Was haben Greifswalder Medizinstudenten vom Hartmannbund? Wenke Wichmann engagiert sich seit ihrem dritten Semester im Bund der deutschen Ärzte. Mit moritz. sprach sie über die Vergütung vom Praktischen Jahr und EKG-Kurse.

HartmannbundDSC_0515Wenke ist 24 Jahre alt und studiert im sechsten Studienjahr Humanmedizin in Greifswald. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses der Medizinstudierenden im Hartmannbund (HB) und eine von drei Univertreterinnen des Bundes an der Universität Greifswald. Sie setzen sich gemeinsam mit den anderen universitären Vertretern in ganz Deutschland für die Interessen und Wünsche der Medizinstudierenden ein – zum Beispiel gegenüber der Politik, Interessenorganisationen, Ärztekammern und gegenüber den Universitäten und Medizinischen Fakultäten.

Welche Rolle hat der Hartmannbund und welche Aufgaben hast du?
Der Hartmannbund ist ein Verband für Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende in ganz Deutschland, der über die aktuellen Geschehnisse in der Gesundheitspolitik informiert, die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik vertritt, individuell berät und seinen Mitgliedern ein umfangreiches Netzwerk bietet. Seit vielen Jahren engagiert sich der Hartmannbund auch für Medizinstudierende. Aktuell sind 25 000 Studierende Mitglied im Hartmannbund, für deren Interessen sich der Verband sehr umfangreich einsetzt. An dieser Stelle komme ich als Univertreterin ins Spiel. Wir sind zurzeit 56 Univertreter in ganz Deutschland und an fast allen Medizinischen Fakultäten vertreten. Wir sind sozusagen das Sprachrohr für die Medizinstudierenden an unserer Fakultät. Wir helfen, wenn es Probleme gibt, organisieren Seminare (zum Beispiel einen EKG-Kurs) und setzen uns für die Interessen und Wünsche unserer Kommilitonen ein. Dafür haben wir den Ausschuss der Medizinstudierenden, in dem alle HB-Univertreter vertreten sind. Wir treffen uns zwei Mal im Jahr, diskutieren aktuelle Probleme und Themen der Medizinstudierenden, organisieren Aktionen, Umfragen und vieles mehr. Im Hartmannbund kann jeder Medizinstudierende Mitglied werden. In Greifswald sind wir aktuell 499 studentische Mitglieder. Ich selbst bin seit dem dritten Semester dabei und seit dem vierten Semester Univertreterin.

Mit welchen Themen beschäftigen sich die Univertreter des Hartmannbundes aktuell?
Brandaktuell ist unsere Umfrage „Medizinstudium 2020 Plus“, an der mehr als 7 500 Medizinstudierende teilgenommen haben. In dieser haben wir Fragen zur aktuellen Situation des Medizinstudiums und dessen Zukunft gestellt. Mit den Ergebnissen wollen wir uns beim Bundesgesundheits- und Bundesbildungsministerium Gehör verschaffen, die derzeit an einem „Masterplan Medizinstudium 2020“ arbeiten. Im Februar sind wir mit den Ergebnissen an die Öffentlichkeit gegangen. Ein weiteres Thema, für das wir uns aktuell einsetzen, ist die Einführung einer bundesweit einheitlichen Aufwandsentschädigung für das Praktische Jahr (PJ) in Höhe von 597 Euro monatlich. Hierzu haben wir im vergangenen Jahr eine PJ-Liste erstellt, die aufzeigt, welche Uniklinik und welches PJ-Lehrkrankenhaus eine Aufwandsentschädigung zahlt und wenn ja, wie viel. Die damaligen Ergebnisse haben uns sehr enttäuscht, denn jedes sechste Lehrkrankenhaus zahlt nichts. Gut die Hälfte der Krankenhäuser zahlt zwischen 201 und 400 Euro. Und nur 56 Häuser zahlen den BAföG-Höchstsatz von 597 Euro monatlich.

„Die damaligen Ergebnisse haben uns sehr enttäuscht“

Erhalten die PJ-Studierenden in Greifswald eine Aufwandsentschädigung?
Nein, es gibt keine. Das ist ein großes Thema in Greifswald. Man bekommt pro Tag einen Essensgutschein, den man in der Cafeteria oder in der Mensa einlösen kann, was hoch gerechnet so ungefähr hundert Euro im Monat entspricht. Das steht in keinem Verhältnis dazu, was andere Lehrkrankenhäuser anderer Universitäten zahlen – im besten Fall 597 Euro monatlich inklusive Sachleistungen wie Mittagessen oder Bücher- und Tankgutscheine. Ich weiß, dass zum Beispiel in Rostock eine PJ-Aufwandsentschädigung gezahlt wird. Weil wir es ungerecht finden, dass unterschiedlich oder überhaupt nicht gezahlt wird, haben sich die Hartmannbund-Studierenden zum Ziel gesetzt, dass alle PJ-Studierenden in Deutschland eine einheitliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 597 Euro im Monat erhalten sollen. Daran werden wir auch in diesem Jahr festhalten und planen weitere Aktionen. Wir haben dazu einen Slogan entwickelt: „Auch wir sind das Krankenhaus – 597 Euro für einen studentischen Vollzeitjob“.

