In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Repu-blik leben nur Atheisten – Pustekuchen. Auf den folgenden Seiten zeigt moritz. euch Fotos, die das Gegenteil beweisen.

Zuflucht

mm114_27_Greifswelt_Gott_Isabel KockroKatholiken sind konservativ und streng. Das ist ein Klischee, was von der Katholischen Studentengemeinde widerlegt wird. Im Gespräch mit Tim, der im siebten Semester Medizin studiert, und dem Pfarrer gibt sich die noch etwas kleine Gemeinde weltoffen und modern. Beim wöchentlichen Zusammentreffen wird bis in den Abend hinein miteinander gegessen und sich ausgetauscht. Willkommen ist jeder, egal ob katholisch oder evangelisch. Auch für Tim selbst „gibt es diese Entscheidung gar nicht“. Es geht darum, sich angenommen zu fühlen und seinen Glauben frei ausleben zu können, denn auch bei Problemen ist die familiäre Gemeinde immer für einander da. Genau wie im Alltag, denn Pflichtgebete sind selten. Gebetet wird nicht nur vor einer wichtigen Prüfung oder dem Essen, sondern immer dann, wenn sich die passende Gelegenheit dazu ergibt. Trotzdem versucht Tim zumindest am Morgen und am Abend ein Gebet zu sprechen. Der Glaube gibt ihm in schweren Situationen Zuflucht und ist eine Quelle, aus der er Kraft schöpfen kann.

Außerdem nimmt er die Angst vor dem Tod, denn auch „Tod und Krankheit gehören dazu, das Leben muss trotzdem weiter gehen“, meint er. Neben dem seiner Meinung nach „kitschig-überladenen“ Weihnachten rückt der Pfarrer vor allem die Bedeutung von Ostern in den Mittelpunkt, welches sich eigentlich über mehrere Tage erstreckt und viel mehr Raum für geistige und spirituelle Minuten bietet. Neben weiteren Festen werden auch Fahrten und gemeinsame Wochenenden veranstaltet.

Die Gemeinde ist hauptsächlich ein Ort, an dem sich die Menschen treffen, um eine gute Zeit in geselliger Runde zu haben. Der Glaube dient hier mehr als zusammenhaltender Katalysator, über den sich offen ausgetauscht wird. Generell und insbesondere zu vergangenen Glaubenskonflikten haben sie die Einstellung, dass man nicht alles vertreten sollte, was der Glaube vorgibt. Dies begründen sie damit, dass es gut sei, sich seine eigene Meinung zu bilden und nur an das zu glauben, was man wirklich vertritt.

 

Innere Ruhe

mm114_28_Greifswelt_Ich_Isabel KockroDer Buddhismus ist im Vergleich zu vielen anderen Religionen auf der Welt ein Sonderfall. Der wichtigste Grund dafür ist die Orientierung nach innen. „Die anderen Religionen beziehen sich ja auf etwas von außen, einen Gott. Das tun wir nicht“, erklärt Florian. Der Medizinstudent im neunten Semester ist jetzt seit über zweieinhalb Jahren Mitglied der Buddhistischen Gruppe Greifswald.

Diese trifft sich zweimal die Woche zur gemeinsamen Meditation, einer der wichtigsten Übungen im Alltag eines Buddhisten. Neben der Meditation in der Gruppe meditiert jeder auch für sich selbst, wobei sich die Länge und Häufigkeit der Ausführung je nach der verfügbaren Zeit der einzelnen Personen richten. Bei Florian sind es eine halbe bis ganze Stunde am Tag.

