Rezension

Alles scheine ich zumindest nicht falsch gemacht zu haben. Immerhin habe ich schon über ein Jahr ohne unlösbare Probleme studiert. Unwissenderweise habe ich mich dabei sogar an einige Tipps aus dem Buch „Studieren – Eine Gebrauchsanweisung“ gehalten. Das Versprechen dessen Autoren ist es, Antworten zu geben auf elementare Fragen, die sich einem „vom Abi bis zum Doktortitel“ stellen. Dabei richten sie sich besonders an Studienanfänger vor und in den ersten Semestern. Immerhin beschäftigt sich fast die Hälfte der Seiten mit Dingen, die in der Regel bei Studienbeginn bereits abgearbeitet worden sind, wie die Wahl des eigenen Studienganges oder der Umzug in die erste WG.

„Mit dem Abiturzeugnis in der Tasche eines schönen Herbstmorgens in die Uni marschieren und dann einfach an der Pforte fragen: ‚Moin, moin, Maschinenbau, wo muss ich hin?‘ – so einfach ist es nicht.“

Es finden sich allerdings auch viele Orientierungshilfen in dem Buch, die einem so manche Hürde am Beginn des neuen Lebensabschnittes erleichtern können. In diesem Zusammenhang ist die Vorstellung einzelner Studiengänge sehr schön gelungen. Dazu wurden Dozenten gebeten, in Briefform zu schreiben, warum und für wen ihre Fachrichtung wählenswert ist. Diese Briefe sind nun über ein ganzes Kapitel verstreut worden. Die anderen beiden Abschnitte allerdings sind auch für schon Studierende interessant. Hier finden sich Tipps für die Zeit während und nach dem Studium. Die Themenbereiche reichen dabei von solchen, die jeden im Studium direkt betreffen – zum Beispiel das Finden der passenden Lernmethode – bis hin zu solchen, mit denen nur eine kleine Anzahl an Studenten je in Berührung kommen wird. Beispiel hierfür ist der Spezialjargon in Burschenschaften.

„Die Vorlesung: Eine Vorlesung hat in der Regel Spielfilmlänge. Auch die Art der Vorführung ähnelt der eines Films in einem Kino.“

Zwischendurch werden Filme und Lieder um das Thema Uni und Studium sowie Besonderheiten einzelner weniger Hochschulen vorgestellt. Alles wenig hilfreich für das praktische Uni-Leben, dafür recht amüsant. Der Ratgeber enthält aber auch einige Hinweise, die schon fortgeschrittenen Studenten weiterhelfen können. Besonders zu erwähnen ist hierbei der Abschnitt über das Studieren im Ausland. So ausführlich wie nötig und kurz wie möglich ist hier einiges an Informationen für diejenigen, die vom Fernweh gepackt sind, zusammengefasst. Zudem bieten manche Vorschläge Ideen, wie man Dinge, die bisher einigermaßen funktioniert haben, überdenken und noch verbessern kann. Dazu gehören unter anderem: Drei Kochrezepte, eine Einführung in das E-Learning-Prinzip und Hinweise zum Hochschulsport.

„Was das genau heißt? Nun ja, ein grober Würfel ist ein grober Würfel.“

Das dritte Kapitel „Nach dem Studium“ beschäftigt sich zum Großteil mit dem Schreiben von Bewerbungen und dem Überstehen von Vorstellungsgesprächen. Daneben gibt es Hinweise und Wissenswertes zum Thema Promotion und Habilitation, einschließlich der Ehrendoktorwürde.

Im Anhang sind zudem nützliche Internetseiten aufgeführt. Dazu gehören neben weiteren Orientierungshilfen auch der BAföG-Rechner und Links zu Mitfahrportalen. Wie im Rest des Buches liegt allerdings auch hier der Schwerpunkt auf dem Anfang des Studiums.

Insgesamt ist der Ratgeber durch einen lockeren Schreibstil amüsant zu lesen, auch wenn manche Vergleiche ein wenig weit hergeholt scheinen. Neben etlichen praktischen Informationen wird auch  unnützes Wissen aufgeführt, welches wenig zum Gesamtmehrwert beträgt. Auf der nächsten Studentenparty kann man höchstens neue witzige Geschichten aus der Welt der Statistiken und Hochschulvergleiche zum Besten geben. Des Weiteren unterstreichen hin und wieder einseitige Schwarz-Weiß-Cartoons die Themen des Buches. Direkte Zusammenhänge sind aber teilweise erst nach längerem Überlegen erschließbar. Leider sind einige Zahlen und Informationen inzwischen veraltet, worauf jedoch teilweise hingewiesen wird. Grund dafür sind einige Änderungen innerhalb der letzten Zeit, die sich unter anderem auf die Finanzierungsmöglichkeiten und rechtlichen Bestimmungen auswirkten. Auch der plötzliche Themenwechsel in einigen Kapiteln kann verwirrend, andererseits aber auch auflockernd wirken.

Bei „Studieren – Eine Gebrauchsanweisung“ hat man es mit einem kompakten und Großteils auch hilfreichen Ratgeber zu tun. Da sich der Gehalt an neuen Informationen für erfahrenere Studenten in Grenzen hält, ist das Buch für diese eher weniger zu empfehlen. Für Studieninteressierte und Studienanfänger allerdings ist viel relevantes Wissen übersichtlich zusammengestellt. Sie kann das kleine Buch durchaus ihr gesamtes Studium lang begleiten.

von Juliane Stöver

Foto: ©Goldmann Verlag