Rezension

„Der Autor“ von Cris Wahsner (GUStAV) liest sich wie eine endlose Kneipentour, bei der man bereits zu Beginn weiß, dass sich die darauffolgenden Tage lediglich in diffusem Licht präsentieren werden. Verschwommen, verwirrend, schmutzig, beinah – aber nur beinah „bukowskiesk“.

Lux, der Protagonist, ein Schriftsteller, der nach einem großen Erfolg  mit eher magerer Erfolgsquote glänzt, versucht erst gar nicht seinem Leben einen Sinn oder irgendetwas in der Art zu verpassen. „Sex, drugs and empty pages“ sind die Konstanten seines Daseins. Ein Umzug soll helfen, Altes abzustreifen und „die Uhren zurückzudrehen“, was sich jedoch – surprise, surprise – als Illusion erweist. Neue Stadt, neue Bars, neue Frauen. Alles geht weiter wie gewohnt und die Inspiration wartet nicht unbedingt auf dem Boden der nächsten Flasche Whiskey. Schließlich erweist sich die Nacht mit einer Prostituierten dann aber nicht nur als One-Hit-Wonder, sondern sorgt für den Wendepunkt in ihrer beider Existenzen und letztlich wird irgendwie alles – na, sagen wir– ganz zuckrig.

„Mein Leben war noch immer ein Chaos; aber es war ein Chaos, an das ich mich gewöhnen könnte. Zeit, erwachsen zu werden.“

Ein wenig mehr Puderzucker und Chilipulver hätte den Charakteren und Dialogen beziehungsweise Monologen ganz gut getan. Denn diese sind teils etwas flach und bedienen sich bis auf ein paar amüsante pragmatische Ansichten lediglich ausgelatschten Klischees. Tiefgründige lebenserörternde, philosophische Gedankenexperimente lassen leider auch auf sich warten. Allerdings beweist Cris Wahsner an einigen Stellen hervorragenden Sinn für zynisch-satirischen Humor, der seine Wirkung bei den Lesern sicher nicht verfehlen dürfte. Innerhalb der wenigen Seiten wechseln die Erzählperspektiven, wovon es einem zunächst etwas schwindelig wird und was am Ende sogar für Verwirrung sorgt. Der Handlung wird dadurch aber eine gewisse Würze verpasst. Die Ereignisse jagen sich im Galopp. Figuren kommen und gehen. Ein Sturm chaotisiert die Handlung und am Ende dürfen alle für einen kurzen Augenblick Realität atmen.

von Claudia Sicher

Foto: ©Chris Wahsner