Bienchen, Honigbienen und Oberbienen leben friedlich zusammen. Doch wenn die Bienchen zu Honigbienen werden, wächst mit den neuen Aufgaben auch die Verantwortung. Ärger ist immer mit dabei, schließlich haben die Oberbienen das Sagen. Eine Kurzgeschichte.

In einem uns bekannten Land vor gar nicht all zu langer Zeit lebten: Bienchen, Honigbienen und viele andere Bienenarten. Jedes Jahr gab es einige freiwillige Bienchen, die den Posten einer Honigbiene annehmen wollten. In ihrer neuen Funktion arbeiteten sie tagaus und tagein, um den Bienchen den köstlichsten Honig in Form von Partys, Vorträgen und Projekten zu geben. Außerdem waren die Honigbienen für die Bienchen da und hatten bei Problemen immer ein offenes Ohr für einander.
Auch in diesem Jahr machten sich wieder einige Bienchen auf den Weg zu den Oberbienen – den Kings unter den Bienen, wie manche von ihnen sich selbst bezeichnen – um sich für die Posten der Honigbienen zu bewerben. Wie in jedem Jahr hatten die Kings nur wenig Fragen an die Bienchen und viele von ihnen wurden in ihr neues Amt durchgewunken. Jedoch wurden nicht alle in ihr Amt gewählt – die Oberbienen stellten sich quer. Die Bienen schienen für einige Kings nicht in die für sie richtige Richtung zu fliegen. Da konnte kein mehr oder weniger qualifizierter Bewerber sie umstimmen. So mussten die neugewählten Honigbienen mit einigen freien Posten arbeiten.

In den ersten Wochen schienen die Honigbienen überfordert zu sein: Man konnte nur noch einige Honigbienen erreichen. Große Projekte, gerade für die neuen Honigbienen, die in die Region geflogen waren, um hier zu leben, rückten immer näher. Und trotz der großen Aufgaben wollten die Honigbienen auch frei haben. Am Anfang lockte die Arbeit für einen anderen Imker. Danach wollten sie in den Heimat-Bienenstock fliegen und nach alledem natürlich auch Urlaub von der Greifswalder Blumenwiese nehmen. Selten konnte man die Honigbienen im Bienenstock antreffen. Dafür war aber immer die langjährige Sekretariats-Biene für die Bienchen da. Trotz der wenigen Tage, die die Honigbienen in dem Bienenstock waren, beharrten sie zu Beginn ihrer Amtszeit auch auf ihre volle Bezahlung. Jede Honigbiene sollte auf Befehl der Honigbienenkönigin selbst entscheiden, ob sie ihre Arbeit zuverlässig und im vollen Umfang erfüllt hatte. Die Kings sahen darin eine riesige Katastrophe. Warum sollten die Honigbienen das selbst entscheiden dürfen? Erst durch deren Druck beugten sich die Honigbienen und machten Abstriche beim Nektar.

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Sucht nach Aufmerksamkeit

Die amtierenden Honigbienen schienen in diesem Jahr vermehrt nach Aufmerksamkeit zu suchen, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren. Für jedes Projekt wollten sie Lob, egal wie viel Zeit die Bearbeitung tatsächlich gekostet hatte. Sie schrieben auf unzähligen Seiten Papier ihre genauen Aufgaben, verteilten diese und warteten nur auf Zuspruch. Sie drohten sogar damit zu gehen, wenn sie kein Lob für ihre Arbeit erhielten. Wenn also Bienchen das nächste Mal die Honigbienen besuchen, sollten sie diese loben – am besten gleich auf die Knie gehen und huldigen und preisen für ihren wunderbar leckeren Honig. Zwar gab es auch in den vergangenen Jahren Honigbienen, die nach Aufmerksamkeit gierten, aber gerade von denen sollten die aktuellen Honigbienen lernen: Honigbienen sollten nicht nach Aufmerksamkeit suchen, sondern fleißig arbeiten. Schließlich bekommen sie so zum Schluss ganz automatisch die Anerkennung, die sie verdienen.

Aber was machten die Kings in der Zwischenzeit? Sie tuschelten und beschwerten sich bei anderen Bienen und schmiedeten Pläne gegen die Honigbienen. Sich jedoch mit den Honigbienen auseinandersetzen, das wollten sie nicht wirklich. Lieber sollten die Honigbienen in ihren wöchentlichen Treffen Probleme durch Gesprächen lösen, anstatt die kostbare Zeit der Kings zu verschwenden, die sich lieber mit wichtigeren Dingen befassen wollten. Dabei ist es doch die Hauptaufgabe der Kings für Ordnung im Bienenstock zu sorgen.

Einzelkämpfer

Zudem waren die Honigbienen in dieser Saison leider sehr egoistisch. Für sie standen ihre eigenen Honigtöpfe mehr im Vordergrund als die Teamarbeit im Bienenstock. Bei einigen Honigbienen mussten sich die Kings und die Bienchen sogar die Frage stellen, ob überhaupt Honig produziert wurde oder sich die Honigbienen auf ihren Posten ausruhten. Schließlich kannten sowohl die Kings als auch die Bienen die Namen der Honigbienen, aber deren Gesichter hatten sie nicht auf den Greifswalder Blumenwiesen gesehen. Durch dieses chaotische Leben im Bienenstock kam es im Laufe der Zeit zu einem großen Honigbienensterben – vor allem die fleißigsten unter ihnen entschieden sich für ein Leben außerhalb des Bienenstocks. Sie waren nicht mehr zufrieden mit dem Gemeinschaftsgefühl der Honigbienen. Da der Bienenstock immer kleiner wurde, wollten einige Bienen die Honigbienen vorübergehend bei Projekten unterstützen. Auch diese verließen schnell den Bienenstock, da sie nicht mit der Arbeitsmoral der Honigbienen einverstanden waren.

Alles scheint am Boden zu liegen für die Honigbienen, sogar die Königbiene hat ihr Volk verlassen. Trotz der zahlreichen Kritik an den Honigbienen durch die Bienchen und Oberbienen sind sie nicht klein zu kriegen. Immer noch gibt es Honig-Projekte. Vielleicht weil der Druck von außen wächst oder weil sie doch ihre Aufgabe lieben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann arbeiten sie noch heute.

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*Anmerkung der Redakteurin: Jegliche Vergleiche mit Personen und studentischen Gremien, wie Allgemeiner Studierendenausschuss und Studierendenparlament, sind nicht beabsichtigt und liegen im Auge des Betrachters.

von Corinna Schlun

Grafik: Lisa Sprenger