Rezension

Lucy ist plötzlich anders als alle anderen Menschen. Die Studentin macht Urlaub in Taiwan und gerät in die Fänge einer Drogenbande. Sie wird gezwungen die neue synthetische Droge CPA4 nach Europa zu schmuggeln, die als unerforscht und extrem hoch dosiert gilt. Das 500 Gramm schwere Päckchen ist in ihre Eingeweide eingenäht worden und platzt durch einen Unfall. Der Stoff strömt in riesigen Mengen durch ihren Körper und ruft Unglaubliches hervor: Lucys Gehirnkapazität beginnt sich exponentiell zu steigern und ihr Gehirn erlangt Funktionen, die über alles Bisherige hinausgehen. Die These ist Folgende: Ein Mensch nutzt nur zehn Prozent seiner Neuronen im Gehirn. Und Lucy ist auf dem Weg zu 100 Prozent.

Der Film „Lucy“ ist auf seine eigene Weise extrem – es gibt viele Schießereien mit hunderten Toten doch der Gedanke der evolutionären Erforschung des Gehirns soll den Hauptpart des Films ausmachen.
Das wirklich Spannende an dem Film ist jedoch, wie man Lucy als Zuschauer auf ihrer Reise begleitet. Man geht gedanklich mit ihr von Taiwan in das Hotel der Drogenbande, von dort ins Gefängnis und dann ins Flugzeug nach Paris. Weil der Film während vieler Szenen nahezu in Echtzeit abläuft und alles Gezeigte sich an nur einem Tag abspielt, fühlt man sich hautnah in den Film integriert. Es ist erschreckend, wie viel Macht Lucy in kurzer Zeit gewinnt und wie schnell alles Menschliche an ihr verblasst.

Trotz vieler positiver Filmelemente gibt es auch einige Kritikpunkte, beispielsweise die kurze Spielfilmdauer. Allein als Zuschauer fallen einem so viele zusätzliche Szenarien ein, wenn man über 85 Minuten hinausgegangen wäre. Außerdem ist der Film aus wissenschaftlicher Perspektive wenig fundiert.

Trotzdem ist „Lucy“ sehr sehenswert, weil er auffordert, die Gedanken schweifen zu lassen und den Film so auf sich wirken zu lassen, wie er gestaltet wurde.
Abschließend muss man einräumen, dass der Film wohl Geschmackssache ist. Entweder man ist begeistert oder man schüttelt schlichtweg den Kopf und denkt sich, dass alles total unrealistisch ist. Meiner Meinung nach ist der Film jedoch sehr gelungen und absolut empfehlenswert!

von Sophie Gros

Foto: © Universal