit: Einer herzzerreißenden, modernen Liebesgeschichte feat. Slangausdrücke und anderer linguistischen Krachen inklusive überraschendem Ende und alternativem Ende von griechischer Tragik mit spannender Lernaufgabe für die nächste Juraprüfung.

Seine Arme durch die pollenschwere Sommerluft schwenkend sagte er: »Just for the record, okay, der Tag, an dem ich mit dir ins Theater gehe, wurde noch nicht erfunden.« und drehte sein New-York-Yankees-Cappie von rechts nach links, um seine Worte gestisch zu untermalen. Er fügte hinzu: »Wenn ich gutes Schauspiel sehen will, dann schlafe ich mit meiner Freundin.«
»Du weißt schon, dass ich – deine Freundin – gerade vor dir stehe?«
»Babygirl, alles cheesy, klar weiß ich das. Als wenn ich meine eigene Freundin verwechseln würde … obwohl dir deine Schwester natürlich schon krass ähnlich sieht.«
»Sie ist meine Zwillingsschwester, du Idiot.«
»Ich weiß, ich weiß. Kein Grund, jetzt Schlagersängerinnen zu zitieren. Nüchtern würde ich euch auch nie verwechseln. Aber Babygirl, du weißt ja, drei Shots Tequila und meine Wahrnehmung dreht ihr eigenes Ding.«
»Ähm, nein, weiß ich nicht? Was willst du damit sagen: Deine Wahrnehmung dreht ihr eigenes Ding?«
»Hey, hey, gar nichts will ich damit sagen, nur, dass ich betrunken nicht gerade Boss meiner optischen Sinne bin.«
»Du bist was?«
»Ihr seht euch aber auch ultra ähnlich … wie die Olsen-Zwillinge, nur weniger glamourös.«
»Okay, kannst du mir überhaupt ein optisches Merkmal nennen, dass mich von meiner Schwester unterscheidet?«
»Hey, hey, klar kann ich das. Ich bin doch ein schlauer Fuchs. Realschulabschlüsse kann man sich nicht mal eben wie Ecstasy kaufen, das hast du selbst gesagt.«
»Ich habe was gesagt? Egal, dann nenn‘ mir jetzt eins!«
»Babygirl, alles cheesy, du hast im Gegensatz zu deiner Schwester natürlich keinen Intimpiercing.«
»Willst du mich ver-ar-schen? Woher weißt du, dass meine Schwester einen Intimpiercing hat?«
»Ganz easy Erklärung: Ich folge deiner Schwester bei Instagram.«
»Warum folgst du meiner Schwester bei Instagram? Kannst du mir das mal erklären?«
»Babygirl, kein Problem, die Erklärung steht schon in den Startlöchern.«
»Meine spitzen High Heels stehen auch schon in den Startlöchern.«
»Puh, da gehe ich mal lieber einen Schritt zurück. Also, ich folge ihr bei Instagram, damit ich … ihre schönen Fotos sehen kann.«
»Glaubst du, das war auch nur annähernd die richtige Antwort? Also pass auf: Bevor du deinen Mund aufmachst, aus dem erfahrungsgemäß 50 Prozent Nonsense und 50 Prozent wirre Slangausdrücke kommen, solltest du in Zukunft vielleicht ein paar Sekunden länger warten, bis alle ungeölten Zahnräder in deinem Kopf auch in einander greifen.«
»Menno, bist du jetzt böse auf mich? Du bist doch meine kleine Steviamaus.«
»Steviamaus? willst du mich verarschen?«
»Aber Babygirl, Stevia ist hundertmal süßer als Zucker.«
»Steviamaus, oh Mann, … also pass auf, ich wäre ja gerne sauer auf dich, aber: Ich bin leider doch nur die Schwester von meiner Freundin. Und übrigens, man kann uns ziemlich leicht auseinanderhalten, indem man uns eine zweistellige Rechenaufgabe stellt. Mathematik ist nicht gerade die Stärke meiner Schwester.«
Am Abend saß er mit seiner Freundin zusammen. Sie hatten fettreduzierte Erdnussflips, Bier, Sekt, Tequila und seichtes Unterhaltungsfernsehen. Er tat gut daran, ihr nichts von der doch recht ungünstigen Unterhaltung mit ihrer Schwester zu erzählen. Also knabberte er ein paar Erdnussflips, trank Bier und Tequila, lachte über Mario Barth und freute sich, als seine Freundin nackt auf dem Bett lag, als er von der Toilette wiederkam. Die folgenden Szenen waren sehr anzüglich und erinnerten etwas an eine Schildkröte, die auf dem Rücken lag, dazu noch eine zweite Schildkröte, die machte, was auch immer sie machen musste.
Nachdem alles vorbei war, schnaufte die große Schildkröte auf und sagte: »Hey, Babygirl, du nimmst doch die Pille, oder? Klar nimmst du die Pille, du hast es mir ja erst gestern erzählt … Ich hatte fast schon einen Schreck bekommen. Ähm … sag mal: Was ist eigentlich Zwölf mal Dreizehn ?«
»Hundertsechsundfünfzig, warum?«
»Fuck.«

Alternatives Ende: Steviamaus S entlockt ihrem Freund F das malheurhafte Geheimnis der ungewollten Schwangerschaft ihrer Schwester. F streitete es immer wieder ab, doch das Indiz des sichtlich konvexen Bauches ihrer Schwester lässt keine andere Interpretation zu, auch nicht für eine Frau, die nicht der zweistelligen Multiplikation mächtig ist. Wutentbrannt fährt sie zu ihrem Freund F und stellt ihn mit den Worten: »**** **** einfach. **** ****. **** ****. **** **** einfach« zur Rede. Daraufhin nimmt Steviamaus S zwei Meter Anlauf und rammt einen ihrer spitzen High Heels in das Knie des F. Danach türmt sie aus der Wohnung ihres vermutlich jetzt Exfreundes Ex-F und macht dazu im Treppenhaus noch einen astreinen Klingelstreich bei der Rentnerin R, bei der daraufhin sämtliche Strick- und Häkelaktivitäten zum Erliegen kommen. Vor der Wohnung zertrümmert sie außerdem noch den linken Rückspiegel vom Fiat Panda des Ex-F. Wie hat sich Steviamaus S strafbar gemacht? Hinweis: Beleidigungsdelikte sind nicht zu prüfen.

von Chris Wahsner