Rezension

Anfangs ist man gefangen in dieser Welt.

„Die Lichtungen sind unser Unglück, aber wir haben gelernt, uns zu tarnen, über die Erde zu robben, Verstecke zu finden und den Feind zu täuschen.“

Wir – das sind der 17-jährige Edmund und die jüdischen Partisanen, denen er sich in den karpatischen Wäldern während des Zweiten Weltkrieges anschließt. Trotz oder vielleicht gerade wegen der recht einfach gewählten Sprache schafft es Aharon Appelfeld einen mitzunehmen, die Moore selbst zu sehen und deren Geruch in der Nase zu haben.

Möglicherweise hat dieses Buch etwas autobiographisches, da der Autor sich einst selber in den Wäldern verstecken musste. Schon aus diesem Grund liest man das Buch mit einem gewissen Respekt. Trotzdem fehlt der Geschichte Spannung. Immer wieder überfallen die Partisanen Häuser und Bauernhöfe oder treffen im Wald auf „den Feind“ – die Nazis. Diese Ereignisse werden jedoch so nüchtern erzählt, dass man sich dann irgendwie doch nicht mehr so fühlt, als sei man dabei.
Natürlich sind da auch diese Abschnitte, die einem das Herz schwer werden lassen.

„Mein Onkel Herzig war so ein herzlicher Mann […] und sein Haus war nicht nur von Lampen erleuchtet, sondern auch von innerem Leuchten erfüllt. Jetzt ist er gefangen in einem dieser Lager, und wer weiß, ob ich ihn je wiedersehen werde.“

Das mag auch daran liegen, dass Appelfeld die unterschiedlichen Charaktere mit sehr viel Liebe zum Detail umschreibt. So ist dort zum Beispiel Zirl. Eine alte Frau, die unglaublich weise ist und jeden zu kennen scheint. Manchmal sieht sie auch die Zukunft und verhindert somit ein schreckliches Schicksal. Dann gibt es noch den kleinen Milio, der nie ein Wort sagt, aber dessen Augen Bände sprechen.

Dennoch schafft der Autor es nicht so recht, das Grauen, das in dieser Zeit geherrscht hat, richtig zu erfassen und den Leser zu fesseln. Zu oft driftet man mit den Gedanken ab. Und zum Schluss hat man dann doch mehr erwartet – von dem Buch mit dem mystischen Cover und dem spannenden Klappentext.

von Katharina Hößler

Foto: ©Rowohlt Verlag