Wie auf einem Schiff der Hoffnung, wie in Homers Odyssee sehen sie sich. Reisende, Suchende, Verlorene. Studentische Vereine werden sie genannt. Vereint in ihrem Streben nach einem Heim. Und wie auch in der Odyssee, so wird hier die Tragödie von GrIStuF und StuThe, C9, Mensa, Geokeller und anderen Völkern erzählt.

Dies ist eine Geschichte eben solcher Menschen. Und wie eine jede gute Geschichte, so hat auch diese ihren Helden.

Helden braucht ein Jeder

Er kam, als die Not am größten war, herbeizueilen den Schwachen und den Hilfesuchenden. Doch sein Feind, sein Gegner, der zu Bezwingende ist wahrhaft mächtig, gerissen und einflussreich. Man könnte ihn sogar mit dem einen oder anderen antiken Gott vergleichen. Doch in dieser Geschichte, so steht fest, ist der Gegner weitaus undurchschaubarer, weitaus gefährlicher. Er ist nicht einer der Götter, er vereint all die Götter in sich – mit all ihren Eigenschaften und Fähigkeiten. Er ist Feind und Freund zugleich, und dabei selbst auch nur ein Spielzeug in eines andren Hand. Institut der Lehren wird er genannt, oder auch Universität.

Die Odyssee beginnt

Unser Held nun, keinen Herzschlag zögernd, brachte unter sich all die zusammen, die Hilfe suchten. All die Ertrinkenden auf hoher See rettete er auf sein Schiff, denn für das Gefüge der Welt waren sie unglaublich wichtig. Visionengleich ereilte ihn das Wissen über die Notwendigkeit eben dieser.

Ohne diese Schar würde alsbald nichts bleiben, als ein trostloser, leerer und kalter Ort. Es waren einige an der Zahl, die dort versammelt auf seinem Schiffe nun waren: das Greifswald International Students Festival, auch GrIStuF genannt, das Studententheater StuThe, die moritz.medien, der Allgemeine Studierendenausschuss, der Club 9, der Mensaclub, der Geologen- und Geographenkeller.
Und sie alle folgten Einem: Milos Rodatos. Vereint hatte er sie, da sie suchten der Freunde viele, um gen Heimat zu fahren.

Einige hatten sie schon zu spüren vernommen, des Todes kalte Hand. Knapp entronnen zu sein, so erschien es vielen, doch der Schatten blieb. Drohend, näher rückend. Abenteuer und Gefahren einger waren zu überstehen gewesen. Doch die Reise blieb unvollendet und ein Ende im Glück war noch nicht zu erblicken.

Dabei hatten sie in eben dieses Glückes Garten doch gelebt. Ein jeder von ihnen, ob nun Club, Gemeinschaft oder Zweckbündnis, hatte im Schutze und in der Liebe der göttlichen Institution seine Taten umzusetzen gewusst. Derweil nämlich Aufgabe aller war, sich um die zu sorgen, deren Obhut sie inne hielten. Dieses Volk nun, bezeichnet auch als Studierende, war Ziel all der Ideen der Vereine. Und bei eben diesen wart ihnen selbst Hilfe gewährt durch diese Institution allerhöchsten Ranges. Räume gaben sie der Mensa, GrIStuF und all den weitren. Versicherten ihre Unterstützung und Barmherzigkeit, erfreute sie sich selbst doch an den Taten und Ereignissen, die von den Motivierten, nun zu Reisenden verkommen, zum Leben erweckt wurden. Rühmen und prahlen, in aller Welt verbreiten, so nahm der Rat der hohen Weisen mit ehrwürdigen Titeln, mancher Professor, manch anderer Dekan genannt, der harten Arbeit Früchte entgegen. Wohl und gut so erwachten die Gefühle derweil bei all den Umsorgten. Hatten sie nicht gütge und liebevolle  Patrone dort über sich? Und ihre Werke, waren sie nicht wundervoll, waren nicht all die Studierenden glücklich und zufrieden? Ja, das waren sie.

Flucht vor Zuckerbrot und Peitsche

Doch erfahren mussten die Vereine, dass ihr Institut der Weisen und Mächtgen selbst dem Höheren zu gehorchen hatte. Und nach Zeiten des sättigenden Zuckerbrotes, die Peitsche des Hungerns sie ereilte. Denn vergleichbar mit Poseidon, Gott des Meeres, Feind des glorreichen Odysseus, so gibt es auch im so großen und klugen Institut der Lehren, die, die nicht gewillt sind, Glück und Harmonie den Unteren zu gewähren. Listig und gerissen tarnen sie es, bedecken ihre Worte mit Deckmänteln, deren Stoff undurchschaubar und hart wie Stein ist. Leid ereilte da die Vereine, zu mancher Zeit ohne eines Wortes Warnung. Fliehen mussten sie, verlassen ihr gewohntes und geliebtes Heim.

