Rezension

Immer zweifeln sie, diese Poeten, sagt man. Das tut Martin Wegner nicht. Er ist sogar ganz überzeugt von seinen Stücken. Bis er auf seinen Mentor Benjamin Rubin trifft – einen steinalten Schriftsteller, der bereits mit 24 Jahren sein herausragendstes Stück geschrieben hat und danach immer mehr in Vergessenheit geriet. Die Begegnung ist von der Kulturstiftung organisiert und beide Parteien hätten sich damit zufrieden gegeben und so zu tun können, als ob sie an Martins Stück arbeiten, um danach das Honorar zu kassieren.

Doch es kommt anders. „Sie haben Talent, aber Sie sollten sich eine andere Arbeit suchen“, meint Rubin zu dem Jungdramatiker nachdem er das Skript gelesen hat. Für den Mentor ist es viel zu verwirrend, ohne klare Struktur und überhaupt versteht er den Sinn nicht. Martin ist perplex. Wie soll ein Künstler sein eigenes Werk erklären? Er beginnt an sich zu zweifeln, was so weit geht, dass er sich mit seiner  Frau Gina zerstreitet, seinen Laptop und das Manuskript in einem Tümpel versenkt und abreist. Gina bleibt und sieht sich mit dem Mentor konfrontiert, dessen Stück sie mehrmals gelesen hat und für den sie eine leise Bewunderung hegt. Beim Anblick der schönen Frau ist Rubin überzeugt, dass sie sich mit ihm getroffen hätte als er 24 war. Und dann ist da noch der betreuende Stiftungsangestellte Erwin Wangenroth, der eigentlich Stillleben malt und diesen mutlosen Job, wie er ihn selbst bezeichnet, nur fürs Geld macht. So dreht sich alles bis zum Ausbruch um das Drängen nach Ruhm und Anerkennung. Um das, was man in Wahrheit von sich hält, oder glaubt zu halten, und was die anderen von einem halten, oder zumindest vorgeben. Ein erfrischend kurzes Drama ohne Schnickschnack, wird in diesem Hörspiel, von dem gefeierten Autor Daniel Kehlmann, beeindruckend klar inszeniert. Dem Mentor Rubin leiht Franz Xaver Kroetz seine rauchige Herrenstimme, bei der man den alten, whiskeytrinkenden Schriftsteller förmlich vor sich sieht. Als Gegenstück dazu die aufgeweckte Stimme eines arroganten Newcomers. Das Hörbuch eignet sich bestens für eine Stunde Entspannung nach den Prüfungen.

von Jenia Barnert

Foto: ©MDR Figaro