Pipettieren, Lochen, Digitalisieren, Sortieren, Recherchieren, Dokumentieren – das und noch viel mehr machen die Studentische Hilfskräfte an unserer Universität, kurz Hiwi genannt. Der Begriff stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und steht für Hilfswilliger.

Mit Pechtl Geburtstag feiern

mm116_16-18_HiWi_Dominik_Lisa Klauke-KerstanEs sieht aus wie an einem ganz normalen Arbeitsplatz. Es ist auch ein ganz normaler Arbeitsplatz, an dem Dominik zehn Stunden im Monat seine Zeit verbringt. Vor ihm liegt ein großer Stapel mit Fragebögen. Die muss er bei Excel eingeben. „Die Arbeit hier hat mir auf jeden Fall weitergeholfen, mich in den Office-Programmen zurechtzufinden“, stellt er fest und greift zum nächsten Fragebogen. In seinem BWL-Studium hat ihm der Job aber noch nicht geholfen, nur das Recherchieren für wissenschaftliche Arbeiten könne er jetzt besser. Im Lebenslauf macht es sich dennoch gut.

Für Dominik ist es kein komisches Gefühl, Vorlesungen zu besuchen, für die er selbst die Folien erstellt hat. „Professor Pechtl zeichnet die ja trotzdem selbstständig oder markiert Passagen in Büchern, die ich dann nur noch digitalisieren muss“, beschreibt er eine seiner typischen Aufgabe. Dominik ist, wie man schon erahnen kann, Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und insbesondere Marketing, den Professor Hans Pechtl innehat. Dieser ist für seine anspruchsvollen Klausuren bekannt. „Als Chef ist er aber total angenehm, auch wenn ich nicht täglich mit ihm zu tun habe. Bei ihm habe ich mich auch direkt gemeldet, als ich gehört hatte, dass man neben dem Studium als Hilfskraft arbeiten kann“, erinnert sich Dominik. Er solle sich in einem halben Jahr noch mal melden, war damals die Antwort.
Es hat offensichtlich geklappt. Auf die Frage nach wichtigen Anforderungen muss er schmunzeln: „Im Institut hat sich schon rumgesprochen, dass nur Hilfskräfte gesucht werden, die im Studium engagiert sind.“ Die Noten müssen natürlich auch stimmen. Außerdem achte man innerhalb des Wirtschaftsinstituts darauf, dass die Stellen der Hilfskräfte immer an eine Frau und einen Mann vergeben werden.  Die Gleichstellung hat sich hier bereits durchgesetzt. Hat man es erst einmal geschafft eine Stelle zu ergattern, wird man sogar zur Weihnachtsfeier des Instituts und zu Herrn Pechtls Geburtstag eingeladen. Nur mit Jogginghose soll Dominik nicht zur Arbeit kommen.

von Lisa Klauke Kerstan

Kein IT-Fachmann

mm116_16-18_HiWi_Florian_Lisa Klauke-KerstanWenn man sich das Büro eines Historikers vorstellt, denken die  meisten an ein kleines, verstaubtes Loch, in dem stapelweise Bücher herumliegen. Aber das Büro des Dekans der Philosophischen Fakultät, Professor Thomas Stamm-Kuhlmann, sieht ganz anders aus. Es gibt zwar Bücher, aber es ist eher modern. Florian ist Studentische Hilfskraft am Historischen Institut, Fachbereich  Geschichte der Neuesten Zeit. Er ist Professor Stamm-Kuhlmann als Hilfskraft zugeteilt und teilt sich mit ihm und weiteren Angestellten ein Büro. Für das Interview müssen wir in den Seminarraum nebenan, um die anderen Mitarbeiter nicht zu stören. Warum entscheidet man sich überhaupt für so einen Job?

