Carola Lewering

Multitasking! Carola Lewering leitet das Vorpommernstudio des NDR in Greifswald. Mit einem Team von 30 Mitarbeitern recherchiert und bereitet sie Themen für Radio und Fernsehen, twitter und Facebook auf. Lewering ist dabei hauptsächlich für das Content-Management und die Abnahme der Resultate zuständig. Als Reporterin hat sie viele Erfahrungen gesammelt, ist jedoch momentan nur selten als solche unterwegs. Im letzten Jahr gestaltete sie sogar ihren eigenen Film: „Verräterkind“.

Gute journalistische Arbeit zeichnet aus, dass..
… in erster Linie gut recherchiert wird. Im Zeitalter der freien und der frei verbreiteten Informationen wird das immer wichtiger. Eine Geschichte muss stimmen. Ich nehme in meiner Arbeit das Motto: „Mache Dich nie mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten.“ von Hanns-Joachim Friedrichs sehr ernst. Eine gute Quellenarbeit ist für jede noch so kleine Geschichte wichtig. Ebenso wichtig ist es aber auch, Impulsen nachzugehen. Sie sind Anzeiger für Geschichten. Das können Hinweise, offizielle Informationen, aber auch Gerüchte sein. Da müssen alle Seiten betrachtet werden. Dafür, dass dabei nichts übersehen wird, ist ja die Redaktion als eine Art Organismus da. Manchmal wird auch ein Stoff „tot recherchiert“. Das ist dann eben so. Aber dabei kommen auch Geschichten ans Tageslicht. Gute Journalisten sind außerdem hartnäckig. Sie versuchen, an Primärquellen heranzukommen und bleiben nicht an der Oberfläche stecken. Sie reden mit echten Menschen und schreiben nicht verschämt gut formulierte Mails. Sie sind neugierig, unerschrocken und mutig. Sie stellen auch sich selbst immer wieder in Frage.

Welcher Sender läuft in Ihrem Auto-Radio?
Morgens höre ich fast immer unseren Landessender NDR 1 Radio MV. Habe ich eine längere Tour vor mir, greife ich in der Regel zu Hörspielen oder schalte schon mal zu „wortlastigeren“ Programmen wie Deutschlandfunk oder Deutschlandradio um. Wenn der Tag vorbei ist, brauche ich dann wieder mehr Musik. Da läuft dann eher N-Joy oder NDR Kultur. Das hängt von der Stimmungslage ab, auch der meiner Mitfahrer, besonders meiner großen Söhne. Ich schalte auch ganz gern mal einen polnischen Sender ein, wenn ich allein im Auto bin. Auf meinem Heimweg in die Grenzregion sind die Stettiner und Swinemünder Sender sehr gut zu empfangen.

Waren sie in ihrer Funktion als Reporterin schon mal in einer gefährlichen Situation?
Nicht wirklich. Was nicht heißt, dass ich nicht schon mal beschimpft, sogar bespuckt, auch bedroht, bestohlen, überfallen oder auch mal abgestürzt bin. Ich habe recht gute Nerven. Irgendwie ist immer alles gut ausgegangen. Richtig mulmig war mir oft, als ich mich Ende der 1990er Jahre ein paar mal allein mit Neonazis getroffen habe. Mulmig war mir aber auch, als ich auf der Flucht vor einer Rotte Wildschweine das Auto im dunklen Wald fast nicht mehr erreicht hätte. Und auch in Osteuropa, wo ich drei Jahre fast nur unterwegs war, gab es schon mal Situationen, die nicht ganz ohne waren. Zum Beispiel, als wir im lettischen Ventspils nachts mit der Polizei Autodiebe gejagt haben. Aber in einem Kriegsgebiet war ich noch nicht.

Wollten Sie früher auch „irgendwas mit Medien“ machen?
Das stand für mich als Landeskind in der Zeit meiner Berufsentscheidung vor 1989 gar nicht zur Debatte. Im Gegenteil. Journalisten waren damals für mich eher Leute, denen man nicht über den Weg trauen konnte. Das hat sich nach der Wende schnell geändert. Noch während meines Studiums auf Lehramt Kunst/Deutsch bekam ich die Gelegenheit, mich beim NDR auszuprobieren. Und ich wusste sofort: Das ist es! Und dabei ist es bis heute geblieben.

Frau Lewering, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führten Sophie Gros und Till Junker.

Foto: Privat