Rezension

Mein rechter Fuß wippt im 4/4-Takt, während die schnellen Beats meine rechte Gehirnhälfte zum ersten Track einladen. Eine tiefe, sympathische Stimme streichelt mein Trommelfell. Rock’n’Roll fetzt schon in den ersten Sekunden, sagt mein Gehirn. Ich lehne mich zurück und lausche dem typischen Zusammen- und Wechselspiel von Gesang- und Instrumentalparts. Der Song kommt mir vage bekannt vor, trotzdem klingt er fremd. Sobald der Refrain einsetzt, merke ich, dass ich ihn nicht kenne. »Let it go« ist ein typischer The Baseballs-Song. Er entspricht zwar dem klassischen Rock’n’Roll-Muster, beschert dem konventionellen Radiohörer aber ein Herzkasperkarussell erster Klasse: Temporeiche Rhythmen, die mit regelmäßigen Off-Beats, prägnanten Kontrabasslinien, ausgeflippten Klaviermotiven und ein bisschen Gitarrengedudel zu einer gepfefferten Komposition verschmelzen. Drei kehlig-raue und doch weiche Männerstimmen schmettern den Text. »You‘ll be screaming, dancing, singing along«. Ich bin begeistert.

Der US-amerikanische 50er-Jahre-Stil zieht sich wie ein roter Faden durch alle zwölf Tracks. Auch das ist charakteristisch für The Baseballs. Hin und wieder schleicht sich ein bekannter Pop-Song zwischen selbst erschaffene Kunstwerke. An die Auswahl muss ich mich gewöhnen. Während der Original-Song »Royals« (LORDE) von bedächtigen, schweren Klängen lebt, verwandeln The Baseballs ihn in ein musikalisches Feuerwerk. Mein rechter Fuß zögert eine Weile, bevor er sich wieder in Bewegung setzt. Er wippt. Und wippt. Bis das Album zu Ende ist. Zwei langsamere Songs mit geschmeidigen Melodien waren auch dabei. Ich drücke die Play-Taste und alles geht von vorne los. Diesmal höre ich nicht aufmerksam zu, sondern putze. Backe. Treibe Sport. Studiere. Und The Baseballs geben den Takt vor.

von Tine Burkert

Foto: ©Warner Music Group Germany GmbH