Die Wende – der Mauerfall vor 25 Jahren veränderte einfach alles. Familien fanden wieder zueinander, die Politik wurde vor neue Probleme gestellt und das Kernkraftwerk Greifswald in Lubmin stillgelegt. In den 1980er Jahren hat es noch über zehn Prozent der Stromversorgung sichergestellt und dann wurde einfach der Schalter umgelegt. Der erst am 11. November 1989 fertiggestellte Block 5 befand sich noch im Probelauf, 23 Tage später wurde er wieder abgeschaltet. Die übrigen laufenden Blöcke 1 bis 4 folgten im Jahr darauf. Block 6 wurde nie mit Brennstäben bestückt. Stattdessen baute man ihn in den Jahren nach der Wiedervereinigung in ein Museum um.

Die Zeit als Standort der Großenergieerzeugung war mit der Wende Greifswalds abgelaufen. 1995 begann der Rückbau der Anlage, der noch immer läuft. Der Grund für die Schließung des Kraftwerkes war das fehlende Vertrauen in die Werke sowjetischer Bauart nach dem GAU von Tschernobyl 1986. Außerdem hatte es 1975 im Greifswalder Werk einen schweren Störfall gegeben, der glücklicherweise keine radioaktiven Folgen hatte. Diese Gefahr besteht heute nicht mehr. Der Großteil der Anlage ist inzwischen eine Ruine.  Mittlerweile haben Hobbyfotografen den Gebäudekomplex für sich entdeckt. Im Internet existieren mehrere Websites mit Fotos von modernen Ruinen, die auch das Kernkraftwerk Greifswald zeigen. Ihr Ziel ist es, mit Hilfe der Bilder eine besondere Art von Ästhetik im Rückbau und Zerfall zu finden.

von Juliane Stöver

Foto: Johannes Köpcke