Florian: „Zum einen um Einblick in die wissenschaftliche Arbeit zu bekommen und zum anderen, weil ich selbst ein bisschen mit dem Gedanken spiele zu promovieren und in der Wissenschaft zu bleiben. Dazu kommt das Interesse vor allem an der Neuesten Geschichte.“

Florian hat die Stelle, die er bereits seit Februar 2013 ausübt, über eine einfache Bewerbung nach seiner Zwischenprüfung bekommen. „Ausgeschrieben war nichts, wie man das sonst kennt.“ Er berichtet von seinen zahlreichen Aufgaben: Exkursionsorganisation, Korrekturlesen, Büchergänge und vieles mehr. Wichtig ist vor allem die technische Unterstützung. Dazu zählt nicht nur das Starten der Präsentation vor der Vorlesung, sondern beispielsweise auch das Aufrüsten aller Laptops des Lehrstuhls auf das aktuellste Betriebssystem. Florian ist der Ansprechpartner des Lehrstuhls für alle technischen Belange, auch wenn er sich das Meiste selbst beigebracht hat und sich manchmal noch einlesen muss. „Es kann ja nicht jeder IT-Fachmann sein.“

Mit seiner Arbeit und der Arbeitsatmosphäre am Lehrstuhl ist Florian sehr zufrieden. Er kann sich gut vorstellen, die Stelle weiter zu besetzen. Das Haushaltsdefizit sieht er nicht als Bedrohung: „Ich glaube nicht, dass die Dozenten das auch noch zusätzlich machen könnten. Man sieht ja oft noch spät nachts die Lichter brennen und viele arbeiten noch zu Hause weiter. Wenn dann noch die Studentischen Hilfskräfte wegfallen würden, dann wäre das Arbeitspensum kaum noch zu bewältigen.“

von Vincent Roth

 

Vom Hiwi zur Doktorandin

mm116_16-18_Universum_Hiwi_Anica_Markus TeschnerIn vielen Naturwissenschaften stellen Dozenten Studentische Hilfskräfte meist direkt ins Labor und lassen sie an der laufenden Forschung teilhaben, anstatt Kaffee zu kochen oder unsinnige Experimente für den Mülleimer durchzuführen. Damit wird geprüft, ob man etwas taugt und zur Arbeitsgruppe passt.

Bevor der Student also seine Bachelor- oder Masterarbeit bei einem Dozenten anfertigt, darf er oft für drei Monate praktisch im Labor arbeiten. Das hat für beide Seiten Vorteile: Der Dozent kann Studenten mit zwei linken Händen nach drei Monaten gehen lassen, während Studenten neue Methoden erlernen und sehen können, ob sie sich in der Gruppe wohlfühlen. Anica musste im zweiten Semester ein obligatorisches Praktikum am Institut für Mikrobiologie absolvieren und fragte am Ende nach, ob sie als Hiwi anfangen könnte. Die Eigeninitiative hat sich ausgezahlt, vier Jahre später ist sie nun Doktorandin in der gleichen Arbeitsgruppe.

„Am Anfang hatte ich richtig Angst teure Geräte kaputt zu machen. Aber man wird ja gründlich eingearbeitet und bekommt alles erklärt.“ Als Hiwi hat Anica für eine Doktorandin kleinere Experimente durchgeführt. Diese erklärte ihr den unmittelbaren Sinn eines Experimentes, während der Leiter der Arbeitsgruppe ihr die größeren biologischen Zusammenhänge darlegte. Schon bald darauf führte sie auch größere Experimente alleine durch. Dieses Plus an praktischer Erfahrung kam ihr bei ihrer Bachelor- und Masterarbeit zu Gute, wo man normalerweise das erste Mal eigene Experimente durchführt. „Die im Studium vorgesehenen Praktika sind meist recht strikt durchgeplant und aufs Gelingen ausgelegt. Es gibt keinen Freiraum, aus Fehlern zu lernen oder selber kreativ zu werden. Durch das selbstständige Arbeiten als Hiwi ist man näher an der Praxis und bekommt einen Einstieg in die Wissenschaft“, resümiert Anica, während wir im Sozialraum des Instituts sitzen.

Nun selbst eine Doktorandin, sucht sie eine Studentische Hilfskraft, die wiederum ihr bei ihrem Projekt helfen und ihr zuarbeiten kann. Bei aller Professionalität an der Arbeit hat sie nicht den Spaß daran verloren. Schon lange fragt sie sich mit einem Augenzwinkern, was eigentlich mit einem Muffin passiert, wenn man ihn zentrifugiert. „Irgendwann werde ich herausfinden, ob man damit Schokostückchen von Teig und Creme trennen kann.“

von Iwan Parfentev

 

Vorübergehend Bücher stapeln

mm116_17_Universum_Hiwi_Natja und Sara_Markus TeschnerEs ist staubig. Wir befinden uns in einem winzigen Raum im Dachgeschoss der Geologie. Wenigstens gibt es ein Fenster. Nastja ist gerade dabei mit ihrer Kollegin Sara alte Abschlussarbeiten des Instituts alphabetisch zu sortieren und in eine Excel-Tabelle einzupflegen. Das ist ihr Job. Dafür wurde sie eingestellt. Sara und sie sollen alle geologischen Abschlussarbeiten, welche die Bibliothek nicht haben möchte, archivieren. Das bisher älteste Exemplar ist von 1963.

