Selbst bei einem Auslandssemester bekommt man meistens nur wenig von der studentischen Selbstverwaltung an der Gast-Hochschule mit. Deshalb bieten die nächsten Seiten Einblicke darüber, wie man sich im Ausland für die Studierendenschaft einsetzt.

Studenten als Regenten

An der Erasmus-Universität Rotterdam (EUR) gibt es die größte von Studierenden geleitete Studentenorganisation in Europa. Sie heißt Study Association of Rotterdam (STAR). STAR hilft Studierenden der School of Management, einer der Fakultäten der Universität, weiterzukommen und Kontakte zu Firmen herzustellen. Die Größe dieser Studentenorganisation lässt auf ein hohes Maß an Einfluss seitens der Studierenden an der Universität Rotterdam schließen. Doch welchen Einfluss haben die Studierenden wirklich?

Da gäbe es zum einen die Student Representation, die zwischen den Studierenden und den Mitarbeitern der School of Management vermitteln soll. Die von den Studierenden gewählten Repräsentanten führen Evaluationen in den Kursen durch, deren Ergebnisse dann von den Repräsentanten als Feedback der Studierenden den jeweiligen Dozenten nähergebracht werden. Eine weitere Aufgabe ist die Vertretung der Studierenden in den verschiedenen Gremien der Universität. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass es die Student Representatives nur in der School of Management gibt.
Die Vertretung der einzelnen Studienfächer übernehmen gewählte Studierende und Dozenten eines Fachbereiches, die sich in einer Bildungskommission (nied. Opleidingscommissie) organisieren. Sie beraten auch den Dekan in den Belangen ihres Faches. Zusätzlich gibt es einen Fakultätsrat (nied. Faculteitsraad) und einen Universitätsrat (nied. Universiteitsraad).

Der Faculteitsraad besteht zur einen Hälfte aus Studierenden und zur anderen Hälfte aus Mitarbeitern der Fakultät. Er berät beispielsweise über die Arbeitsbedingungen an der Fakultät. Im Universiteitsraad, der von einem Vorsitzenden geleitet wird, sitzen zwölf Studierende und zwölf Mitarbeiter der Universität. Sie repräsentieren die einzelnen Fakultäten und die Zentrale Verwaltung. Der Rat bildet mehrere Komitees, die an der Ausführung der jeweiligen Beschlüsse des Rates arbeiten. Angesichts der Verteilung der Sitze in den Räten lässt sich auf jeden Fall ein großer Einfluss seitens der Studierenden feststellen. Wenn jeweils die Hälfte der Sitze in den wichtigsten Organen der Universitätsleitung von Studierenden besetzt ist, dann ist das schon beachtlich. In den Niederlanden gibt es auch die älteste politische Partei, die komplett aus Studierenden besteht. Die Studenten Techniek In Politiek (STIP) wurde von Studenten für Studenten gegründet und ihre Vertreter sitzen unter anderem im Stadtrat der Universitätsstadt Delft.

von Vincent Roth

Gremien-Supertrumpf

„Die Studierendenschaft hat in Bergen einen größeren Einfluss als in Deutschland“, erzählt Johannes, der an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald studiert und ein Semester an der Norges Handelshøyskole (NHH) verbracht hat. Die Verwaltung und Regierung der NHH in Bergen ähnelt in vielen Punkten denen deutscher Universitäten.
Wie an unserer Uni gibt es ein Studierendenparlament als höchstes politisches Organ der Studierendenschaft. Diese besteht aus 25 Studierenden, von denen 19 jedes Jahr neu gewählt werden. Dazu kommt je ein Vertreter der sechs Fakultäten. Die Entscheidungen des Studierendenparlaments (Studentparlamentet, kurz SP-UIB) sollen die Interessen der Studierenden repräsentieren. Dazu hat jeder, der an der NHH eingeschrieben ist, das Recht, vor dem ST-UIB vorzusprechen und Anträge einzureichen.