Das Ziel dahinter ist, die Eigenschaften Buddhas – Furchtlosigkeit, Freude und tatkräftiges Mitgefühl – in sich selbst zu erkennen und zu nutzen. „Jeder trägt diese Eigenschaften schon in sich. Wir haben eigentlich schon alles, was wir brauchen, müssen es nur in uns finden“, erläutert Florian das Menschenbild des Buddhismus. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist „möglichst vielen Lebewesen über möglichst lange Zeit möglichst viel Gutes zu tun“. Zum Beispiel soll man selbst einem Professor, der einen durch die Prüfung fallen lässt, oder einem Polizisten, der einem gerade einen Strafzettel ausgestellt hat, mit Freundlichkeit begegnen. Das soll dazu führen, dass man sich irgendwann in einer Gesellschaft von Freunden befindet.

Das Zentrum für Buddhisten in Greifswald ist eines von 650, die zur Linie des Diamantwegs gehören. Es ist im Jahr 2000 vom Lama Ole Nydahl gegründet worden. Die Lamas sind die Lehrer im Buddhismus. Entgegen des Vorurteils sind dies nicht nur Männer. Auch Frauen können lehren. Einer der wichtigsten Lehrer für den Diamantweg ist der Karmapa. Eine vom vor über dreißig Jahren verstorbenen 16. Karmapa gesegnete Mala – eine aus 108 Holzperlen bestehende Kette, die als Hilfsmittel in der Meditation dient – wird im Zentrum in Greifswald aufbewahrt.

 

 

 

Hingabe

mm114_Greifswelt_29_Hand Allah_Isabel KockroDer Islam scheint heute überall zu sein. In den Medien, im Nahen Osten, in Berlin ist er omnipräsent. Auch in Greifswald gibt es eine Islamische Gemeinde.
Die etwa 120 bis 150 Mitglieder treffen sich jeden Freitag zum gemeinsamen Gebet. Die genaue Zahl schwankt dabei, da die meisten für das Studium nach Greifswald gekommen sind. Sie stammen aus ungefähr 20 verschiedenen Ländern. Zu ihnen gehört auch Mohammed, ebenfalls Medizinstudent. Er ist ein Mitglied vom Vorstand des Islamischen Kulturzentrums. Über die Religion des Islam berichtet er: „Islam bedeutet Hingabe zu Allah. Jeder, der die Fünf Säulen des Islam erfüllt, ist ein Moslem. Dabei ist es egal, wer er ist oder wo er herkommt.“ Diese Säulen sind das Glaubensbekenntnis, das Gebet, das Spenden von Almosen, das Fasten im Ramadan-Monat und die Pilgerfahrt nach Mekka.

Das Glaubensbekenntnis besagt folgendes: „Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.“ Ebenso wichtig ist das Gebet, das fünfmal am Tag durchgeführt wird. Wann genau der Ramadan ist, ändert sich jedes Jahr, weil die Termine sich nach dem Mondkalender richten und nicht nach dem in Mitteleuropa verbreiteten Sonnenkalender. Dies gilt auch für das Opferfest zur Zeit der Pilgerfahrt, welches neben den Feierlichkeiten am Ende des Fastenmonats, das wichtigste Fest im Islam ist.
Die letzte Säule ist schließlich die Pilgerfahrt. Jeder Moslem soll einmal in seinem Leben zu den heiligen Stätten in Mekka reisen. Ihr Glaube lässt die Muslime auf Frieden und Barmherzigkeit hoffen. Dennoch gibt es heutzutage vermutlich wenige Religionen, die in Europa derart große Probleme mit Vorurteilen und fehlender Akzeptanz haben wie der Islam.

„Wir hatten schon Fleisch im Briefkasten und Hakenkreuzschmierereien an den Fenstern“, berichtet Mohammed. Schweinefleisch gilt im Islam als unrein und darf deswegen nicht gegessen werden. Zudem ist es verboten Alkohol zu trinken. Trotz alledem versuchen die Mitglieder des Zentrums, sich gut in die Gesellschaft zu integrieren. „Wir sind offen für die deutsche Bevölkerung“, fasst Mohammed zusammen.

 

von Juliane Stöver & Tomas Scharnow

Fotos: Isabel Kockro