Mel aus der Kabutze

Ob Beutel, Babydecke oder einfach nur die Kürzung eines Rockes, in der Nähwerkstatt Kabutze bekommt ihr dazu die Mittel und den Rat von erfahrenen Hobbynäherinnen. Eine von ihnen ist Mel. Sie studiert Kunstgeschichte und gehört zu den Urmüttern des Projektes, welches 2009 erstmals in Greifswald auf die Beine gestellt wurde. Mit moritz. plauderte sie diesmal aus dem Nähkästchen.

Wie seid ihr auf den witzigen Namen „Kabutze“ gekommen?
Er setzt sich zusammen aus „Kapuze“ für ein Kleidungsstück und „Butze“ für einen kleinen gemütlichen Raum, in dem die Kreativität sich entfalten kann.

Was ist eure Philosophie?
Wir wollen, dass die Leute herkommen, um eigene kleine Projekte umzusetzen oder ihre Kleidung zu reparieren. Man könnte uns als „Selbsthilfewerkstatt“ bezeichnen. Hier stehen wir unseren Besuchern beratend zur Seite und versuchen, das Handwerk des Nähens weiterzugeben. Der Nachhaltigkeitsgedanke spielt dabei natürlich auch mit rein.

Welche Aufgaben hast du in der Werkstatt?
Ich bin seit Anfang an dabei. Zu meinen Aufgaben gehören zum Beispiel die Pflege der Website und die Beantwortung von Mails, aber ich bin auch Ansprechpartnerin für Besucher und plane zusammen mit den anderen Mitgliedern neue Workshops und Nähkurse.

Wann hast du Nähen gelernt?
In meiner Kindheit habe ich mir von meinen Eltern eine Nähmaschine gewünscht. Als ich älter wurde, schenkten sie mir eine. Und dann habe ich es mir selber beigebracht. Ich hatte sogar überlegt, eine Schneiderausbildung zu machen, aber es kam anders. Mit der Idee einer offenen Nähwerkstatt bin ich zum ersten Mal in Berlin in Berührung gekommen. Dort habe ich mir sogenannte „Nähcafés“ angeguckt und fand das Projekt inspirierend.

Woher bekommt ihr eure Ideen?
Bei unseren Sitzungen kann jeder seine Ideen und Vorschläge einbringen. Wir versuchen, für unsere Workshops interessante Leute und Projekte nach Greifswald zu holen, und damit natürlich ein größeres Publikum zu erreichen.
Ein Großteil unserer Besucher sind Studenten. Einige Ideen kommen auch von den Leuten selbst. Zum Beispiel nähen wir gerade eine „Hitbag“ (Anmerkung der Redaktion: eine Bauchtasche mit vielen Fächern) als Last-Minute-Weihnachtsgeschenk.

Was nähen die Leute am liebsten?
Hauptsächlich kommen die Leute her, um etwas zu reparieren oder umzunähen. Aber es gibt auch Ahnungslose, die zwar Stoff und Schnittmuster haben, aber nicht das Know How. Das gibt es dann von uns.

Was bedeutet dir die Arbeit in der Kabutze?
Ich mache ehrenamtliche Arbeit, die mich erfüllt und mir Raum für mein Hobby und den Austausch mit Gleichgesinnten gibt. Es ist jedes Mal spannend, was Leute mitbringen und in welcher Form sie Hilfe benötigen. Ich kann mit diesem Projekt ein sozialpolitisches Zeichen setzen, denn wir versuchen hier, andere Lösungen zu finden, aus Altem wieder etwas Neues und Besonderes zu machen. Mir gefällt, dass hier jeder herkommen kann, auch wenn er nur ein kleines Budget zur Verfügung hat.

Mel, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Jenia Barnert.

Foto: Privat