Nastjas Aufgabe begann mit Chaos, ein Raum voller ungeordnetere Bachelor-, Master- und Diplomgedanken. Im Leben bringt einen diese Aufgabe nicht wirklich weiter. „Man weiß höchstens, welche Namenskombination man nicht wählen sollte“, scherzt Nastja. Für die Bachelor-Studentin im dritten Semester ist es der erste Job als Hiwi. Sara hingegen sieht das schon ein wenig pragmatischer: „Für das Studium ist die Arbeit schon gut, weil man so sieht, welche Themen bereits bearbeitet wurden und was man selbst spannend findet.“ Sie hat schon mehrere Stellen am Institut gehabt und steht jetzt kurz vor ihrem Master-Abschluss. Eine schriftliche Bewerbung war nicht nötig. Beide haben den Aushang gesehen und nur schnell Bescheid gesagt, dass sie den Job gerne haben möchten. Wer zuerst kommt, sortiert zuerst – so das Prinzip der Stellenvergabe. Doch egal wie simpel die Tätigkeit an sich ist, man merkt schnell, dass in der Geologie eine familiäre Atmosphäre herrscht. Daher ist es auch ganz normal, in der Nähe des Dozenten zu arbeiten. „Wir sind so ein kleines Institut. Da kennen sich alle beim Vornamen, allein schon durch die vielen Exkursionen“, beschreibt Nastja die Zusammenarbeit.

Insgesamt hatten sie sowohl im Januar als auch im Februar 60 Stunden Zeit für die Sortierarbeit, hoffentlich sind sie mittlerweile fertig. Denn die Zeit durften sie sich frei einteilen, was gerade in der Klausurenphase praktisch ist. „Wenn wir bis April brauchen, ist das eben so. Das Geld haben wir dann aber schon bekommen“, erklärt Sara. Dabei hatten die beiden Glück, denn ihre Stelle wird von Restgeldern aus dem Projekt interStudies bezahlt. In der Geologie wird eben kein Groschen verschwendet. Dennoch sind nicht alle Hiwi-Stellen derartig befristet. „Es gibt auch längerfristige Anstellungen, die sind dann meist für ein Semester ausgeschrieben“, weiß Sara aus Erfahrung.

von Lisa Klauke-Kerstan

 

Ein Hiwi-Job als Inspiration

mm116_16-18_HiWi_Anna_Lisa Klauke-Kerstan„Ganz schön unheimlich, euer Versuchsraum“, flüstert unsere Fotografin, als wir den vollständig mit weißem Schaumstoff bekleideten Raum im Labor des Instituts für Psychologie betreten. Das muss so sein, damit bei den Versuchen keine störenden Geräusche durchkommen, klärt uns Anne auf. Sie schreibt gerade an ihrer Diplomarbeit und ist seit etwa einem halben Jahr studentische Versuchsleiterin im Periphärphysiologischen Labor. Zurzeit arbeitet sie mit der Institutsambulanz zusammen und führt Patientenmessungen durch. Dabei werden den Probanden Sensoren auf den Handrücken und unter die Augen geklebt, um die Hautleitfähigkeit und die Muskelaktivität messen zu können. Die Begeisterung für diese Arbeit wurde bei Anne während der praktischen Stunden, die sie im Rahmen ihrer Forschungsorientierten Vertiefung  am Lehrstuhl für Physiologische Psychologie absolvierte, geweckt. Nach hundert Stunden bekam sie eine Anstellung als Versuchsleiterin und bildet jetzt ihre Nachfolger aus. Es ist bereits ihre zweite Tätigkeit am Institut. Vorher hatte sie schon als Hiwi im Direktorat gearbeitet.

