Rezension

Ist der menschliche Einfallsreichtum wertvoller als unsere Erde mit ihren Ressourcen? Diesen Eindruck vermittelt zumindest diese Dokumentation.

Der 2012 entstandene Dokumentarfilm wurde zweifelsohne umfassend recherchiert. Aufwendige Animationen und Fakten wurden von den A&E Television Networks hinter HISTORY professionell aufbereitet. Aber hier liegt offenbar das Problem. Die kalten Fakten ziehen sich von den Ressourcen Edelmetalle, Nahrungsmittel, fossile Brennstoffe, Wasser und so weiter und sofort gleichermaßen durch. Warum ist die Ressource wichtig – Wie viel gibt es aktuell und zukünftig – Wie hoch ist der Preis aller weltweiten Vorkommen? Der nervige Einspieler zwischen den Kapiteln, dass man hier eine Inventur der Erde, ja von unserer kompletten Erde mit ihren ganzen Ressourcen verfolgt, zerstört jeglichen Spannungsbogen. Das immer gleiche Schema wirkt wie ein stupides Arbeiten ohne Appell. Jede Tier-Dokumentation ist fesselnder.

Ein kritischer Vergleich der Erkenntnisse wird vollständig ausgelassen. So zeigt sich beispielsweise, dass Nahrungsmittel der zweitgünstigste Rohstoff auf der Erde sind. Danach kommen Edelmetalle, die aber schon 70-mal so viel wert sind wie Nahrungsmittel. Für mich ist das erschreckend, dass Tiere und Pflanzen so wenig wert sein sollen. Hier würde ich mir wünschen, dass Relationen hinterfragt werden. Aber es zählt wieder nur der Gesamtwert in Euro. Was hinter dieser Wertigkeit steckt, interessiert nicht. Schließlich könne der menschliche Einfallsreichtum alle Probleme lösen. Das sei die Ressource, die selbst nicht im Wert bemessen werden könne. Angesichts dieser Logik ist ein Umdenken quasi unnötig. Wir werden schon immer genug aus der Erde rausholen können, scheint die Bilanz zu sein. Der Fokus liegt eher auf einem Übertrumpfen als auf einem bewussten Umgang mit der Erde. Insgesamt vermittelt „Was kostet die Erde“ viele Informationen, aber mir fehlt die Faktenunterfütterung, die zu einem Umdenken und Verändern von Handlungen anreizt.

von Jette Geiger

Foto: © Der Wissens-Verlag