Freies WLAN für jeden und überall in Greifswald? Das wäre doch super! Lorenz Werner von der Freifunkinitiative erklärt, was sich hinter der Idee verbirgt, welche Vorbilder das Projekt hat und wie man sich die Umsetzung vorzustellen hat.

Ihr habt euch zum Ziel gemacht, freies WLAN in Greifswald zu verbreiten. Was steckt hinter eurer Idee?
Geplant ist die großflächige Verbreitung eines kostenlosen WLAN-Netzes in Greifswald. Wir sind der Überzeugung, dass jeder ein Grundrecht auf Internet besitzt. Internetnutzer sind von Providern wie Kabel Deutschland oder der Telekom abhängig, die die Preise diktieren. Deshalb wollen wir jedem in Greifswald kostenloses WLAN zur Verfügung stellen.

Und warum ist es heute sinnvoll sich den Freifunkern anzuschließen, wo es doch gerade für Studenten in allen Universitäts-Gebäuden und Bars schon freies WLAN gibt?
Es gibt immer noch viele Orte, an denen es kein WLAN oder gar Internetempfang gibt und man total aufgeschmissen ist. Unser Ziel ist es ja schließlich, ein so dichtes WLAN-Netz zu haben, dass man eines Tages überhaupt nicht mehr von den herkömmlichen Providern abhängig ist.

Denkt ihr, dass euer Engagement in diesem Bereich Arbeitsplätze bei großen Providern gefährden kann?
Eine potenzielle Gefahr gibt es schon, aber momentan haben wir noch lange nicht die Kapazitäten um so große Firmen zu gefährden.

Wie funktioniert euer Projekt beziehungsweise wie kann man mitmachen?
Wir haben ein Gateway eingerichtet, dass die Signale an die Router sendet. Die Software dafür konnten wir kostenlos downloaden. Die Routersignale können von Smartphones und Notebooks ganz normal empfangen werden und tauchen dann unter dem Namen „greifswald.freifunk.net“ im WLAN-Menü auf. Das Netzwerk ist offen, das heißt, einen Netzwerkschlüssel braucht man nicht. Der Name unserer Software ist BATMAN-advanced, das heißt Better approched to mobile adhoc networking. Mitmachen kann jeder, der sich einen entsprechenden Router kauft, auf dem unsere Firmware läuft und dann kann man sich mit unserem Gateway verbinden.

Also könnte ich mich einfach auf den Marktplatz stellen und hätte freies WLAN?
Am Marktplatz ist momentan noch kein Router in der entsprechenden Reichweite aufgestellt, aber demnächst erscheint auf unserer Website eine sogenannte Knotenkarte mit allen Standorten in Greifswald, in deren Reichweite ein solcher Router steht. Knoten nennen wir die Verknüpfungspunkte der Standorte in Greifswald, in deren Reichweite ein solcher Router steht. Momentan stehen beispielsweise welche in der Domburg, im Klex, im IKUWO, in der Pommerania am Hafen und in der Brinke.

Wie finanziert ihr euch?
Wir sind alle Freiwillige vom BetterPlace-Project, die den Freifunk hobbymäßig betreiben. Wir überlegen sogar, einen Verein zu gründen. Unser Kern besteht aus sieben Leuten, aber wir haben offiziell schon 31 Abonnenten, die einen Router betreiben. Die einzigen Anschaffungskosten fielen durch das Gateway an, welches wir durch Online-Spenden von ungefähr 600 Euro finanziert haben.

Ist das der erste Versuch so ein Netzwerk aufzubauen?
Wir haben am 20. Juni 2014 damit begonnen, aber es wurde bereits 2011 in Greifswald ein Freifunk-Versuch gestartet, der aber gescheitert ist, weil die Technik noch nicht so weit war und viel zu wenig Leute sich beteiligen wollten. Die Idee wurde schon in vielen anderen Städten realisiert, sowohl in Deutschland als auch international. In Hamburg, Lübeck und Rostock zum Beispiel klappt es schon ganz gut mit mehreren tausend Knoten.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Freifunkinitiative in Greifswald zu unterstützen?
Da dieses Projekt finanziert werden muss, sind die Freifunker auf Spenden angewiesen. Hierfür hat der „Förderverein Freie Netzwerke e.V.“ ein Spendenaufruf auf Deutschlands größter Spendenplattform „betterplace“ gestartet, um Strom und Traffic für das Gateway ein Jahr lang für den Freifunk Greifswald finanzieren zu können.

von Sophie Gros und Paul Zimansky

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Tobias Thal: „Ich persönlich halte Freifunk Greifswald für eine feine Sache, jedoch ist dieser Dienst für Studenten im Innenstadtbereich weniger nötig, da Großteile der Innenstadt sowieso mit dem Uni-WLAN abgedeckt sind. Für Nicht-Studenten und für den Nicht-Innenstadtbereich ist dieser „Service“ allerdings eine tolle Sache und man sollte sich, allgemein in Deutschland, mehr Gedanken über ein öffentlich zugängliches WLAN-Netz machen. Hier kann man sich durchaus ein Beispiel an großen deutschen Städten nehmen.“

Foto: Corinna Schlun

Jonathan

Jonathan Dehn: „Freifunk ist für mich die ideale Antwort auf die Probleme der digitalen Welt in der Zukunft. Ein nicht-kommerzielles Projekt, das von der Basis der Bevölkerung ausgehend ein freies Netzwerk aufbaut, um gegen mögliche Zensurmaßnahmen und für echte Netzneutralität, dezentral die lokale Kommunikation fördert und aufrechterhält. Eine Alternative, die nebenbei auch noch Anonymität gewährleistet und sich somit gegen Überwachung ausspricht: Was kann man mehr wollen? Rege Beteiligung!“

Foto: Katrin Haubold

Enzo

Enzo Petzold: „Prinzipiell denke ich, dass Freifunk eine ganz vernünftige Idee ist, die vor allem im ländlichen Raum einen Schritt zu mehr Unabhängigkeit von Mobilfunkanbietern bedeuten kann. Direkt in Greifswald ist man meines Erachtens nach als Studierender schon gut durch die Eduroam-Anbindung versorgt.Ein zusätzliches Freifunk-Netz könnte demzufolge besonders für Personen außerhalb des universitären Alltags attraktiv sein. Für mich stellt sich aber die Frage, ob man denn wirklich zu jeder Gelegenheit WLAN-Zugang braucht…“

Foto: Lisa Klauke-Kerstan