Helmut Maletzke

Zwischen Marktplatz und dem historischem Hafen befindet sich eine kleine Kunsthalle namens „Pommernhus“. Sie ist Teil der Helmut-Maletzke-Stiftung und wird heute noch von ihrem Gründer geleitet. Der 1920 in Neustettin geborene Künstler hat in Greifswald studiert und stellt heute seine Werke international aus. Zudem ist er schriftstellerisch tätig und mehrfacher Preisträger bedeutender Kunstpreise. Mit moritz. sprach er über sein bewegtes Leben, seine Verbindung zum Norden und das Pommernhus.

Wann wurde Ihr Interesse an der Kunst geweckt?
Mein Onkel war Maler und mein Vater schriftstellerisch tätig, sodass die kreative Ader wohl in der Familie liegen muss. Wie alle anderen jungen Männer musste ich aber zunächst Kriegsdienst leisten und so kam ich 1942 zum ersten Mal nach Greifswald, um mich hier von meinen Verwundungen zu erholen. In dieser Zeit studierte ich auch mit wenig Freude drei Semester Jura. Erst später bekam ich die Möglichkeit, mich als Grafiker und wissenschaftlicher Zeichner an der Universitätsklinik Greifswald kreativer zu entfalten. Eine vollständige künstlerische Ausbildung bekam ich aber erst 1953.

Was hat Sie im Laufe Ihres bewegten Lebens am stärksten geprägt?
Wenn ich mich jetzt zurück erinnere, waren vor allem die Nachkriegsjahre für mich prägend. Die Zeit war nicht einfach für die Überlebenden und es gab Wichtigeres als das reine Malen. Trotzdem und gerade darum haben wir Künstler uns gegenseitig gefördert, zum Beispiel in der 1946 von mir mitbegründeten norddeutschen Künstlergruppe „Die Buhne“.

Woher nehmen Sie die Inspiration?
Für mich ist es wichtig, Menschen etwas mitzuteilen, was ich als positiv erlebt habe. Doch nicht immer waren es positive Erlebnisse, die ich in meinen Werken verarbeitet habe. Nach dem Krieg gab es in vieler Hinsicht den Drang, der nachkommenden Generation das Ausmaß und die Bedeutung von Krieg als Warnung vor Augen zu führen. Außerdem setzte ich mich nach meinem Berufsverbot als baugebundener Künstler in der DDR malerisch mit der Unterdrückung dieses Systems auseinander.

Sie sind durch die ganze Welt gereist. Was verbindet Sie mit Greifswald?
In der DDR war es vor allem der Ostblock, in dem ich reisen konnte. Ich habe die meisten der kommunistischen Länder besucht, bis hin nach Vietnam. Nach der Wende habe ich dann die westlichen Länder nachgeholt, um meinen Horizont zu erweitern. Ich habe mich aber bewusst gegen ein Leben im Westen entschieden. Mit Greifswald verbinde ich mein Leben, meine Familie. Die Stadt liegt mir am Herzen. Die Ostsee, der Strand und die weite Landschaft tun gut.

Vor 17 Jahren gründeten Sie das Pommernhus. Was sollte damit geschaffen werden?
Nach der Wende  kam es zu einer Neugründung des gesamtdeutschen Pommerschen Künstlerbundes, welcher 1916 in Stettin geründet worden war und während der Besatzungszeit nicht existierte. Zusammen mit anderen habe ich den Verein zurück ins Leben gerufen und gründete zur gleichen Zeit die Kunsthalle „Pommernhus“ in Greifswald. Sie sollte Raum für örtliche aber auch internationale Künstler geben.

Was wünschen Sie sich für die weitere Entwicklung Ihrer Stiftung?
Ich hoffe, dass sich Nachfolger für die Leitung und Verwaltung finden lassen und bin zuversichtlich, dass auch weiterhin talentierte Künstler im Pommernhus austellen werden.

Herr Maletzke, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Jenia Barnert.

Foto: Jenia Barnert