Außerdem werden die studentischen Vertreter in den übrigen universitären Regierungsorganen vom SP-UIB gewählt. Neben dem ST-UIB gibt es noch die Norges Handelshøyskoles Studentforening (NHHS), die Studentenvereinigung der Universität. Diese ähnelt in seinen Aufgaben sehr dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) an deutschen Universitäten. Wie der AStA soll sich die NHHS um die Interessen der Studierenden kümmern. Die NHHS gilt als aktivste Studentenvereinigung in Norwegen. Des Weiteren ist die Universität in Bergen sehr international, da die 25 000 Studierenden aus über einhundert Ländern stammen. Bereits im Jahr 1970 hat sich daher die International Students Union (ISU) in Bergen gegründet. Heute besitzt in der Regel jede Universität in Norwegen eine solche Organisation, die speziell für die Belange ausländischer Studenten zuständig ist. Das ausführende Organ der Studierendenschaft hingegen ist das vom ST-UIB gewählte Exekutive Komitee (Arbeidsutvalget, AU).  Zu den nicht ausschließlich studentischen Gremien gehört das Styret (Die Verwaltung) als höchstes Verwaltungsorgan. In diesem sitzen auch zwei studentische Vertreter. Dazu kommen vier externe Mitglieder: Ein von den Dozenten und Mitarbeitern Gewählter, drei Vertreter der Fakultäten und der Rektor. Dem Styret unterstehen mehrere Komitees mit unterschiedlichen Aufgaben. In jedem Gremium ist eine studentische Mitarbeit generell möglich und gerne gesehen.

Aber auch im nicht politischen Rahmen kann man sich als Studierender weitreichend engagieren. „Es gibt auch außerhalb der Hochschulpolitik sehr viele studentische Organisationen“, führt Johannes an. Besonders zu erwähnen ist hierbei das Akademische Viertel. Bei diesem handelt es sich um eine von Studenten geführte Ansammlung an Bars, Cafés und Konzerthäusern, in denen regelmäßig national bekannte Künstler auftreten.

von Juliane Stöver

Von Nationen und Studentencorps

In Schweden vereinigen sich die Studierenden wie in Deutschland an jeder Universität in sogenannten studentkårer oder auch studentcorps. Der älteste studentkår befindet sich in Uppsala, an der ältesten Universität Schwedens und sogar Skandinaviens.

Während man früher obligatorisch Mitglied wurde, ist es seit dem 01. Juli 2010 freiwillig. Ähnlich wie der AStA organisieren die studentkårer eine Erstiwoche und engagieren sich in der Hochschulpolitik. Außerdem gibt es in vielen Städten die Möglichkeit, dass man Bücher als studentkår-Mitglied günstiger im Buchhandel bekommt. Diese Zusammenarbeit zwischen Buchhändlern und Studierendenschaften ist übrigens für skandinavische Länder nicht unüblich.

Das höchste Organ vieler studentkårer sind fullmäktige, Versammlungen, die Ähnlichkeiten mit einem Studierendenparlament haben. An vielen Universitäten gibt es neben der direkt gewählten, beschließenden fullmäktige noch die indirekt gewählte, ausführende kårstyrelse – ähnlich wie in Greifswald mit seinem StuPa und dem AStA. Einmal im Jahr werden die fullmäktige gewählt, die Zusammensetzung ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. In Göteborg beispielsweise hat jede Fakultät eine unterschiedliche Anzahl an Mandaten, die besetzt werden können.

Die studentkårer in Schweden setzen sich, ähnlich wie der AStA in Deutschland, für die Verbesserung der Lehrbedingungen und für studiensoziale Fragen wie etwa studentisches Wohnen ein. Besonders ist, dass es einen nationalen Verband gibt, den sveriges förenade studentkårer (SFS, Schwedens vereinigte Studierendenschaften). Dessen aktuelle Kampagne heißt #heltsjukt, was so viel wie völlig krank bedeutet. Der SFS schreibt auf der Homepage: “Zurzeit arbeitet der SFS unter anderem mit der Kampagne #heltsjukt an dem Ziel, die Regeln der Krankenversicherungen zu ändern, sodass es den Studenten nicht schlechter geht.“ Dazu zählt zum Beispiel, dass die Versicherung an den schwedischen, staatlichen Studienzuschuss gekoppelt ist – nutzt man diesen nicht, ist man nicht krankenversichert.

