Im Januar las die bekannte deutsche Fernsehmoderatorin Sarah Kuttner im Hörsaal der Wirtschaftswissenschaften aus ihrem 2011 erschienenen Roman „Wachstumsschmerz“. Mit moritz. sprach sie über das Erwachsenwerden und seine Nebeneffekte.

In ihrem zweiten Buch geht es um Luise und Flo, ein Pärchen Ende Zwanzig, das beschließt, zusammenzuziehen und sich den entscheidenden Fragen des Lebens zu stellen. Doch so einfach, wie gedacht, ist es nicht. Missverständnisse und Gefühls-chaos sind  vorprogrammiert.

Was hat Dich zu „Wachstumsschmerz“ inspiriert?
Das war zu einem Zeitpunkt, an dem ich merkte, dass mehrere Leute um die Dreißig in meinem Umfeld angefangen haben, sich komplett neu zu orientieren. Zehn Jahre nach dem Abi haben sie nochmal angefangen, umzusortieren und einiges anders machen zu wollen. Und ich merkte, das ist ein interessantes Thema für mich. Plötzlich hieß es nicht mehr in winzigen Studenten-Wohnungen zu wohnen, sondern sich vielleicht sogar für eine Familie zu entscheiden, für ein final erwachsenes Leben. Ich fand es spannend, wie man als halbwegs erwachsener Mensch dann doch wieder lauter grundlegende Entscheidungen treffen muss. Wie man die trifft und wie schwer es ist, sie zu treffen.

Wie war es für Dich, das erste Mal eine ernsthafte Partnerschaft einzugehen und zusammenzuziehen?
Es ist bei mir wahrscheinlich so, wie es bei den meisten Leuten auch ist. Man ist sich vielleicht nicht ganz so sicher und muss Kompromisse schließen. Es ist alles ganz toll und aufregend, hat aber auch durchaus Potential für Stress. Ich fand es immer schön mit Menschen, und dann später auch Männern zusammenzuleben. Das Gefühl, eine Familie, eine winzig kleine Zweimannfamilie zu sein, das gefällt mir.

„Erwachsenwerden ist nichts, was man sich wirklich aussuchen kann.“

Hattest Du jemals Angst, erwachsen zu werden?
Das ist nichts, was man sich wirklich aussuchen kann. Ich glaube, dass man ganz am Anfang des Erwachsenwerdens sogar richtig Lust darauf hat. Jugendliche finden es immer super, irgendwann erwachsen zu sein, ihr eigenes Geld zu verdienen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Das findet man immer erstmal unfassbar toll.  Ich glaube nicht, dass Leute davor wirklich Angst haben. Insofern hatte ich auch keine Angst. Ich fand es toll, meine erste eigene Wohnung und einen Job zu haben, Geld zu verdienen. Das hat mir immer gut gefallen. Natürlich kommt da immer eine Menge Verantwortung hinzu. Aber so wahnsinnig viel Verantwortung, solange man noch keine Kinder hat,  hat man dann doch nicht. Das ist vielleicht ein Schritt, vor dem man Angst haben könnte. Aber ich hatte nie Angst.

Warum lastet auf uns ein gesellschaftlicher Druck, mit 30 erwachsen zu werden?
Wir leben in einer Welt, in der die Chancen, das zu werden, was wir möchten, relativ hoch sind, was ein unfassbarer Vorteil ist. Das bringt viel Eigenverantwortung mit sich. Man muss sich entscheiden zwischen all diesen Möglichkeiten, die einem offen stehen. Eine Entscheidung zu treffen, fällt vielen bei der großen Auswahl einfach unglaublich schwer. Denn sich für etwas zu entscheiden bedeutet gleichzeitig, sich gegen etwas anderes zu entscheiden. Später erscheinen einem diese Entschlüsse vielleicht als unwiderruflich. Davor haben manche Leute einfach Angst. Man kann eben nie wissen, ob die Dinge, für die man sich entschieden hat, in fünf Jahren noch Glück bedeuten. Das macht es so schwierig.

War die Umgangssprache, die Du in Deinem Buch verwendest, beabsichtigt?
Nein. Ich habe nicht absichtlich einen bestimmten Ton gewählt. So wie ich spreche, schreibe ich auch.

Willst Du noch weitere Bücher veröffentlichen?
Bestimmt irgendwann. Im Moment habe ich nichts Konkretes in Planung. Ich habe Anfang des Jahres ein bisschen angefangen, an einem zu schreiben, dann ist aber was dazwischen gekommen und ich hatte keine Zeit. Es kann gut sein, dass ich in Zukunft noch ein Buch veröffentliche, aber ich sehe es jetzt nicht als meinen Hauptjob an. Wenn mir etwas in den Kopf geschossen kommt, dann gerne, und wenn nicht, ist das auch vollkommen in Ordnung.

Hättest Du Dir Greifswald als Studienort vorstellen können?
Ich konnte mir noch nie vorstellen, zu studieren. Und wenn, dann wäre ich lieber in Berlin dafür geblieben. Einfach, weil ich ein großer Fan von Zuhause bin und es schon so wahnsinnig anstrengend fand, für VIVA vier Jahre in Köln zu leben. Das habe ich auch nicht ganz gemacht, ich hatte immer noch eine Wohnung in Berlin. Ich mochte es noch nie zu reisen oder weg aus meiner Heimatstadt zu sein.

von Jenia Barnert

Foto: SKM Berlin