Rezension

Als großer Verfechter der Werke von Nick Hornby stand es für mich außer Frage, dass ich mir sein neuestes Buch sofort zu Gemüte führen musste! Miss Blackpool, im Original „Funny Girl“, lautet der Titel. Meine Erwartungen waren hoch und wurden bitter enttäuscht. Natürlich ist Hornby kein literarischer Zauberkünstler, der poetische Höchstleistungen vollbringt, aber darum geht es in seinen Büchern auch nicht. Er schafft es immer, mit viel klugem Witz ehrliche Geschichten aus dem Leben zu erzählen, und ist dabei meist schonungslos zum Leser aber auch zu seinen Figuren. Die Charaktere in Hornbys Büchern haben Ecken und Kanten, sind Egoisten, Verlierer oder Gefallene, die trotz allem einen gewissen Witz innehaben und nie den Mut verlieren. Genau all das fehlt jedoch in seinem neuen Werk. Es ist eine Geschichte über nette Menschen, die nettes Fernsehen machen, in einer netten Welt.

Wie immer findet sich auch diese Handlung in Großbritannien wieder. Dabei steht die 21 Jahre alte Barbara im Mittelpunkt, die in den 60er Jahren zur Schönheitskönigin ihrer kleinen Stadt gewählt wird, aber viel lieber in London Karriere machen möchte. Sie hat sich kein geringeres Ziel gesetzt, als ein Comedystar zu werden. Tatsächlich gelingt es ihr, eine Rolle in einer Fernsehserie der BBC zu ergattern, die zu einem riesigen Erfolg wird!

Sicherlich hätte man aus der Idee viel machen können, auch die Ansätze sind gut, das England der 60er Jahre wunderbar revolutionär und wild – trotzdem bleiben die Charaktere flach und der Story fehlt das gewisse Etwas. Anstatt den Fokus auf Barbara zu legen, wird den Nebenfiguren beinahe genauso viel Wichtigkeit beigemessen, sodass am Ende alle Charaktere nur oberflächlich beleuchtet werden und der Hauptfigur die Tiefe fehlt. Für Leute, die seichte Unterhaltung gernhaben, denen würde ich das Hörbuch trotz allem empfehlen. Allen Liebhabern von Hornbys früheren Werken lieber nicht!

von Stella Scholl

Foto: © Der Hörverlag