Neben den studentkårer gibt es noch die nationer, die jedoch nicht hochschulpolitisch aktiv sind, sondern eher das soziale Leben an den Universitäten mitgestalten. In ihnen fanden sich früher Studenten aus denselben Gebieten zusammen, die ihre Traditionen und Sprache pflegten. Nun können sich die Studenten das aussuchen.

von Katrin Haubold

HoPo auf Japanisch

StuPa, Fachschaftsrat oder AStA in Japan? Man kann sich kaum vorstellen, dass es dort eine ähnliche politische Hochschulstruktur gibt wie im bürokratischen Deutschland, oder? Ganz so ausgeprägt scheint es tatsächlich nicht zu sein. Zumindest an der KYOTO SANGYO Universität.

An dieser gibt es studentische Komitees, die beispielsweise Festivals, Konzerte und andere Events der Universität organisieren. Außerdem legen diese Komitees viel Wert auf die Meinung der Studierenden, denn bevor sie ihr Anliegen bei der Universität vortragen, werden Studentenbefragungen dazu durchgeführt. Inwieweit sie jedoch tatsächlich einen Einfluss auf das Universitätsgeschehen und Universitätsmanagement nehmen können, ist nicht klar.

Darüber hinaus gibt es sogenannte „Clubs“, die sich um die Budgetierung und die Finanzen von studentischen Gruppierungen und Vereinen kümmern.
Das Gakuseigikai (jap. StuPa) hilft beispielsweise den studentischen Clubs bei ihren Planungen und Budgetierungen. Was jedoch nicht so ausgeprägt ist wie bei uns, sind klare Zuständigkeiten und eine eindeutige Trennung in Exekutive und Legislative.

von Wiebke Evers

Alle Macht den Räten

Die Anfänge der studentischen Selbstverwaltung in Dänemark liegen im beginnenden 20. Jahrhundert. 1912 wurde der erste Studenterråd (SR) als politische Vertretung der Studierenden an der Universität Kopenhagen gegründet. Diese Aufgabe nimmt er immer noch war. In Aarhus geschah das 1932, vier Jahre nach der Gründung der dortigen Universität. Aarhus ist auch als die Stadt des Lächelns bekannt und das trifft besonders auf die Studierenden zu. Die haben nämlich eine Menge Einfluss auf die Abläufe ihrer Universität und ihre Wünsche werden meistens wahrgenommen. Ein Teil des Einflusses beruht darauf, dass der SR in den meisten universitären Gremien, auch den höchsten, vertreten ist. Er entsendet nämlich zwei Vertreter in die bestyrelse (dän. Verwaltung), das höchste Organ der Universität Aarhus.
Hier wird die Richtung festgelegt, in die sich die Universität in verschiedenen Bereichen, wie beispielsweise Bildung, Wirtschaftlichkeit und Organisation entwickeln soll. Weitere Studierende sitzen auch in den Akademisk Råd, die die Belange einer Fakultät beispielsweise beim Rektorat vertreten können. Die einzelnen Fachschaften einer Fakultät werden durch die Fagråd vertreten, deren Mitglieder aus der Studierendenschaft des jeweiligen Fachbereichs gewählt werden.

Zusätzlich zu den Fagråd gibt es in den Fachbereichen die Studienævn (dän. Studienausschuss), in denen Dozierende und Studierende gemeinsam über den Inhalt der Vorlesungen, Seminare und Prüfungen beraten.
Es gibt auch eine Dachorganisation aller Studierenden in Dänemark, den Danske Studerendes Fællesråd. Dieser soll die Interessen der Studierenden in der hohen Politik vertreten. Neben dem hochschulpolitischen Engagement, bietet der Studenterråd in Aarhus den Studierenden auch einige nützliche Dienste an. Er bringt beispielsweise einen Studienkalender heraus, oder veranstaltet eine Studienmesse, die man gut mit dem Markt der Möglichkeiten in Greifswald vergleichen kann.

