Rezension

Superlieb, supereasy, supersexy, supergeil. Im Frühjahr sahen Millionen Internet-User, wie ein gut gekleideter, älterer Herr mit Sonnenbrille und weißem Bart zu fetzigen Beats und eleganten Bewegungen durch Wohnzimmer und Regalreihen tanzte und damit Werbung für eine große Supermarktkette machte. Danach hörte man lange nichts von Hans-Holger-Friedrich – oder Friedrich Liechtenstein, wie sich der 58jährige Schauspieler nennt. Am 25. Juli 2014 war es dann aber endlich soweit, und sein Konzeptalbum „BAD GASTEIN“ erschien. Ein halbes Jahr hatte die Produktion des Albums gedauert.

Es beginnt mit ernsten Streichern und einer Frauenstimme, die uns auf Italienisch in die Geschichte jenes Ortes einweiht, in dem früher Fürsten zur Kur fuhren und in von rauen Felswänden umgebenen Prachtbauten residierten. Aufs schärfste kontrastiert wird diese Einleitung kurz darauf durch trashige Synthesizer und Liechtensteins tiefe Stimme, die uns unablässig die Worte „der Goldberg und der Hirsch“ einflößt. Der Song „Badeschloss“ beginnt mit einer seiner herrlich seltsamen Geschichten und beim Anhören von „Elevator Girl“ kann man sich gut vorstellen, wie er mit seinem selbstentwickelten Tanz „Electric Slide“ durch die Hallen der Kurschlösser schwebt, um sich danach der Erzählung zu widmen, die das zehn Minuten lange Stück „Belgique Belgique“ durchzieht. Es ist das herausragendste, charakteristischste Stück dieses Albums, auf welches vier ruhige, nachdenkliche Songs folgen.

Die Musik, die uns Liechtenstein in „BAD GASTEIN“ präsentiert,  liegt jenseits von „Supergeil“ und ist eine liebenswerte Ansammlung von allerhand Seltsamkeiten, Ohrwürmern, Kitsch, Synthesizerklängen und einer Prise Ironie. Wer mit Friedrich Liechtensteins Welt noch nicht vertraut ist, sollte bereit sein, sich auf ungewohnte Klänge einzulassen.

von Rainer Koch

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