Im Sommersemester 2014 konnten Besucher der Zentralen Universitätsbibliothek im Vorraum einen kleinen Einblick in das Projekt „Digitalisierte Sammlungen“ erhalten. Zeitgleich äußerte der Kanzler Wolfgang Flieger Pläne für ein universitätseigenes Museum.

In den alten Gemäuern der Greifswalder Universität lagern – der Öffentlichkeit mal zugänglich, mal verschlossen – mehrere tausend Schätze aus alter und weniger alter Zeit. Ausgewählte Stücke der insgesamt 17 Sammlungen der Universität Greifswald könnten in Zukunft in einem gemeinsamen Museum ausgestellt werden. Dies zumindest ist der Plan des Hochschulkanzlers Dr. Wolfgang Flieger.
Die einzelnen Sammlungen umfassen an die sechs Millionen Einzelobjekte, wobei die genaue Zahl nur geschätzt werden kann. Der Bestand der meisten Sammlungen ist nicht vollständig erschlossen und viele Stücke sind noch nicht wissenschaftlich untersucht worden.

Gemälde, Knochen, Werkzeuge

Die älteste Einzelsammlung ist die Akademische Kunstsammlung der Kustodie. Diese wurde im Jahre 1691 mit einem Konzilbeschluss ins Leben gerufen. Damals ging es in erster Linie darum, systematisch Professorenportraits zu sammeln. Die Portraitsammlung, die über 200 Bilder aus der Zeit seit dem 16. Jahrhundert enthält, ist heute nur ein kleiner Teil der Kustodie. Inzwischen beherbergt diese über 3 000 Objekte. Auch der universitäre Karzer, der Rektorornat – ein Mantel und Hut, die bei der Investitur geträgen werden – und der Croy-Teppich sind Teil davon. Wie die Akademische Kunstsammlung bestehen viele der 17 großen aus mehreren kleineren Sammlungen. Dadurch kommt zum Beispiel die des Geologischen Instituts auf einen Objektbestand von mehr als zwei Millionen Einzelstücken. Die bekanntesten davon dürften wohl die in einer Tongrube bei Grimmen gefundenen Dinosaurierknochen der in Greifswald erstmals beschriebenen Gattung Emausaurus ernesti sein. Dieser wurde 1990 genauer untersucht und nach der Ernst-Moritz-Arndt-Universität benannt.

Sogar noch umfangreicher ist mit etwa drei Millionen Exemplaren unterschiedlichster Tierarten die Zoologische Sammlung des Instituts gleichen Faches. Fast alle Tiergruppen sind hier mit mindestens einem Vertreter vorhanden.

Die geburtshilflich-gynäkologische Sammlung wiederum ist in Deutschland die größte ihrer Art, wenn sie auch im Vergleich zu anderen Sammlungen mit mehr als 800 Exponaten relativ klein erscheint. Ähnlich alt und umfangreich wie die Kustodie ist die Anatomische Sammlung. 1750 gegründet, hängt sie eng mit der Entstehung des anatomischen Instituts zusammen. Rund 2 500 Objekte gehören mittlerweile hier dazu, darunter ein sechzehn Meter langes Walskelett.

Nicht nur lagern, sondern nutzen

Am jüngsten von allen ist die Medizinhistorische Sammlung, die in diesem Jahr ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiert. Hier sind alte Werkzeuge der Universitätsmedizin und medizinische Geräte aus Privat-besitztümern gelagert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Technik der DDR-Medizin. Einige der medizinhistorischen Exponate werden außerdem bereits in einer Dauerausstellung zum Thema „Medizinischer Alltag in der DDR“ der Öffentlichkeit präsentiert.

Weniger Genaues lässt sich über die Physikalische Gerätesammlung sagen. Besonders für die Anzahl der einzelnen Geräte gibt es keine offizielle Angabe. Dies mag daran liegen, dass die Sammlung erst 2007 an ihren jetzigen Standort auf dem Neuen Campus umgezogen ist. Zudem sind viele der alten Gerätschaften noch heute im Gebrauch. Sie werden in Vorlesungen und Praktika für die Demonstration und Durchführung wissenschaftlicher Versuche genutzt.

Neben den überwiegend fachspezifisch ausgerichteten Sammlungen fällt die Gustav-Dalmann-Sammlung der Theologischen Fakultät insofern auf, als dass hier Exponate unterschiedlicher Fachrichtungen zusammengetragen wurden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie von dem Namensgeber der Sammlung gefunden beziehungsweise hergestellt wurden und ein Bild über Palästina vor dem Ersten Weltkrieg wiedergeben sollen.

Erst sieben Sammlungen digitalisiert

Seit 2010 soll nun eine umfassende Digitalisierung der wissenschaftlichen Sammlungen helfen, die vielen Einzelobjekte, die teilweise noch vollkommen unerforscht in Magazinen und Depotschränken liegen, zu erfassen. Das Ziel ist es, die Exponate zugänglich zu machen und einen Überblick über die Bestände der Sammlungen zu schaffen. Die digitalisierten Exponate sollen über die Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern allen zur Verfügung stehen. Bisher war der Zugang den Studenten zur Forschung für Abschlussarbeiten und der Öffentlichkeit für Besichtigungen zwar theoretisch oft möglich, jedoch nicht überall und nicht selten sehr schwierig. Derzeit sind bereits etwa 5 000 Exponate aus sieben verschiedenen Sammlungen digitalisiert. Ähnliche Projekte sind unter den Namen „FloraGreif“ und „GeoGreif“ bereits durchgeführt worden, beschränkten sich aber auf die Sammlungen einzelner Institute der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Und somit liegen noch viele, zum Teil vergessene Stücke in den Schränken und warten auf ihre Wiederentdeckung.

Die Idee hinter dem Vorschlag, aus der Alten Physik ein Museum zu machen, ist, eine Verwendung für das Gebäude zu finden. Dieses ist nicht mehr begehbar, seit entdeckt wurde, dass das gesamte Gelände hochgradig mit Quecksilber verseucht ist. Für eine Renovierung aber fehlt der Universität das Geld. Die Sanierung des alten Physik-Instituts würde geschätzt etwa zehn Millionen Euro kosten. Zwar stellt das Land der Universität bis 2020 etwa die doppelte Menge an Geld zur Verfügung, doch dieses wird für dringendere Sanierungsarbeiten benötigt werden. Die Lösung des Problems könnte sein, in Kooperation mit der Stadt zusätzliche Fördermittel zu erhalten. Dazu soll aus dem Backsteinhaus in der Rubenowstraße ein Wissenschaftsmuseum werden. Die Idee dazu stammt aus dem Jahr 2006, als die Universität ihr 450-jähriges Jubiläum feierte. Damals wurden die Pläne aber wegen fehlender Geldmittel wieder verworfen.

Ungeachtet dessen, ob die Pläne für ein universitäres Museum in naher Zukunft verwirklicht werden, sind viele Sammlungen im Zuge von Baumaßnahmen innerhalb der letzten Jahre umgezogen. In erster Linie hat dies die Sammlungen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät betroffen, als viele Institute Gebäude auf dem Neuen Campus erhielten.

Dort werden die meisten der Exponate vermutlich jetzt eine Weile bleiben, selbst wenn der Traum von einem eigenen Museum dieses Mal verwirklicht werden sollte. Schließlich würde nur ein sehr kleiner Teil in der Alten Physik einen Platz finden.

von Juliane Stöver

Foto: Juliane Stöver