Praktisch ist auch das Studentenhandbuch, in dem man eine Menge guter Tipps zur besseren Orientierung am Campus und für die eigene Freizeitgestaltung findet. Der SR lässt sich deshalb gut mit dem deutschen AStA vergleichen. Aarhus hat auch seine eigene Studentenzeitung, den Delfin. Wie der moritz. in Greifswald informiert der Delfin die Studierenden in Aarhus neben anderen Themen über die neuesten Begebenheiten in der Hochschulpolitik und nimmt somit Anteil an diesen.

von Vincent Roth

 

The voice of education

Welt 2School Student Council
Jede einzelne Schule und jedes einzelne College hat ihre eigene Vertretung, die die Interessen der Studenten gegenüber der Fakultät und der Administration vertritt.

Student Senators Council
Das SSC stellt eine grundlegende Basis der Hochschulpolitik dar. Es steht im Kontakt zur universitären Administration und unterbreitet seine Vorschläge. Das SSC kümmert sich im Speziellen um die Interessen, Rechte und Verantwortlichkeiten der Studierenden und vertritt diese auch vor dem Universitätssenat. Das SSC besteht aus 15 studentischen Senatoren, die von den jeweiligen Schulen und Colleges der New York Universität ausgewählt werden, und sieben Senatoren, die durch den Vorstand des Universitätssenats, das sogenannte Executive Committee of the University Senate, benannt werden – unter Beratung und  mit der Zustimmung der gewählten studentischen Senatoren. Diese sieben sollen in der Vertretung Kontinuität erzeugen und gerade minderrepräsentierten Interessen Bedeutung verleihen. Aus dem SSC geht das UCSL hervor.

University Committee on Student Life
Das University Commitee on Student Life geht aus dem SSC hervor. Es ist das stabilste Organ. Es ist mit Aufgaben betraut, die die gesamte Universität betreffen, beispielsweise mit der Qualität studentischen Lebens. Da es eben genau die Basis der Vertretung darstellt, kann man das UCSL als Legislative der Hochschulpolitik bezeichnen. Zudem setzt es sich zu seinen hochschulpolitischen Aufgaben auch mit der Organisation von Events in Zusammenarbeit mit den Student Councils auseinander.
Das UCSL besteht aus dem vollständigen SSC, den Präsidenten der verschiedenen Student Councils, einem Student Activities Board (SAB), einem Inter-Residence Hall Council (IRHC), einem Inter-Greek Council (IGC), und einem Repräsentanten vom Faculty Senators Council, Deans Council und der Division of Student Affairs.

University Senate
Im Universitäts-Senat treffen nun das SSC, das Dean Council, das Faculty Senators Council, Repräsentanten des Administration Management Council und der administrativen Ebene der Universität zusammen. Der Senatspräsident ist die Führungsperson des Universitäts-Senats, der das Forum für Diskussionen und Anliegen ist, die die Universitätspolitik und auch den Universitätsalltag betreffen.
An der New Yorker Universität lassen sich also ähnliche Strukturen wie an deutschen Universitäten erkennen. Die vom Big Apple scheinen jedoch komplexer und weitreichender zu sein.

Ist die New Yorker Universität nun ein Ebenbild der gesamten Hochschulpolitik in den USA? Ein dafürsprechendes Indiz ist die „National Association of Student Councils“, kurz auch NASC genannt. Sie ist ein Zusammenschluss aus studentischen Vertretungen, vor allem aus Student Councils. Inzwischen hat de NASC 9.000 Mitglieder.

von Wiebke Evers

Montage: Lisa Klauke-Kerstan