Als nächstes sehen wir, wie Anne sorgsam eine weiße Substanz auf die Sensoren aufträgt, damit keine Luftbläschen zwischen Haut und Sensor entstehen und verfälschte Ergebnisse liefern. Der Proband muss ganz schön geduldig sein, bis alles an die richtigen Stellen geklebt ist. Nebenbei erzählt sie uns, dass den Versuchspersonen, wenn sie fertig verkabelt auf dem großen blauen Stuhl sitzen, verschiedene Bilder oder Grafiken auf der gegenüberliegenden Leinwand gezeigt werden.

Ihre Reaktionen werden dann im Nebenraum genau beobachtet und dokumentiert. Neben der Durchführung der Versuche gehören zu ihren weiteren Aufgaben die Suche nach gesunden Kontrollprobanden und die Datenaufbereitung, was in der Fachsprache der Psychologen „scoren“ genannt wird. Dabei werden die Versuchsdaten in ein Statistikprogramm eingespeist. Das macht Anne in  dem Raum, der an das Labor angrenzt. Ein eigenes Büro hat sie nicht.

„Die Arbeit mit Menschen finde ich spannend und am Ende des Tages kann ich sagen, ich war produktiv“, meint Anne zu mir. Das regte sie unter anderem auch dazu an, ihre Diplomarbeit in diesem Forschungsbereich zu schreiben. Und vielleicht ergibt sich daraus später auch eine Berufsperspektive.

von Jenia Barnert

 

Früh übt sich

mm116_16-18_HiWi_Vicky_Lisa Klauke-KerstanVicky würde ich später gerne mal als Patientin gegenübersitzen. Durch ihre Aufgaben als Studentische Hilfskraft an der Unimedizin lernt sie schon jetzt und ganz praktisch den Umgang mit Patienten. „Gerade bei meiner jetzigen Stelle erlebe ich ein ganz breites Patientenspektrum, das hilft mir für das spätere Berufsleben schon sehr weiter“, erklärt Vicky. Sie hat schon einige Jobs im medizinischen Bereich hinter sich. Angefangen hat alles mit Sitzwachen in der Johanna-Odebrecht-Stiftung. Dort hat sie die ganze Nacht neben suizidgefährdeten Patienten in der geschlossenen Psychiatrie verbracht. Danach unterstützte sie die Schwestern in der Inneren Kardiologie. Jetzt arbeitet sie im Video-EEG. Hier stehen Epilepsie-Patienten 24 Stunden unter Beobachtung, während ihre Hirnströme gemessen werden.

Die meiste Zeit ist es ruhig. Dann unterhält sich die Medizinstudentin mit den Patienten oder übernimmt auch mal pflegerische Aufgaben. Dabei trifft sie, neben den vielen jungen Patienten, auch immer wieder auf Menschen mit Behinderung oder auf Ältere. Gerade dieser vielfältige Umgang reizt die Studentin seit 2013 an diesem Nebenjob.

Ihre Schichten teilt sie sich immer mit einer Schwester, die das Kommando hat. „Manchmal bin ich schon aufgeregt, wenn ein Patient einen Anfall hat“, erzählt Vicky und nippt an ihrer Kaffeetasse. Dann muss es schnell gehen. In solchen Fällen geht es vor allem darum, den Patienten davor zu schützen, sich selbst zu verletzen und zu beobachten, wie lange der Patient während des Anfalls nicht ansprechbar ist. Im Anschluss muss alles dokumentiert werden. Das Zusammenschneiden der Videos übernehmen wiederum die Schwestern. Insgesamt arbeiten um die 15 Studenten im Video-EEG und werden je nach Bedarf in den einzelnen Schichten eingesetzt. „Vor allem in der Urlaubszeit werden wir oft gebraucht, aber auch mal wenn eine Schwester krank wird“, beschreibt Vicky ihre Arbeitszeiten. Dabei wird immer auch auf Prüfungen Rücksicht genommen. Voraussetzung für den verantwortungsvollen Job sind ein bestandenes Physikum und ein EEG-Kurs, der zwei Wochenenden lang die Grundkenntnisse der Hirnstrommessung thematisiert. Von der Stelle erfahren hat sie über eine Freundin – eine formale Bewerbung war nicht nötig. Momentan versucht Vicky ihre Schichten immer direkt nach Klausuren zu absolvieren, dann klappt Arbeiten auch neben dem Medizinstudium.

von Lisa Klauke-Kerstan

Fotos: Markus Teschner (Nastja und Sara, Anica), Lisa Klauke-Kerstan (Vicky, Anna, Florian, Dominik)