Träumend von dem eigenen Dach über dem Kopf

Manche unter ihnen hatten Unterschlupf gefunden. War ihnen doch durch der Gelehrten guter und neuer Lebensraum geschaffen worden. „Kiste“ wurde der Lebensraum genannt, was sogleich der alte Lebensraum des Studententheaters war. Wohl und heimisch war es dort. Aber mit der Wende des Jahrzehnts kam der Aufbruch. Vertrieben wurde das Studententheater, da der weise Rat zu andrem Schlusse nun gekommen war. Die Suche begann, nach neuer Heimat, doch unerfüllt blieb sie. Denn auch StraZe und Hans-Fallada ließen die Flüchtgen nur kurz an Zeit in ihr Heim. Und jeder Mühe zum Trotz, jeder harten Arbeit wider, selbst als der Taler Mittel der Wahl war, gegen das unzweifelhafte und erhabene Institut, und besonders den Rat der Götter, hausend im Schlosse Schwerin, blieb der Erfolg eines Traumes Abbild. Aber wie die Göttin Athene dem Odysseus im Verborgenen eilte zur Hilfe, so tat sich auch hier ein Tor auf.

Unterschlupf gewährt wurde ihnen von Franz-Mehring. Nur auch dieser kann gegen eines Gottes Zorn nichts anhaben. Poseidon sucht den Kampf. Mit überschwemmendem Regen will er das StuThe ertränken lassen in ihrer jetzgen Wohn- und Raststätte.  So wurde es nun Teil der Mannen unter Milos auf seinem Schiffe.

Verloren hat der, der den Kampfe meidet

Alleine ist es aber nicht, findet sich noch jener Verein, GrIStuF mit Namen. Gelobet und gepriesen sind sie, sogar bedankt mit eines Preises Orden – dem Kulturförderpreis. Sich rühmen, das tun nun all die Weisen und Gelehrten mit des GrIStuF Fleiß. Fleiß, der hart erarbeitet und erkämpft ist. Bezahlt mit des GrIStuF Blut und Schweiß. Der Kampf ist vornehmlich aber auf einem Felde ausgetragen – so unrühmlich und glanzlos wie nur in dunkelsten Träumen zu erdenken. Ein Kampf um das eigene Dach ist entbrannt. Immer wieder neu bricht das Feuer aus, gesät von eben jenen Männern, die so stolz und gut von des Vereines Arbeit singen. Häufig musste ein neues Heim gesucht werden, denn die alten Wände des GrIStuF wurden gebraucht für Götzenanbetungen und Verherrlichung. In ihres Wahnes Größe suchten die Weisen des Institutes nach Orten, sich selbst von den Untersten, den Studierenden, gen Himmel preisen zu lassen. GrIStuF musste weichen in eines andren Hauses Platz. Nur fehlt des Talers Gewicht in den Taschen, es fehlt zu eben dieser Stund. Daher bedurfte es immer wieder neuer Weisung von Heim und Herd in Gemächern des großen und guten Instituts der Lehren. Doch wiederholte sich das Spiel des Wechsels. So verlor GrIStuF nun vor Kurzem erst erneut den Boden unter ihren Füßen. Weichen müssen sie, ohne Sicht auf Neues Zuhaus. Nun sind auch sie Teil der Mannschaft unter Milos.

Hohe Preise als Opfer sind zu zahlen 

Selbst die Vereine mit Ziel des körperlichen Wohlseins, auch diese trifft es hart. Einer unter ihnen, C9 genannt, hat schon verloren, was ihm heilig war. Seine hohen Hallen als Laderampe zu missbrauchen, so sieht deren neue Bestimmung nun aus. Doch Hoffnung, die hat es erlangt. Dort wo zuvor ein Archiv für Röntgenbilder sich befand, sollen nun die Trink- und Tanzverrückten ihrer Qual beraubt und kuriert werden. Frei wäre es, frei von Willkür der sich selbst weise betitelnden Tyrannen. Wäre da nicht der Menge Gold so hoch. Des Händlers Preise sind gen Himmel steigend, so dass gleich einem Ungeheuer gegenüberstehend sich das C9 nun sieht. Dieses Ungetüm der Unterwelt zu besiegen, so kam es zum Schiff der Reisenden.

Den Blick gerichtet auf das Ziel am Horizont

Neben Milos und der genannten drei sind die Zahl der Bittsteller und Reisenden hoch. Platz für alle, ein Heim für eines jeden, ein Raum zum Leben. Im Angesicht des nahenden Untergangs vieler dieser Vereine wandten sich Milos und einge seiner Gefolgsleute erst kurz in der Zeit an einen letzten, mächtigen Rat – Hilfe erbittend und zugleich fordernd. Dieser Rat, auch Vollversammlung betitelt, er besaß Güte und Barmherzigkeit, der Bitte der Flehenden nachzukommen und zu erhöhen, was all den Reisenden auf dem Schiffe fehlt: Goldtaler. Denn so stelle sich es ein kluger Mensch im Verstande nur vor: Freiheit aller Vereine! Freiheit durch die Macht der Masse.

Unabhängig von der Lehrenden Einfluss zu sein und nun endlich die gegebenen Aufgaben in vollendeter Ruhe und Autonomie zu erfüllen.

Milos und seine Frauen und Mannen sind zwar immer noch gefangen im Meer der Möglichkeiten.  Lauernde Gefahren hinter dem Horizont sind zu erwarten. Meerengen bewacht von Skylla und Charybdis – Ungeheuern aus den tiefsten Tiefen der Unterwelt. Aber hoffen können sie, hoffen auf des Morgens erste Sonnenstrahlen, wärmend und erfreuend. Auf einen Morgen, an dem jeder Verein nun endlich gefunden hat sein letzt und endlich Heim.

von Frederik Kinnen

Montage: Lisa Klauke-Kerstan
Fotos: Simon Voigt
Papierschiff: Biswarup ganguly