Ihr setzt euch auch für die Verkürzung des Krankenpflegepraktikums von drei auf zwei Monate ein?
Ja, das ist richtig. Das ist eine ältere Forderung der Medizinstudierenden im Hartmannbund, die immer noch aktuell ist. Bevor man sich zum ersten Staatsexamen anmelden kann, muss man ein dreimonatiges Krankenpflegepraktikum nachweisen. In diesem lernt man die Aufgaben des Pflegeberufes kennen, wäscht Patienten, erfährt, wie man Patienten vom Bett in den Rollstuhl setzt und vieles mehr. Aus Sicht der Hartmannbund-Studierenden sind dafür zwei Monate ausreichend, da man nur in den ersten zwei Monaten Neues lernt. Im dritten Monat ist es dann sehr eintönig, sodass man das Gefühl hat, eine kostenlose Arbeitskraft im Krankenhaus zu sein, die Betten macht und Kaffee austeilt.

Gibt es Erfolge, die die Hartmannbund-Studierenden für sich verbuchen können?
Jede Menge. Wir waren maßgeblich daran beteiligt, dass das Hammerexamen, die große Abschlussprüfung nach dem klinischen Studienabschnitt und dem praktischen Jahr, abgeschafft wurde. Außerdem haben wir uns dafür eingesetzt, dass es im Praktischen Jahr neben einem Pflichttertial in der Inneren Medizin sowie in der Chirurgie keinen dritten Pflichtabschnitt geben wird. Ursprünglich sollte während der letzten Veränderung der Approbationsordnung vor zwei Jahren ein Pflichttertial in der Allgemeinmedizin eingeführt werden. Dass dieser Pflichttertial nicht gekommen ist, sondern im dritten Tertial die Wahlmöglichkeit erhalten wurde, ist auch unserem Engagement zu verdanken. Wir haben nicht nur umfangreiche Pressearbeit geleistet, sondern uns außerdem an die Politiker gewandt, haben Briefe geschrieben und unsere Kommilitonen zu Demonstrationen aufgerufen. Aktuell gibt es übrigens Diskussionen, dass ein PJ-Pflichtquartal in der Allgemeinmedizin eingeführt werden soll. Auch dies sehen wir als völlig falschen Weg. Es gibt zahlreiche Maßnahmen, wie zum Beispiel die Pflichtfamulatur (Praktikum im klinischen Abschnitt, Anm. d. Red.), mit denen die Allgemeinmedizin an den Universitäten gestärkt werden soll. Hier sollten erst einmal die Ergebnisse abgewartet werden. Hinzu kommt noch, dass es aktuell nicht genügend PJ-Plätze in der Allgemeinmedizin gibt, auch nicht in Greifswald.

Welche Vorteile bietet der Hartmannbund für die Medizinstudierenden in Greifswald?
Es gibt hier vor Ort viele Angebote für uns Medizinstudierende. Wir organisieren regelmäßig zwei bis drei Kurse im Jahr. Ende August findet immer einen kostenloser EKG-Kurs für alle Hartmannbundmitglieder statt, der von einem Chefarzt aus Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt wird. Dieser Kurs wird von den Studierenden sehr gut angenommen, weil in der Vorlesung oft nicht genug Zeit ist, das EKG zu erklären. Des Weiteren machen wir im Winter in Kooperation mit der Transfusionsmedizin einen Venen-Funktionskurs. Dort wird den Studierenden beispielsweise noch einmal richtig gezeigt, wie man Blut abnimmt. Außerdem wurde im Jahr 2014 von der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern in Zusammenarbeit mit dem Hartmannbund ein Vortrag zur rechtlichen Stellung von PJ-lern und Famulanten organisiert. Nicht zu vergessen natürlich die vielen anderen Vorteile, die Medizinstudierende im Hartmannbund haben – die kostenfreie Berufshaftpflichtversicherung, die Beratungen und vieles mehr.

„Es gibt hier vor Ort viele Angebote für Medizinstudierende“

Was schätzt du selbst am Hartmannbund?
Als studentisches Mitglied fühle ich mich im Hartmannbund gut aufgehoben. Ich werde umfangreich informiert, kann den Verband mitgestalten und Kontakte zu den ärztlichen Mitgliedern aufbauen. Als Univertreterin kann ich mich mit vielen Medizinstudierenden in ganz Deutschland austauschen und weiß, wie an anderen Medizinischen Fakultäten gelehrt wird, was besser oder auch schlechter gemacht wird, welche Lehrveranstaltungen anders ablaufen und mit welchen Problemen andere Medizinstudierende zu kämpfen haben. Durch dieses Wissen weiß ich beispielsweise sehr zu schätzen, dass hier in Greifswald viel am Patientenbett und in Kleingruppen unterrichtet wird.

von Marei Thomas

Fotos: Privat