Rund 150 Beschlüsse fasst das Studierendenparlament in einer Legislatur. Aber was passiert danach? moritz. ist der Sache auf den Grund gegangen. Diesmal: Die Patenschaft der Studierendenschaft für den Gedenkstein August Bebels.

Der deutsche Politiker und Publizist August Bebel gilt noch heute als einer der Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie.
Am 12. September 1920, sieben Jahre nach seinem Tod, wurde daher ein Gedenkstein für ihn angefertigt und in der Credner-Anlage, die sich nordwestlich der Altstadt befindet, vor 2 500 Einwohnern eingeweiht.
Nur kurze Zeit nachdem die Nazis in Deutschland an die Macht kamen, wurde der Stein im Mai 1934 von rechtsgerichteten Studenten umgestürzt und beschädigt. Um weiteren Schaden von dem Stein abzuwenden, versteckten ihn SPD-Mitglieder kurz nach dem Vorfall. Für einige Jahre galt das Denkmal als verschollen.

Nachdem der Stein wieder aufgetaucht war, wurde er zwischen Baderstraße und Martin-Luther-Straße aufgestellt. Deshalb trägt der Platz auch den Namen Bebels. Nach der Umgestaltung des Platzes, verlegte man den Stein an Bebels 100. Todestag an dessen Ostseite. Dort steht er auch heute noch.
Da der Stein neben Arbeitern auch von Studenten aufgestellt worden war, brachten die Jusos einen Antrag im Studierendenparlament (StuPa) ein, der vorsah, dass die Studierendenschaft die Patenschaft für das Denkmal übernimmt.

Diese Patenschaft beinhaltet, dass das Denkmal und dessen unmittelbares Umfeld von Abfall befreit zu halten ist. Außerdem soll regelmäßig nach Beschädigungen am Denkmal gesucht und diese an das zuständige Kulturamt weitergeleitet werden. Diese Aufgaben sollten Freiwillige übernehmen. Gerade wegen der zentralen Lage des Steins ließen sich die Aufgaben nach Ansicht der Antragssteller mit geringem Mehraufwand erfüllen.

Dem stimmte auch das StuPa einstimmig zu und beauftragte auf einen Änderungswunsch hin den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) damit, an Geburts- und Sterbetagen Bebels Blumen am Denkmal niederzulegen. Derzeit ist der AStA mit der Aufgabe beschäftigt, herauszufinden, wie eine Denkmalpatenschaft zu Stande kommen kann. Es muss geklärt werden, ob der AStA als Institution eine solche Patenschaft übernehmen kann, oder ob dies ausschließlich an eine natürliche Person gebunden ist.

Sollte der AStA die Aufgaben übernehmen dürfen, wäre der 22. Februar der Termin, an dem das erste Mal Blumen niedergelegt werden würden. Denn an diesem Tag jährt sich Bebels Geburtstag zum 175. Mal.

von Tobias Bessert

Foto: Lisa Klauke-Kerstan