Rezension

Deichkind hat Geburtstag und alle sind gekommen, um für sie zu singen. Zumindest auf der Deluxe-Edition des neuen Albums „Niveau weshalb warum“. Sesamstraße ist die Platte allerdings nicht. Sollte man nach drei Jahren ohne Lebenszeichen auch erwarten dürfen. Außerdem ist man mit 18 sowieso schon zu alt für Samson, Ernie und Bert.

Sein sechstes Album beginnt das Hamburger Quartett gleich mal mit einer Ode an sich selbst. Schnell ist klar, was folgt. Tiefe Bässe und selbstironische Texte sollen die Zuhörer in den Bann ziehen. Ganz so einfach wie auf dem letzten Album gelingt es Deichkind diesmal nicht. Partyhymnen wie „Leider geil“, oder „Bück dich hoch“ sucht man vergeblich auf dem Album.

Mit Blödsinn geizen die vier aber dennoch nicht. So philosophieren sie über das schwache Universum, weil zum Beispiel ein Joghurt-Becher durch einen Löffel umfällt. Sie begeben sich mit den Hörern auf die Suche nach dem Superschnäppchen auf einem Flohmarkt. Nachdem über sinnige und unsinnige Partnerschaften nachgedacht wurde, dichten sie sich die fertige Welt zusammen.  In Gelsenkirchen kann man dann an den Strand gehen und auf Grönland Kokosnüsse sammeln. Sylt ist endlich weg und Deichkind macht ihre letzte Show.

Fast bekommt man den Eindruck, als hätte Deichkind keinen Bock mehr auf weitere Musik. In „Hauptsache nichts mit Menschen“ verstärkt sich dieser Eindruck nur noch. Im nächsten Moment bekommt man aber wieder einen ganz anderen Eindruck. Auf einem der beiden Bonustracks der Deluxe-Edition feiern sie sich dann zusammen mit vielen großen Musikkünstlern Deutschlands doch noch einmal. Jan Delay, Marsimoto oder Kraftklub sorgen für einen runden Abschluss des Albums.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass Deichkind erwachsen geworden ist. Die Zeit der typischen Remmidemmi-Musik scheint vorbei zu sein. Für ein mögliches siebtes Album sollte sich das Quartett lieber wieder auf seine Wurzeln zurückbesinnen, um mit eigentlich stumpfen Parolen wieder für Maßstäbe in Sachen Partymusik zu sorgen.

von Tobias Bessert

Foto: ©Sultan Günther Music