Rezension

Regisseur Philippe de Chauveron provoziert den Konflikt. Ein Stilmittel des Films ist beispielsweise das Zwiegespräch im Auto. Wer kennt es nicht? Man kommt von einer Familienfeier oder einem Geschäftstermin und führt ein zutiefst psychologisches und gleichzeitig verletzendes Gespräch darüber im Auto – hier, wo man an seine liebsten Menschen gefesselt ist und der sozialen Spannung nicht mehr standhält. Spannung ist ein durchgängiges Motiv in der Komödie. Aber keine aufregende Spannung, mit der Thriller locken. Es ist eine seelische Spannung, aus der selbst der Zuschauer ausbrechen möchte. Glücklicherweise ist das alle zehn Minuten durch tiefes, aufatmendes, herzliches Lachen möglich.

Aber zurück zum Anfang: Die Geschichte beginnt mit drei Hochzeiten. Diese sind, trotz der eingeblendeten märchenhaften Schrift, für den Familienvater Monsieur Claude alles andere als märchenhaft. Er ist katholisch, ein Gaullist, aber kein Rassist. Dennoch ist er nicht damit einverstanden, dass seine Töchter einen Chinesen, einen Juden und einen Moslem ehelichen. Das dies nicht gehen würde, sieht seine Frau ganz ähnlich. Immer wieder knallt es: Zwischen den Eltern und den Kindern, zwischen den Schwiegersöhnen, unter den Schwestern und sogar der heimische Pfarrer der französischen Provinz wird in das verbale Gemetzel mit einbezogen.

Dabei wird so ziemlich jede Religion und jede Hautfarbe scharfsinnig aufs Korn genommen. Besonders kritisch wird es, als die gesamte Sippe zu Weihnachten aufeinander trifft. Doch alle nehmen sich Frieden vor und das klappt erstaunlich gut. Bis die Jüngste verkündet, dass sie einen Schwarzen heiraten wird. Das geht zu weit. Da sind sich plötzlich alle einig. „Ein bisschen rassistisch sind wir doch alle“- das Fazit des Films mittendrin. Der Regisseur thematisiert gekonnt, subtil und mit einem verschmitzten Lächeln, dass jede vierte Ehe in Frankreich eine Mischehe ist. Das Land hält hierin den Weltrekord, verrät das „Making Off“ der DVD. Wer sich die Weihnachtskekse wieder weglachen möchte und offen für feinsinnigen Humor ist, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto: ©good!movies