Als mein Lieblingsmensch beginnt, in der Küche das Popcorn vom Vortag zum Mittag zu essen, muss ich zweimal hinschauen, um das zu glauben. Sieht so studentischer Alltag aus – Popcorn zum Mittag? Meine Kollegen in einem kommunalen Unternehmen wussten zu Beginn meiner studentischen Tätigkeit zum Teil nicht mal, dass man in Greifswald studieren kann. Seitdem sitze ich zweimal in der Woche mit ihnen am Kantinentisch und höre mir nett lächelnd ihre naiven Vorurteile an: „Wann stehen Studenten eigentlich auf? Um 13 Uhr?“, bellt mir ein Kollege entgegen. „Nein“, denke ich mir und lächele wieder einmal in mein mitgebrachtes vegetarisches Essen. Mitgebracht, weil es in der Kantine immer zwei Gerichte gibt, immer zwei Gerichte mit Fleisch. An den Tagen vor den Arbeitstagen koche ich also immer etwas mehr Vegetarisches, damit ich was zum Mitnehmen habe. Mein Lieblingsmensch muss dann mit Popcorn vorlieb nehmen.

Natürlich gibt es auch bei Studenten Tage, an denen die Pizza vorm Fernseher gegessen wird und der Gang zum Ofen die anstrengendste Tat des Tages bleibt. Doch die meiste Zeit durchleben wir unseren Alltag wie ganz normale Menschen. Mit dem Unterschied, dass wir die Wochenenden nicht gemütlich verbringen, sondern erst richtig loslegen. Liebe Neuankömmlinge des Greifswalder Studentenlebens, lasst euch in der Erstiwoche nichts vormachen, auch Studenten kochen mit Wasser, zumindest die älteren Semester. Ich für meinen Teil werde wohl noch viele weitere Tage um dreiviertel zwölf die Rouladen meiner Kollegen betrachten. Darauf erstmal ein Popcorn.

von Lisa Klauke-Kerstan

Foto: Isabel Kockro