Dass das ein Vorurteil ist, betonen die Rugby-Spielerinnen des Frauenteams der Universität Greifswald immer wieder mit Nachdruck. Sie versuchen, diesem Vorurteil engegen zu wirken und fuhren gemeinsam mit dem Herrenteam zur diesjährigen Deutschen Hochschulmeisterschaft im Rugby.

An dem Turnier in Göttingen nahmen 32 Herrenteams und 16 Frauenteams teil. Für einige Mitglieder der Universitätsmannschaft war es die erste Turnierteilnahme und so mit viel Aufregung verbunden. Desto erfreulicher war es für sie, dass sie sich im Verlauf des Turniers von Spiel zu Spiel steigern konnten.

Für alle, denen Rugby nicht so geläufig ist: Beim Rugby wird ein Ball in Form einer Rotationsellipse zugepasst. Der Ball darf nur nach hinten gepasst werden. Der balltragende Spieler befindet sich so vor seinem Team im Angesicht des Gegners. Rugby kommt in verschiedenen Variationen vor: Zum einen das 7er Rugby, das jetzt auch olympische Disziplin ist, bei dem mit sieben Spielern pro Team gespielt wird. Beim 10ner Rugby spielen dementsprechend zehn Spieler. Beim klassischen Rugby Union hat jedes Team 15 Spieler. Ziel ist es, den Ball an der gegnerischen Mannschaft vorbei zu befördern.

Rugby 2

Foto: Anna Lange

Rugby ist in Deutschland auf dem Vormarsch. In abgelegeneren Gegenden wird die Entwicklung länger dauern. Das bekommen die Rugbyspieler des Greifswalder Hochschulsports zu spüren. Das Rugby-Team wurde erst 2004 gegründet. „Wir leben hier von dem persönlichen Engagement Einzelner“, sagte Rugby-Trainer Hieronymus Jacker. Er trainiert seit 2009 die Rugby-Auswahl der Universität Greifswald und bekam im Jahr 2012 Unterstützung durch Alexandre Evrard aus Frankreich. Der Platz wird der Rugbymannschaft von der Hochschulsportgemeinschaft Greifswald gestellt. Inzwischen verfügt die Mannschaft immerhin über ausreichendes Trainingsequipment. „Über einen festen Platz, gerne mit Torstangen, würden wir uns freuen, damit wir regelmäßig Teams einladen könnten, denn das gilt für alles Sportarten: Durch die Praxis lernt man mehr als im Training und es käme zu mehr freundschaftlichen Kontakten mit anderen Teams“, bemerkt Hieronymus.

Präzise Pässe sind nötig

Da bei der Deutschen Hochschulmeisterschaft (DHM) die 7er Rugby-Variante gespielt wird, wird diese auch im Training geübt. Rugby Union wäre aus Platzmangel auch nur schwierig möglich. Mit sieben Spielern pro Team wird dann geschicktes Täuschen des Gegners simuliert. Eine Überzahlsituation – zwei Angreifer gegen einen Verteidiger – ermöglicht, durch die gegnerische Verteidigung durchzubrechen und zu punkten. Dafür muss man schnell und präzise passen können. Ein Part, der im Training intensiv geübt wird. Ein typisches Rugby-Training sieht demnach wie folgt aus: Nach dem Aufwärmtraining und lockerem Rugbyspiel ohne Kontakt werden Würfe, Positionsspiel, Taktiken und Tackle-Situationen trainiert. Das bedeutet, dass der Gegenspieler zu Boden gebracht wird. Das Training wird durch ein Spiel, in dem die geübten Sachen angewendet werden, abgeschlossen.

Der Rugbysport erfreut sich in Greifswald an einer Trainingsbeteiligung von bis zu 40 Spieler im Semester. Doch besonders die Mädchenmannschaft leidet noch unter dem Vorurteil, dass Rugby ein reiner Männersport sei und besteht zur Zeit nur aus fünf Spielerinnen. Deswegen werden Wettkampfgemeinschaften mit anderen Teams gebildet, um am Ligabetrieb teilnehmen zu können. Entmutigen lassen sich die Rugby-Frauen nicht und planen weiter gegen das Vorurteil zu kämpfen. Eine Maßnahme wäre, das mit Frauen und Männern gemischte Training in getrennte zu splitten. Stärken und Schwächen können besser durch getrennte Trainings herausgearbeitet werden. Da sind sich alle einig. Auch wenn sich die Frauen ersteinmal auch gegen die großen und bulligeren Männer behaupten müssen, ist beim Tacklen für die Männer kein voller Kraftaufwand nötig. Sowohl für das Herrenteam als auch für das der Frauen wäre ein getrenntes Training effektiver. Mix-Teams gibt es im Liga-Betrieb sowieso keine. Für die Umsetzung sind aber mehr rugbybegeisterte Frauen nötig, denn Frauen-Rugby wird generell als 7er-Rugby gespielt.

Von bulligen und flinken Spielern

Rugby 3

Hier wird ein Gebilde namens „Ruck“ trainiert, bei dem versucht wird, den Gegner aus der Tackle-Situation zu entfernen.

Eines haben aber die „Rugger“ – wie männliche und weibliche Rugby-Spieler genannt werden– gemeinsam, fasst eine Spielerin der Greifswalder Mannschaft zusammen: „Es ist ein Kontaktsport, der draußen stattfindet und Teamplaying erfordert.“ Von jedem Individuum wird voller Körpereinsatz und gegenseitige Unterstützung für das gemeinsame Ziel verlangt. Dazu kommt, dass man alle Körperstaturen und Fähigkeiten antrifft. Jede Statur wird gebraucht: Vom großen, bulligen Stürmer, der den Ball erobert, bis zum schlanken flinken Spieler, der den Ball in die gegnerische Hälfte trägt, um für das eigene Team zu punkten. Für die Spieler ist es eine perfekte Mischung aus Taktik und Kraft.

Den Rugbysport in Greifswald zeichnet besonders ein großes Gemeinschaftsdenken aus. „Man nimmt sich gerne einmal selbst zurück, um den anderen Mannschaftsmitgliedern eine Chance zu geben. Bei uns zählt, dass wir als eine Mannschaft spielen“, beschreibt Lisa Passler, Kapitän der Greifswalder Frauenmannschaft.

von Wiebke Evers

Fotos: Wiebke Evers