Eine leere Geldbörse findet niemand klasse. Schlimmer ist es jedoch, wenn jemand die Brieftasche versteckt und ihr einfach nicht mehr an eure Kohle rankommt. Genau so wäre es dem AStA ergangen, wenn sich niemand für das Referat für Finanzen erbarmt hätte. Aber was genau passiert in einer Welt ohne Finanzer?

Stell dir vor du bist Ersti und Greifswald empfängt dich ohne Tüten. Deine Mitbewohner sprechen von quasi magischen Beuteln voll mit lebensrettenden Werbegeschenken. Doch wohin mit den Beuteln, wenn es keine Ersti-Woche gibt? Genau das wäre in diesem Jahr fast der Fall gewesen, als der zuständige Finanzreferent Marc Benedict seinen Posten hinschmiss. Zum Glück gibt es beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) immer einen doppelten Boden. Doch auch das Sicherheitsnetz drohte zu reißen, als der Co-Finanzer unter der Arbeit zusammenbrechen wollte. Hinschmeißen war für Philipp Müller eigentlich keine Option, doch alleine waren die Finanzen nicht zu kontrollieren. Dann erschien Alexander Lenz, der edle Ritter mit seinem weißen Taschenrechner und der kaufmännischen Ausbildung im Medienbereich, am Horizont. Ein Glück, denn eine Welt ohne Finanzer wäre für uns alle traurig, fast aussichtslos. Ohne einen Finanzreferenten wäre der AStA lahmgelegt.

Wie der Tausendfüßler vor der verschlossenen Türe wäre kein Vor und kein Zurück mehr möglich gewesen. Schicht im Schacht. Der AStA ist die Exekutive der Studierendenschaft. Und was macht so ein ausführendes Organ? Genau, Beschlüsse umsetzen. Jeder Student mit einem leeren Konto weiß, dass Feiern ohne Geld nicht möglich ist. Genauso ist das mit dem Umsetzen der Beschlüsse des Studierendenparlaments (StuPa), wenn niemand den Schlüssel zum Konto der Studierendenschaft hat. Sämtliche laufende und kommende Projekte wären in einen unfreiwilligen Winterschlaf verfallen. Nicht umsonst veröffentlichte der AStA im Oktober einen Hilferuf: „Rette deine Studierendenschaft!“ Die fehlende Besetzung dieses essentiellen Referats wäre nur der erste umfallende Dominostein gewesen. Denn der Finanzer ist auch für die Auszahlung sämtlicher Aufwandsentschädigungen in der studentischen Hochschullandschaft verantwortlich und wer arbeitet heute noch ohne Bezahlung? Kurz wäre es wohl noch gut gegangen, doch spätestens nach ein paar Monaten wären in der Hochschulpolitik nur noch Strohballen unterwegs gewesen.

Gebremstes Engagement

Als wäre der zugedrehte Geldhahn nicht schon schlimm genug, nimmt ein Finanzer mit seinem Rücktritt dem AStA auch die rechtliche Existenz.  Stillstand ist die Folge. Keine Vollversammlung, keine Gremienwahlen, keine Finanzanträge – kurz: keine Hochschulpolitik. Für manche scheint das jetzt wie ein Segen zu klingen. Doch spätestens wenn die Ersti-Partys wegfallen wären die ersten auf der Straße. Oder auch nicht, denn eine Demo ohne Kohle für die Musikanlage, Ordner und die Anmeldung beim Ordnungsamt wäre ziemlich lahm. Wenn man also nicht mal mehr für einen Finanzer demonstrieren kann, wenn es keinen Finanzer gibt, dann wird Greifswald zum Schwarzen Loch. Ein Schwarzes Loch, das alle guten Ideen in sich aufsaugt.
Immer wieder bitten Initiativen um Geld vom StuPa. Schöne Dinge sollen damit umgesetzt werden: Abschlussbälle, Rugby-Turniere, eine Uni ohne Nazis. Tja, Pustekuchen, müsste es dann heißen, wenn es niemanden mehr gibt, der all diese Anträge prüft. Klar, man kann auch im heimischen Wohnzimmer Walzer tanzen, aber das geht einem schnell auf den Keks. An Rugby im Garten ist gar nicht zu denken. Fest steht, die Greifswelt ohne Finanzreferent ist scheiße. Vielleicht würde die Handlungsunfähigkeit aber auch zu Einfallsreichtum führen. Wir würden uns wieder zurückentwickeln und Kuchen backen, damit die Medien publizieren und der AStA 24 Stunden vorliest. Ausprobieren möchte das wohl niemand.

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto und Montage: Lisa Klauke-Kerstan