Für Charlie.

Peng Peng Peng Peng. Dass es im Moment schlecht steht, was das Feiern, Kiffen und Saufen betrifft, wusste schon Marteria. In Frankreich wurde die Tage bei den Tätern wohl auch ein neues Rekordtief in punkto Satire erreicht. Ob diese Wahnsinnigen trotzdem gekifft und gesoffen haben, geht aus den vielen Brennpunkten und Sonderberichten nicht hervor. Dürften sie allerdings nicht, immerhin sollen es ja Islamisten, sprich Muslime, gewesen sein und die saufen ja nicht.

Wie viel allerdings ein Mensch, der mit einer Kalaschnikow zwölf Menschen hinrichtet, mit muslimischen Lebensgrundsätzen gemein haben kann, bleibt weiterhin offen. Es gibt also noch viele zu klärende Fragen. Fakt ist, dass es andere Ziele gegeben hätte.

Madame Le Pen arbeitete beispielsweise lediglich knappe 30 Autominuten weg. Auch in Dresden, wo Kressmann und Konsorten hausen, hätte man mit Vollautomatik und Raketenwerfer sicherlich gute Argumente in der Debatte um die fiesen Islamisten zu Felde führen können. Spontan kommt auch die BILD in den Sinn, welche noch während der Geiselnahme über Bushido, sein Nike-Paris-Shirt und wütende Fans zu titulieren wusste.

Was dann passiert wäre, steht in den Sternen. Es hätte Brennpunkte und Sonderberichte gegeben. Es müsste aber vermutlich kein Jochen Wegner um die Sicherheitsstufe der Glasfassade seiner Onlineredaktion besorgt sein und Journalisten weltweit wären nicht in der Lage gewesen, während einer spontanen Eingebung das Selbstverständnis eines ganzen Berufsstandes neu zu definieren. Die SPD im Bundestag wäre auch nicht in die missliche Lage gekommen, Charlie zu sein, obwohl man seit Jahren mit einem vergleichbaren Satire-Blatt aus Deutschland nur per Anwalt korrespondiert. Und Meike Büttner hätte nicht die Eier haben müssen zu sagen, dass sie Satire mag, aber trotzdem die Meike bleibt.

All das ist aber nicht passiert. Deswegen ist Herr Wegner auch besorgt, deswegen ist auch über Nacht ein neues Selbstverständnis für Pressefreiheit entstanden, deswegen kann Frau Büttner auch sagen, sie mag Satire, so lange alle gesund bleiben, und deswegen sind wir gemeinsam mit der SPD Charlie. Und eben drum musste der wohl härteste Kritiker von Charlie Hebdo, Hilmar Klute, zu Kreuze kriechen und schreiben, wie fatal der Verlust dieses Wochensatiremagazins für alle ist. Fragt sich nur, was danach kommt. Immerhin sind wir nach dem 11. September 2001 auch schon lange keine Amerikaner mehr, so gerne Herr Struck das immer gehabt hätte.

Solidaritätsbekundungen sind wichtig und ein Teil unseres gesellschaftlichen Bewusstseins, aber sie sind auch vergänglich und gehen mit der Zeit immer dahin, wo sie als Nächstes gebraucht werden. Und das nächste Schiff wird in Italien landen, das ist sicher. So werden wir auch nicht lange Charlie bleiben. Wir waren auch nie James Foley, der US-Journalist, der sich von IS-Kämpfern köpfen lassen musste. Niemand hat im August einen Anschlag auf freie Meinung und Presse diagnostiziert.

Was bleiben wird, ist, neben einer weiteren überflüssigen Islamismus-Debatte und einem mittellangen Beitrag während des Jahresrückblickes 2015, die Satire.
Wir verhandeln nämlich nicht mit Terroristen.

Bild_KolumneWarum eigene Worte finden, wenn es doch schon jemand wie Jean Baptiste Molière gesagt hat: „Der Grammatik müssen sich selbst Könige beugen, aber kein Internetnutzer mehr.“

von Philipp